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Kairo braucht Cash - Verhandlungen mit dem IWF

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Kairo braucht Cash - Verhandlungen mit dem IWF

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Ägypten ist in Finanznot. Der nordafrikanische Staat leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise, die Kassen sind leer. Deshalb soll der Internationale Währungsfonds einen Milliardenkredit geben. Der Fonds hat eine Delegation nach Kairo geschickt, um sich Aussichten und den Stauts Quo der ägyptischen Wirtschaft präsentieren zu lassen, um dann Verhandlungen über die Bedingungen für einen Hilfskredit zu führen. In einer Stellungnahme bestätigte das Kabinett in Kairo laufende Verhandlungen mit dem Fonds über Kredite in Höhe von zwölf Milliarden US-Dollar, die verteilt über drei Jahre ausgezahlt werden sollen. Insgesamt umfasse das Paket stolze 21 Milliarden Dollar, heißt es. Denn neben den Milliarden vom IWF rechnet Kairo bei einem erfolgreichen Abschluss der Gespräche mit zusätzlichen 4,5 Milliarden Dollar aus den Kassen von Weltbank und Afrikanischer Entwicklungsbank sowie weiteren Mitteln aus dem Verkauf von Staatsanleihen.

Hintergrund der lange erwarteten Initiative bilden die Talfahrt der ägyptischen Wirtschaft, der eklatante Mangel an harter Währung und das ausufernde Haushaltsdefizit. Das Land kann nur mit Mühe die Rechnungen für dringend benötige Importe begleichen. Es kämpft mit einem schwindelerregenden Wertverfall des ägyptischen Pfundes (EGP) und einer Rekordinflation, die sich im Juni um fast 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht hat. Die Arbeitslosigkeit hat offiziellen Zahlen zufolge die Zwölf-Prozent-Marke bereits überschritten – Tendenz steigend. Während die Zentralbank erfolglos Milliardenbeträge in die Stabilisierung der Landeswährung steckte und sich im März gezwungen sah, das Pfund massiv abzuwerten, haben Unternehmen kaum noch Zugang zu Devisen und damit ernsthafte Probleme, ihr Geschäft am Laufen zu halten. Der Schwarzmarkt blüht. Liegt der offizielle Umrechnungskurs für einen Dollar weiterhin bei rund 8,85 EGP, zahlten Kunden letzte Woche bis zu 13 EGP im informellen Handel. Das Ausbleiben der erhofften Mehreinnahmen aus dem teuren Ausbau des Suezkanals und das Fernbleiben der Touristen, die zuvor jährlich mehrere Milliarden US-Dollar ins Land gebracht hatten – beides kann nicht mehr kompensiert werden.

Noch sind keine Details zu den Bedingungen bekannt, die der IWF an die Kreditvergabe knüpfen wird. Doch die Staatsführung hat in den letzten Jahren bereits unpopuläre Maßnahmen vorangetrieben: Kairo strich die Benzinsubventionen massiv zusammen, setzte die Maßnahme aber wegen des niedrigen Ölpreises wieder aus. Ein Mehrwertsteuergesetz, das auf andere Warengruppen ausgwweitet werden soll, wird derzeit im Parlament diskutiert. Im öffentlichen Dienst könnten Massenentlassungen anstehen. Kritiker befürchten, dass bis zu drei Millionen Menschen ihren Job verlieren. Die Maßnahmen treffen vor allem einkommensschwächere Haushalte und drohen das soziale Gefälle am Nil noch zusätzlich zu erschüttern.

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