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E.ON: Das dicke Ende könnte erst noch kommen

E.ON-Chef Johannes Teyssen macht den Aktionären nach einem Rekordverlust des Energiekonzerns von sieben Milliarden Euro keine Hoffnung auf eine

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E.ON: Das dicke Ende könnte erst noch kommen

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E.ON-Chef Johannes Teyssen macht den Aktionären nach einem Rekordverlust des Energiekonzerns von sieben Milliarden Euro keine Hoffnung auf eine Rückkehr zu alten Glanzzeiten.

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Nach zwei Monaten im neuen Geschäftsjahr ist erkennbar, dass sich unser Marktumfeld weiter eingetrübt hat

“Nach zwei Monaten im neuen Geschäftsjahr ist erkennbar, dass sich unser Marktumfeld weiter eingetrübt hat”, sagte der Manager auf der Bilanzpressekonferenz in Essen. Die Strom- und Gaspreise seien im Sinkflug. Dies werde sich wohl so schnell auch nicht ändern.

Trotz des größten Verlustes in der Firmengeschichte – und eines der höchsten eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland überhaupt – warb Teyssen für die Aufspaltung des größten deutschen Versorgers in einen Ökostromkonzern und einen für Kohle- und Gaskraftwerke.

“Unsere operativen Stärken werden sich im Laufe des nächsten Geschäftsjahres besser entfalten können, wenn beide Unternehmen getrennte Wege gehen”, sagte der 56-Jährige. E.ON will sich noch in diesem Jahr aufspalten. Die Gas- und Kohlekraftwerke werden bei der Tochter Uniper geführt, während E.ON sich auf das zukunftsträchtige Ökostromgeschäft konzentriert. Teyssen verspricht sich davon ein klareres Profil, das neue Investoren anlocken soll.

Der operative Gewinn (Ebitda) fiel 2015 um zehn Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Beim Nettoverlust schlugen vor allem Abschreibungen auf Kraftwerke und das Öl- und Gasgeschäft von knapp neun Milliarden Euro zu Buche.

Teyssen bereitete die Aktionäre auf einen Rückgang der Dividende vor, nachdem sie für 2015 noch eine stabile Ausschüttung von 50 Cent je Aktie erhalten sollen. Seit der Bekanntgabe der Aufspaltung Ende 2014 hätten sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtert, berichtete er. “Wir müssen daher die Ausrichtung und die erreichbaren Ambitionen von Uniper und E.ON überprüfen.”

Den Versorgern machen die unter dem Druck des Ökostromausbaus stark gefallenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Das operative Ergebnis der Kohle- und Gaskraftwerke, die Uniper zugeschlagen werden, brach 2015 auf knapp 500 Millionen von gut 800 Millionen Euro ein. Das Ergebnis der Kraftwerke in Russland – ebenfalls künftig bei der Tochter – fiel wegen der Rubelschwäche um knapp ein Drittel. “Uniper sitzt auf einer hervorragenden Wasserkraftposition”, nannte Teyssen derweil als Beispiel für ein potenzielles Wachstumsgeschäft.

Eigentlich wollte Teyssen Uniper auch die Abwicklung der Kernkraftwerke übertragen. Dem schob die Bundesregierung aber mit einem neuen Gesetz, das die Haftung für Atomrisiken neu regelt, einen Riegel vor. Um Rückbau und Entsorgung wird sich also weiter E.ON kümmern.

E.ON kämpft auch gegen die Begleiterscheinungen der Energiewende: Im Herbst 2010 beschloss die seit Herbst 2009 amtierende schwarz-gelbe Bundesregierung (Kabinett Merkel II) eine Laufzeitverlängerung für die damals 17 deutschen Kernreaktoren. Wenige Tage nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima änderte Bundeskanzlerin Merkel ihre Atompolitik radikal, revidierte bald darauf die Laufzeitverlängerung und vollzog einen Atomausstieg. Die sieben ältesten Atomkraftwerke sowie der ‘Pannenreaktor’ Krümmel verloren zum August 2011 ihre Betriebserlaubnis. E.ON kündigte an, gerichtlich gegen die Abschaltung der AKWs und gegen die Brennelementesteuer vorgehen zu wollen. Ende 2011 legte E.ON eine Verfassungsbeschwerde ein. Im Oktober 2014 verklagte E.ON die Bundesregierung auf Schadensersatz von 380 Millionen Euro.

su mit Reuters