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Flüchtlingslager Kakuma: Bildung für unbegleitete Kinder


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Flüchtlingslager Kakuma: Bildung für unbegleitete Kinder

Millionen Kinder und Jugendliche sind auf der Flucht. Viele von ihnen haben keine Eltern mehr. Oft verpassen sie jahrelang die Schule. Ein beschleunigtes Bildungsprogramm soll ihnen in der Zukunft bessere Chancen bieten.

Bildung im Flüchtlingslager

Kakuma in Kenia gehört zu den größten Flüchtlingslagern der Welt#. Es beherbergt mehr als 184.000 Menschen, vor allem aus dem Südsudan und Somalia. Es ist auch das Lager mit einer der höchsten Anzahl von unbegleiteten Kindern. Rund 14.000 Minderjährige sind alleine oder mit Verwandten, aber ohne Eltern hierher gekommen.

Obwohl hier Grundschulen durchschnittlich 140 Kinder pro Klasse haben, kümmert man sich um die unbegleiteten Kinder. Der Durchschnitt in Kenia liegt bei 40. Das Lager ist mit einer Abschlussquote von 96 Prozent das erfolgreichste der Region.

“76 Prozent der Kinder im Lager gehen in die Grundschule. Aber dann gibt es einen großen Prozentsatz an Kindern über dem Schulalter. 40 Prozent der Schüler sind zu alt für die Grundschulen”, sagt Collins Onyango, der Koordinator vom Lutherischen Weltbund.

Zu alt für die Grundschule

Gatkuoth Simon Nhial kommt aus dem Südsudan, er ist 18 Jahre alt und besucht die 6. Klasse, in die normalerweise Elfjährige gehen. In seiner Klasse ist auch ein 45-jähriger Schüler.

“Mir ging es schlecht, meine Mutter starb im Jahr 2000 und mein Vater hatte keine gute Arbeit. Deshalb bin ich sieben Jahre nicht zur Schule gegangen. Ich kam hierher, um die Schule zu besuchen. Ich will alles über die Welt wissen”, erzählt der Jugendliche.

Nhial verlor auch seinen Vater während des Krieges im Südsudan. Um Kindern und Jugendlichen wie ihm zu helfen, koordiniert der “Lutherische Weltbund ein beschleunigtes Bildungsprogramm, das von der Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission unterstützt wird. Mit dem Programm werden 21 Grund- und fünf Sekundarschulen in Kakuma betrieben.

euronews-Reporterin Monica Pinna:
“Es gibt Erwachsene in den Grundschulen, aber auch viele Kinder, die fünf, sechs, sieben Schuljahre aufgrund des Krieges verpasst haben.”

Jean-Marc Jouineau von der EU-Initiative:
“Ja, sie haben viele Jahre verloren. Wir versuchen, ihnen eine geeignete Ausbildung anzubieten, d.h. sie können die übliche achtjährige Grundschulzeit in vier Jahren absolvieren. Wir beschleunigen die Schulzeit, damit können sie die verlorenen Jahre aufholen und vielleicht später die Mittelschule besuchen.”

Das Kinderbetreuungssystem des Lagers sorgt dafür, dass unbegleitete Kinder und Jugendliche die entsprechende Unterstützung erhalten. Nhial kam in eine Pflegefamilie, die seinem Stamm im Südsudan angehört. Der Jugendliche erlebte schreckliche Dinge. Seim Trauma äußert sich unter anderem in zeitweisen Sprachproblemen.

“Es ist schwierig, den Jungen zu betreuen, denn es ist nicht einfach, genug Geld für ihn und meine Kinder zu bekommen. Die Lösung könnte sein, dass er in ein Internat kommt. Dort könnte er sein Trauma vergessen”, sagt seine Pflegemutter Dabora Nyanyuon.

Hilfe für gefährdete Mädchen

Am frühen Morgen besuchen wir in einem abgelegenen Teil des Lagers eines der Internate. Die Angelina-Jolie-Grundschule für gefährdete Mädchen wurde von der Schauspielerin gegründet und wird von ihr betrieben. Bildung macht den Unterschied für die Schülerinnen

“Ich weiß, in Zukunft bin ich allein und es kann mir mit meinen Kindern helfen. Ich will lernen und verstehen, was gut oder schlecht ist”, so die Schülerin Rose Hitimana.

Rose kommt aus dem Südsudan. Die 15-Jährige ist eine der 250 Schülerinnen der Grundschule. Sie kam nicht freiwillig ins Lager. Jetzt hat sie einen sicheren Platz gefunden.

“Da gab es einen Mann, er war unser Nachbar. Er entführte mich und brachte mich nach Kakuma. Ich fragte ihn nach der Schule. Ich sagte ihm, dass ich etwas lernen möchte. Er sagte mir, dass er mich nicht zum Lernen, sondern als seine Frau hierher brachte”, erzählt das Mädchen.

Jedes der Mädchen hat dank der Bildung in der Zukunft bessere Chancen. Dank des beschleunigten Bildungsprogramms erwartet man, dass in rund drei Jahren ein Großteil der zu alten Schüler die weiterführenden Schulen besuchen können. Jetzt muss man die Mittel finden, um Sekundarschulen zu bauen und die aktuelle Einschulungsrate von zwei Prozent für die weiterführenden Schulen zu erhöhen.

Unterstützt von der Europäischen Kommission

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