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In der Warteschleife: Afghanische Flüchtlinge in Griechenland

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In der Warteschleife: Afghanische Flüchtlinge in Griechenland

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Die Zahl der afghanischen Asylbewerber in Europa hat sich im vergangenen Jahr fast vervierfacht. Afghanistan steht an zweiter Stelle unter den Herkunfsländern der Asylbewerber in Europa.

Auf Athens einstigem Flughafen Ellinikon, der später für die Olympischen Spiele genutzt wurde, warten heute mehr als 3.000 Flüchtlinge in Zelten im Flughafengebäude und in den angrenzenden Olympia-Sportstadien. Ärzte und Menschenrechtsorganisationen schlagen Alarm wegen der unhaltbaren sanitären Zustände. Bis zum Jahresende will die Regierung das Lager räumen. Viele werden wieder in die Heimat zurückgeschickt werden – mehr oder weniger freiwillig – oder, nach dem Abkommen der EU mit der Türkei, dorthin.

Taza ist eine von ihnen. Die Witwe mit sechs Kindern kam nach einer längeren Zwischenstation im Iran im April nach Griechenland. Durch langwierige bürokratische Verfahren sah sie sich letztlich nicht in der Lage, Asyl zu beantragen. Ihre Mittel sind aufgebraucht, und sie willigte in die Rückkehr nach Afghanistan ein – gegen die innere Überzeugung. “Man kann in Afghanistan nicht leben, es herrscht dort immer Krieg. Die Kinder haben Angst. Ich habe Angst. Ich habe keinen gesetzlichen Beschützer oder jemanden, der mich versorgt. Mein Sohn hat Panik und sagt, er wird nicht zurückgehen. Aber ich habe es so entschieden, ohne guten Grund und gegen seinen Willen.” Der Sohn sagt, ein Rachefeldzug gegen ihn in der Heimat könnte ihn das Leben kosten.

Taza berichtet, dass sie mit dem Rückkehrprogramm der Internationalen Migrationsorganisation (IMO) bis nach Kabul gebracht würden, das als sicher gilt. Doch dann müssten sie weiter, in ihre Heimatstadt im Norden, wo die Taliban wüteten. Die IMO betont, dass sie die Menschen nicht zur Rückkehr in gefährliche Gebiete ermutige.

13 Jahre im Ungewissen

Yusuf stammt ebenfalls aus Afghanistan – er versucht schon seit 13 Jahren, sich in Athen ein neues Leben aufzubauen. Aber sein Asylantrag wurde abgelehnt. Die Abschiebung steht für Yusuf auch nach über einem Jahrzehnt in Europa weiter im Raum. “Ich würde so gern eine Familie gründen, ich bin 42 Jahre alt. Die Jahre vergehen und ich möchte das nicht verpassen”, klagt er. “Aber zuerst einmal möchte ich Papiere haben und einen legalen Status.” Yusuf wartet auf eine abschließende Anhörung für seinen Asylantrag – und fürchtet, in eine Heimat abgeschoben zu werden, die für ihn nicht länger existiert: “Auf keinen Fall kann ich nach Afghanistan zurück. Weil das Land völlig gesetzlos ist. Regeln gibt es dort nur für die Leute im Parlament, die einen Posten haben und von Waffen und gepanzerten Fahrzeugen geschützt werden. Der Rest der Bevölkerung kann nicht in Sicherheit leben.”

Hundert Prozent Ungewissheit. Und Leben in der Warteschleife.

Werden sie doch noch Asyl bekommen? Werden sie bei der Rückkehr in die Heimat ohne Hilfe durchkommen? Schlicht Überleben? Fragen, auf die Europa keine Antwort hat.

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