Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Warum Macron den Louvre wählte


Frankreich

Warum Macron den Louvre wählte

Mit seinem Wahlsieg hat Emmanuel Macron sich einen Eintrag in den französischen Geschichtsbüchern gesichert. Von seinem unpopulären Vorgänger François Hollande werde er sich abheben, sagt der französische Historiker Jean-Pierre Rioux im euronews-Interview.

Olivier Péguy, euronews:
“Emmanuel Macron wählte den Vorplatz vom Louvre, um seinen Sieg zu feiern. Welche Symbolik hat die Entscheidung?”

Jean-Pierre Rioux, Historiker:
“Er setzt zum einen auf die Kraft der Bilder: die Glaspyramiden, der Louvre und der einsame Gang zur Erfüllung seines persönlichen Schicksals. Er hat seinem Sieg eine symbolische Dimension hinzugefügt, die im Wahlkampf der elf Kandidaten fehlte, eine Anlehnung an Augustus, nicht aber an Prometheus, wenn es um die Funktion des Präsidenten geht: als Präsident aller Franzosen, Garant der Institutionen und Hüter des Atomarsenals. Das ist wichtig und muss sich in Symbolik ausdrücken. Es ist eine getarnte Anspielung auf Mitterrand, der zum Pantheon schreitet. Allerdings hält er keine Rose in der Hand.”

euronews:
“Emmanuel Macron nahm an diesem Montag an den Gedenkfeiern für den 8. Mai 1945 teil, für die Weltgeschichte ein wichtiges Datum. Noch-Präsident François Hollande lud ihn ein. Wird das Ereignis dazu beitragen, Emmanuel Macron historische Bedeutung zu verleihen nur einen Tag nach seiner Wahl?”

Rioux:
“Die Bedeutung kommt ihm durch sein Amt zu. Er wird wohl weniger ein Präsident der Gedenkfeiern sein als sein Vorgänger, wenn ich mir das erlauben darf: Hollande gedachte allem und jedem mit großer Ausdauer. Das führte sogar zur Vorstellung einer Politik der Erinnerungskultur auf allen Ebenen. Eine durchaus ehrwürdige Motivation.”

euronews:
“Wie wird die Amtszeit von François Hollande in die Geschichte eingehen?”

Rioux:
“Er ist bereits abgestraft: Wenn die Bilanz der fünfjährigen Amtszeit François Hollandes positiv gewesen wäre, hätte er sich den Franzosen erneut zur Wahl gestellt. Das ist nicht der Fall. Man weiß vom Programm Macrons und aus dessen Wahlkampf, dass er wahrscheinlich eine pro-europäische Politik machen wird. Engagierter und hoffentlich aussagekräftiger als jene von François Hollande.”

Merkel & Co.: Freude über den Sieg des "Hoffnungsträgers"

Frankreich

Merkel & Co.: Freude über den Sieg des "Hoffnungsträgers"