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Schwächer, kleiner, weniger intelligent: das Frauenbild eines polnischen EU-Abgeordneten


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Schwächer, kleiner, weniger intelligent: das Frauenbild eines polnischen EU-Abgeordneten

Er ist als kontrovers bekannt, tritt auch schon mal mit Hitlergruß vor dem Europäischen Parlament auf: der polnische Abgeordnete Janusz Korwin-Mikke. Jetzt hat er mit sexistischen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht. Doch das hat möglicherweise Konsequenzen.

Korwin-Mikke brachte seine These in wenigen Worten unter: Frauen müssten weniger verdienen als Männer, weil sie schwächer, kleiner und weniger intelligent seien. Und dann lieferte er “Beweise”, die das EU-Parlament für einige Sekunden ratlos zurückließen: “Wissen Sie, wie viele Frauen unter den 100 besten Schachspielern sind? Keine einzige. Natürlich müssen sie weniger verdienen als Männer.” (*)

Die spanische Parlamentsabgeordnete Iratxe Garcia-Perez ergriff das Wort und verteidigte die Frauen, vor allem die im Europäischen Parlament: “Ihrer Meinung nach sollte ich gar nicht das Recht haben, hier zu sein. Es schmerzt Sie, dass Frauen im Parlament sitzen können und die Bürger genauso repräsentieren wie Sie. Ich bin hier, um alle Frauen Europas vor Männern wie Ihnen zu verteidigen.”

Wie bereits bei vergangenen Entgleisungen muss Korwin-Mikke auch diesmal mit Konsequenzen rechnen. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. Die Sanktionen können von einer Geldbuße bis zum vorübergehenden Entzug der Stimmrechte im Parlament reichen. Es wäre nicht seine erste Suspendierung vom EU-Parlament.

Korwin-Mikkes Frauenbild hat auch schon die Strafverfolgungsbehörden in Polen beschäftigt. 2014 untersuchten polnische Behörden eine Aussage Korwin-Mikkes im Zusammenhang mit Vergewaltigungen. Er hatte behauptet, Frauen würden ständig vorgeben, Widerstand zu leisten. Man müsse einfach wissen, wann man kann und wann nicht. Ebenfalls kontrovers: sein Besuch auf der von Russland annektierten Krim.

Korwin-Mikke war auch als Präsidentschaftskandidat in Polen angetreten, scheiterte aber mit weniger als drei Prozent der Stimmen. Ins EU-Parlament ist seine Partei mit 7,2 Prozent der Stimmen erfolgreich eingezogen.

(*) Das mit den Schachspielerinnen stimmt nicht so ganz