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Anschlag auf Synagoge in Jerusalem: Angreifer töten vier Betende

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Anschlag auf Synagoge in Jerusalem: Angreifer töten vier Betende

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Es ist der bisher tödlichste Anschlag seit Jahren in Jerusalem: Am Morgen haben zwei Angreifer in einer Synagoge im Stadtteil Har Nof vier jüdische Betende getötet und mehrere Menschen verletzt. Die beiden Täter wurden von der Polizei erschossen. Polizeiangaben zufolge griffen sie mit Äxten und Messern an. Zudem hätten sie Schüsse abgefeuert. Es sollen sich etwa 30 Menschen in der Synagoge befunden haben. Die Synagoge befindet sich in einem ultra-orthodoxen Stadtteil im Westen Jerusalems.

Die Männer würden aus dem arabischen Ostteil Jerusalems stammen. Zahlreiche israelische Sicherheitskräfte seien im Bereich ihrer Wohnhäuser im Einsatz, hieß es. In der ganzen Stadt seien die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden. Das israelische Newsportal “Hatzolah Israel” berichtete auf Twitter von Ausschreitungen in der Nachbarschaft der mutmaßlichen Attentäter. Die Polizei suche nach dem Fahrer der Attentäter. “Hatzolah Israel” postete zudem Fotos, die Hamas-Mitglieder im Gazastreifen zeigen sollen, die mit Hammern bewaffnet weitere Terroranschläge fordern.

Bei den Angreifern handele es sich laut israelischer Polizei um zwei Cousins. Die Behörden waren zunächst davon ausgegangen, dass es sich um Einzeltäter handelte. Unterdessen teilte die radikale Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) mit, zwei ihrer Mitglieder hätten den Anschlag verübt. “Dieser Einsatz ist eine Form des Widerstands, der verstärkt werden sollte”, hieß es in einer Mitteilung des bewaffneten Arms der Organisation, der Abu-Ali-Mustafa-Brigaden.

Die PFLP rief alle palästinensischen Fraktionen dazu auf, “gemeinsam Widerstand gegen die (israelische) Besatzung” zu leisten. Zuvor hatte die radikalislamische Hamas den Angriff als „heroischen Akt“ bezeichnet. Es sei die Rache für den Tod eines arabischen Busfahrers, der am Sonntag erhängt in einem Bus aufgefunden wurde. Nach Angaben der israelischen Polizei beging der Palästinenser Selbstmord. Seine Familie beschuldigt jedoch jüdische Extremisten, hinter der Tat zu stehen. Wegen des Todes kam es zu Unruhen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Anschläge. Er sei grundsätzlich gegen die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten, so Abbas nach Angaben seines Büros. Der Präsident verurteile “die Tötung von Betenden in einem Gotteshaus im Westen Jerusalems”. Gleichzeitig forderte er Israel auf, Provokationen auf dem Tempelberg in Jerusalem und in den Palästinensergebieten zu unterlassen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte harte Konsequenzen an. Er warf Abbas vor, für den blutigen Anschlag in Jerusalem mitverantwortlich zu sein. Der Angriff sei “das direkte Ergebnis der Hetze von Hamas und Abbas, die von der internationalen Gemeinschaft auf unverantwortliche Weise ignoriert wird”, teilte Netanjahu am mit. “Wir werden mit harter Hand auf den grausamen Mord an Juden reagieren, die beten wollten und die von heimtückischen Mördern getötet wurden”, sagte er. Netanjahu berief für den Mittag eine Sicherheitsberatung ein.

Die UNO rief die Regierung in Israel zur Besonnenheit auf. Eine Reaktion Israels auf den Angriff müsse in Einklang mit internationalem Recht stattfinden. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor einer neuen Spirale der Gewalt. “Dass Gotteshäuser zum Schauplatz von tödlichen Angriffen auf unschuldige Gläubige werden, ist eine schreckliche Grenzüberschreitung in einer ohnehin extrem angespannten Lage”, sagte Steinmeier bei einem Besuch in Kiew.

US-Außenminister John Kerry verurteilte den Angriff ebenfalls scharf. Er sei ein Akt „puren Terrorismus“ und zeuge von „sinnloser Brutalität“. Die palästinensische Führung müsse Stärke zu beweisen, um die Region auf einen neuen Weg zu führen. Diese Gewalt habe „nirgendwo einen Platz.“ Es gebe für sie keine Berechtigung, erst recht nicht nach den Gesprächen in Amman. Kerry war in der jordanischen Haupstadt in der vergangenen Woche mit dem israelischen Regierungschef und dem jordanischen König Abdullah II. zusammengekommen. Es ging um die Spannungen in Jerusalem. Ein Auslöser der Unruhen war der Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalems Altstadt, der Juden und Muslimen heilig ist.

Ende Oktober war der radikale jüdische Tempelberg-Aktivist Jehuda Glick von einem Palästinenser niedergeschossen worden. Zuvor hatte es Berichte darüber gegeben, dass Israel Juden Gebete auf dem für Muslimen heiligen Areal erlauben wolle. Nach dem Anschlag auf den Aktivisten hatte die israelische Polizei den für Muslime heiligen Tempelberg und dessen Umgebung zeitweise ganz gesperrt. Aus Protest dagegen zog Jordanien seinen Botschafter aus Israel ab. Es kam mehrfach zu gewalttätigen Ausschreitungen. Im Westjordanland und Jerusalem gab es in den vergangenen Wochen zudem eine Serie von Anschlägen gegen Israelis, mehrere Menschen starben.


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