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Mali kämpft um Sicherheit und Investitionen


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Mali kämpft um Sicherheit und Investitionen

Es ist das Bild, von dem Malis Regierung träumte: 35 Staats- und Regierungschefs gemeinsam mit Präsident Ibrahim Boubacar Keïta in Bamako. Angesichts der Bedrohung durch bewaffnete Gruppen in der Region war auch der Afrika-Frankreich-Gipfel in Malis Hauptstadt gefährdet. Doch er fand statt. Und schon das ist ein Sieg für die Regierung.

Boubou Cissé, Malis Finanzminister, erklärt: “Dieser Gipfel ist ein Erfolg, daran besteht kein Zweifel. Er hilft dem Image Malis, um ausländische Investoren anzuziehen.”

Der Gipfel war nicht nur ein Treffen politischer Führungsfiguren. Viele potentielle Investoren aus aller Welt waren eingeladen. Der Blick sollte auf Geschäftsmöglichkeiten gelenkt werden und nicht nur auf den Sicherheitsproblemen liegen.

Moussa Ismaila Touré von der Mali Investment Promotion Agency sagt: “Mali ist ein landwirtschaftliches Land, ein Land der Viehzucht, ein Land des Bergbaus. Und all diese Reichtümer sind noch da. Wir haben die Krise überwunden und stehen nach wie vor auf unseren Füßen. Das gibt uns das Vertrauen zu sagen, dass diese Reichtümer da sind. Nun müssen wir sie stärker als bisher nutzen und umwandeln. In dieser Krise hat sich der Bedarf vervielfacht.”

Die vergangenen Jahre waren schwer für Mali: 2012 ein Staatsstreich, danach das Aufkommen bewaffneter, islamistischer Gruppen, die aus dem Norden bis nach Bamako vordrangen. Vor etwas mehr als einem Jahr gab es in Bamako einen Anschlag auf das Radisson-Blu-Hotel. Mehr als 20 Menschen starben. Jetzt ist das Haus wieder geöffnet. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verschärft. Aber die Wiedereröffnung unterstreicht auf eine Art den Willen, vorwärts zu gehen.

Wie lässt sich ein Land, dass doppelt so groß ist wie Frankreich, sichern? Besonders die enormen Wüstengebiete im Norden. Malis Regierung erhält viel Unterstützung aus dem Ausland. Seit 2013 sind auch die Vereinten Nationen mit der Stabilsierungsmission MINUSMA im Land aktiv. An ihr sind auch Armee- und Polizeibedienstete aus Deutschland und der Schweiz beteiligt.

MINUSMA-Kommandeur Mahamat Saleh Annadief: “Es wäre übertrieben, zu sagen, dass das Land bereits stabilisiert wäre oder dass wir umfassende Sicherheit hätten, besonders bei Gütern und Personen. Das dauert. Aber wir können sicher sagen, dass die Hoffnung auf eine allmähliche Besserung durchaus da ist. Wir haben einen weiten Weg hinter uns, und ganz langsam ändern sich die Dinge.”

2015 unterzeichneten Regierung und verschiedene bewaffnete Gruppen einen Friedensvertrag. Für März ist eine Konferenz zur schnelleren Umsetzung des Vertrags anberaumt. Die Bewohner Nordmalis willen endlich bessere Tage sehen.

Oumou Sall Seck, Bürgermeisterin von Goundam im Norden Malis, sagt: “Man spürt, dass es langsam vorwärts geht. Hier und dort stabilisiert sich die Lage, hier und da sind Einheiten der UNO präsent. Man kann wieder leben und das Land aufbauen. Die Hoffnung kehrt zurück.”

Wie kann diese Hoffnung gestärkt werden? Sicherheit allein reicht nicht aus. Sie muss von einer Entwicklungspolitik begleitet werden. Notwendig sind Investitionen in Schulen, in die Berufsausbildung, das Gesundheitswesen. Die Menschen brauchen eine Perspektive im eigenen Land.

Rémy Rioux von der französischen Hilfsorganisation Agence française de développement (AFD) erklärt: “Egal, wie viel Militär eingesetzt wird, egal, wie erfolgreich es ist: Es gibt keine dauerhafte Sicherheit, wenn nicht schon vorher, gleichzeitig und danach, die Entwicklung des Landes gefördert wird. Das sind die zwei großen Themen des Gipfels. Die Arbeit der Entwicklungshilfsorganisationen wurde durch die Krise und die Sicherheitsprobleme beeinträchtigt. Und das gilt nach wie vor. Aber inzwischen kommt wieder deutlich mehr Geld aus der internationalen Gemeinschaft nach Mali.”

Soumeyle Boubèye Maiga, ein enger Mitarbeiter von Malis Präsident, sagt: “Das Wichtigste ist, dass die Menschen die Gewalt ablehnen und dass wir unsere Einheit wiederfinden können, dass wir diesen Gemeinsinn wiederentdecken, das Bewusstsein, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben, für die wir arbeiten können.”

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