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Italien: Dicke Luft nach verlustreicher Bankenrettung

In Italien hat die Regierung nach der Rettung von vier Banken zugesichert, alles nur Mögliche zu tun, um das Bankensystem zu stärken. Rund 130,000

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Italien: Dicke Luft nach verlustreicher Bankenrettung

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In Italien hat die Regierung nach der Rettung von vier Banken zugesichert, alles nur Mögliche zu tun, um das Bankensystem zu stärken. Rund 130,000 Aktionäre und 10,500 Inhaber nachrangiger Bankanleihen hatten bei der Bankenrettung knapp 1 Milliarde Euro verloren – ein Rentner büßte 110.000 Euro ein und brachte sich um. Insgesamt ist das Rettungpaket 3,6 Milliarden Euro schwer.

Meinung

Die Kapitalflucht geht einfach weiter, wegen der Konkurse der Banken, die dort stattfinden

Die betroffenen Institute Banca delle Marche, Banca Popolare dell’Etruria, Cassa di Risparmio di Ferrara sowie di Cassa di Risparmio di Chieti sind sehr kleine Banken, denen die jahrelange Rezession in Italien in Form vieler fauler Kredite zugesetzt hat.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sprach von einer “angehenden Bankenkrise” und warnte vor Kapitalflucht. “Die Kapitalflucht geht einfach weiter, wegen der Konkurse der Banken, die dort stattfinden”, sagte Sinn bei der seiner Abschiedsvorlesung in der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU) München.

In der Bilanz der Banca d’Italia ist der Posten der “Intra-Eurosystem-Verbindlichkeiten” zwischen Mai und November von 164 auf 230 Milliarden Euro gestiegen. Darunter fallen die Verbindlichkeiten gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) im Rahmen des Großbetragszahlungssystems Target2.

Hans-Werner Sinn geht offenbar davon aus, dass die Italiener ihr Geld aus Angst vor weiteren Bankpleiten verstärkt außer Landes bringen. “Target ist letztlich Kapitalflucht”, sagte er. Die Deutsche Bundesbank baut dagegen wieder zunehmend höhere Target2-Forderungen gegenüber der EZB auf. Dieser Posten hat seit Mai von 526 auf 563 Milliarden Euro zugelegt.

Ab Januar gelten neue EU-Regeln, nach denen bei einer Rettung auch Aktionäre, Anleihegläubiger und vermögende Kunden einbezogen werden müssen. Es wird befürchtet, dass Sparer dann Verluste erleiden und mit ihren Einlagen diese Institute meiden. Das könnte zu einer Vertrauenskrise führen.

Italiens Banken haben sich mit Nachranganleihen schätzungsweise 60 Milliarden Euro nachrangiges Kapital besorgt.

su mit Reuters, dpa