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Krim-Annexion: Russland feiert "zwei Jahre Wiedervereinigung"

Russland feiert den zweiten Jahrestag der Krim-Annexion, die aus Moskauer Sicht eine Wiedervereinigung war. Wladimir Putin reiste persönlich auf die

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Krim-Annexion: Russland feiert "zwei Jahre Wiedervereinigung"

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Russland feiert den zweiten Jahrestag der Krim-Annexion, die aus Moskauer Sicht eine Wiedervereinigung war. Wladimir Putin reiste persönlich auf die Halbinsel, wo er sich unter anderem über den Bau der ersten Brücke über die Meerenge von Kertsch informierte. Sie soll die Krim mit dem russischen Festland verbinden und den Anspruch Russlands auf die Krim untermauern.

Meinung

Die Menschen auf der Krim sind zufrieden, weil sie wieder zu ihrer Heimat gehören.

Putin versicherte, die Energieprobleme der Halbinsel würden bis 2018 gelöst. Die Krim bezieht weiterhin Strom, Gas und Wasser aus der Ukraine. Vergangenen Herbst hatten Krimtataren und rechtsgerichtete Ukrainer eine Stromleitung zerstört, was wochenlang zu Ausfällen der Elekrizität auf der Krim führte. Ein erstes Seekabel von Russland musste in aller Eile gezogen werden.

Feiern zum Jahrestag

In verschiedenen Städten auf der Krim, etwa in Sewastopol, gab es Feiern zum Jahrestag der Annexion. Die umstrittene Übernahme des Gebiets, das 1954 vom damaligen sowjetischen Staatschefs Nikolai Chruschtschow an die ukrainische Sowjetrepublik geschenkt wurde, halten viele hier nach wie vor für richtig.

Ein Mann meinte: “Natürlich gibt es Probleme, aber auch positive Momente. Zunächst sind die Menschen auf der Krim zufrieden, weil sie wieder zu ihrer Heimat gehören. Das ist das wichtigste, da die Krim nun vollständig zur russischen Föderation gehört.”

Ein anderer sagt: “Es gibt viele Probleme. So ist die Zahl an Beamten drastisch angestiegen und damit auch der Druck auf Unternehmen. Außerdem macht uns die fehlende Erfahrung der Behörden zu schaffen.”

Annexion trifft Tourismus schwer

Die Abspaltung der Krim führte auch dazu, dass der Tourismus auf der Halbinsel zurückging. In Urlaubsorten wie Jalta blieben vergangenes Jahr zwei Drittel der Hotels leer. Jaltas Bürgermeister Andrej Rostenko sagt: “Ohne die Sanktionen hätten wir heute sicherlich mehr europäische Touristen. In Jalta hängen wir stark von den Kreuzfahrtschiffen ab, die hier vorbeikommen. Früher kamen in einer Saison mehr als 200 Schiffe mit vielen Touristen.”

Rostenko ist aber zuversichtlich, man werde sich nun eben verstärkt dem russischen Markt zuwenden, sagt er.

Auch kritische Stimmen in Russland

Die Annexion der Krim wird von den meisten Staaten nicht anerkannt. Während viele Russen Putins Kurs stützen, gibt es auch kritische Stimmen in Russland. Die Zeitung “Wedomosti” aus Moskau schreibt: “Wir haben die Ukraine als Partner verloren und haben eine ernste Vertrauenskrise bei den Verbliebenen ausgelöst, sogar innerhalb der von Russland geführten Eurasischen Wirtschaftsunion. Die Krim ist zu einer gewöhnlichen Region geworden, die von Subventionen abhängt. Der Anteil föderaler Transferzahlungen am Haushalt der Krim lag 2015 bei 67 Prozent, in Sewastopol bei 61 Prozent. Der Anschluss der Krim war ein offensichtlicher Fehler, den der Kreml wie auch die Mehrheit der Bevölkerung noch lange nicht anerkennen wird. Aber bezahlen dafür werden wir.”


Informationen zur Krim-Krise auf dem Portal Politische Bildung
Infos zur Brücke über den Kertsch beim Eurasischen Magazin

Der Weg zur “Wiedervereinigung”

Vor zwei Jahren spaltete sich die Krim von der Ukraine ab. Die Deutsche Presse-Agentur dokumentiert die wichtige Ereignisse rund um die Annexion.

18. Februar 2014: Die prowestlichen Massenproteste in der Ukraine schlagen in Gewalt um – auf dem Maidan in Kiew sterben Demonstranten und Sicherheitskräfte durch Schüsse.

21. Februar 2014: Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch wird vom Parlament abgesetzt. Er flieht nach einem Zwischenstopp auf der Krim nach Russland.

22. Februar 2014: Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Lage im Nachbarland Ukraine berät Kremlchef Wladimir Putin in Russland bei einer Geheimsitzung im engsten Kreis über ein “Heimholen” der Krim.

27. Februar 2014: Russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen übernehmen auf der Krim die Kontrolle über den Regierungssitz, Parlament und den Flughafen in Simferopol. Moskau streitet den Einsatz eigener Soldaten ab und spricht von Selbstverteidigungskräften der Halbinsel. Putin räumt aber später die Anwesenheit der Einheiten – “im Hintergrund” – ein.

1. März 2014: Der russische Föderationsrat erteilt Putin die Vollmacht, im Ukraine-Konflikt offiziell die Armee einzusetzen. Putin nutzt die Erlaubnis nicht und gibt sie am 24. Juni zurück.

16. März 2014: In einem umstrittenen und verfassungswidrigen Referendum stimmt eine Mehrheit der Bevölkerung der ukrainischen Halbinsel Krim für den Anschluss an Russland. Die proeuropäische neue Führung in Kiew und der Westen erkennen das Ergebnis nicht an.

18. März 2014: Putin unterzeichnet mit der neuen prorussischen Führung aus Simferopol in Moskau einen Vertrag über den Beitritt der Halbinsel. Sie wird als Republik Krim Teil Russlands.

21. März 2014: Nachdem das russische Verfassungsgericht und das Parlament zustimmen, erklärt Putin die Aufnahme als vollzogen. Die Regierung in Kiew und der Westen werfen Moskau Annexion vor.