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Lesbos: Ferieninsel und Flüchtlingsstation

An den Stränden im Norden der griechischen Insel Lesbos gehen jeden Tag bis zu 700 Flüchtlinge an Land. Die Ankunft: Ein kurzer Moment der

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Lesbos: Ferieninsel und Flüchtlingsstation

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An den Stränden im Norden der griechischen Insel Lesbos gehen jeden Tag bis zu 700 Flüchtlinge an Land. Die Ankunft: Ein kurzer Moment der Erleichterung, in dem das ein oder andere Lächeln auf den Gesichtern zu erkennen ist.

Meinung

Wir sind auf ein wenig Hilfe angewiesen

Menschenschlepper bringen die Migranten auf die Insel in der Nördlichen Ägäis weil sie nicht weit von der Türkei entfernt und einfach per Boot zu erreichen ist. Die meisten Migranten fliehen vor dem Bürgerkrieg in Syrien. “Keine Arbeit, kein Leben, nur Krieg. Wir brauchen ein ordentliches Leben. Und das gibt es in Syrien nicht“, erzählt ein junger Mann.

Überfahrt kostet 3000 Dollar

Jeder der Migranten, der hier gerade auf der Insel angekommen ist hat 3.000 US-Dollar gezahlt, um von Ayvalik und Canakkale nach Lesbos zu kommen. Die Reise hat ungefährt 2,5 Stunden gedauert. Freiwillige empfangen sie und versorgen sie mit Wasser und Nahrung“, erklärt euronews-Reporter Apostolos Staikos.

Doch nur eine Etappe haben sie geschafft. Von den Stränden im Norden der Insel geht es zu Fuß weiter in eine Stadt mit Hafen: Acht Kilometer entfernt liegt Mithymna, im Südwesten von Lesbos, rund 50 Kilometer entfernt, in Mytilene, liegt der größte Hafen der Insel. In beiden Orten legen Fähren nach Athen ab, das nächste Zwischenziel der Migranten.

Wir waren stundenlang zu Fuß unterwegs bis wir hier waren. Wir haben unter freiem Himmel geschlafen. Und hier helfen uns jetzt gute Menschen. Von hier wollen wir weiter an einen anderen Ort. Dafür sind wir auf ein wenig Hilfe angewiesen“, berichtet eine junge Frau aus Syrien.

Gewalt auf Lesbos, Touristen bleiben weg

Auf Lesbos sind Flüchtlingslager für Syrer und diejenigen für Afghanen, Pakistaner und Iraker getrennt. Dennoch gibt es Berichte von gewalttätigen Auseinandersetzungen, oft in der Nacht. Die Einwohner der beliebten Ferieninsel beklagen Einbußen. Das ganze Jahr warten sie auf den Sommer und die Ankunft von Touristen – doch in diesem Jahr kamen viel weniger von ihnen. Am Strand zu liegen, während überfüllte Flüchtlingsboote anlegen, ist wohl fehl am Platz.

Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz sind vor Ort, um zu helfen. Doch es fehlt an Trinkwasser, Nahrung und Kleidung für die vielen Hilfesuchenden. Um in einem Lager aufgenommen zu werden, müssen sich die Migranten vorher registrieren. Eine Freiwillige, die die bei der Versorgung von Flüchtlingen mithilft erklärt: “Sie sagen uns, dass sie nach Deutschland und Schweden wollen. Oder irgendwo anders nach Europa. Sie wollen nicht in Griechenland und vor allem nicht auf Lesbos bleiben. Weil es eine Insel ist, fühlen sie sich hier isoliert. Sie haben Angst. Sie wissen nicht, was sie hier oder in Athen erwartet“.

Direkt im Hafen von Mytilene harren derzeit rund 600 Flüchtlinge aus, darunter zahlreiche Kinder. Sie alle hoffen auf einen Platz auf der nächsten Fähre nach Athen. Doch auch dort ist ihre Odyssee nicht beendet…

Route illegaler Migranten nach Griechenland

Flüchtlinge, die Griechenland erreichen:


2014
43,500


Juli 2015
50,242


Januar – Mitte August 2015
160,000

Zahl illegaler Migranten, die 2015 über das Mittelmeer nach Europa gelangten:


Gesamtzahl
264.500


Griechenland
160.000


Italien
104.000


Spanien
1.950


Malta
100