Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Pestizid-Zulassung: EU-Parlament zweifelt an europäischer Lebensmittelbehörde

Access to the comments Kommentare
Von Euronews  mit REUTERS/AFP
Pestizid-Zulassung: EU-Parlament zweifelt an europäischer Lebensmittelbehörde

<p>Die Verlängerung der Genehmigung des Pflanzenvernichtungsmittels Glyphosat bleibt ein hochumstrittenes Thema in der EU. Kern der Frage: Ist das Mittel, dessen vorübergehende Zulassung in diesem Jahr ausläuft, krebserregend, und wenn ja, wie stark?</p> <p>Studien über Studien werden erstellt, internationale Organisationen und EU-Behörden bewerten die Risiken, aber eine eindeutige Antwort scheint es nicht zu geben. Vor allem im EU-Parlament wird die Harmlosigkeit von Glyphosat angezweifelt und die Unabhängigkeit der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit <span class="caps">EFSA</span> infrage gestellt. Diese hatte Glyphosat in Bezug auf Krebs als unbedenklich beurteilt. Das Parlament hat dazu nun eine Anfrage an die EU-Kommission gestellt. Diese plant, unter anderem auf Grundlage der <span class="caps">EFSA</span>-Bewertung Glyphosat für weitere zehn Jahre zu genehmigen. Die Antwort der Kommission stellte viele Parlamentarier <a href="https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170614_OTS0057/kadenbach-bei-glyphosat-bleiben-viele-fragen-offen">nicht zufrieden</a>.</p> <p>„Die Bewertung der <span class="caps">EFSA</span> widerspricht dem, was die Internationale Agentur für Krebsforschung herausgefunden hat“, so Suzanne Dalle von der Umweltorganisation Greenpeace in Frankreich. „Diese hat Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Europäische Behörden verwenden gerne Studien, die von der Pestizidindustrie in Auftrag gegeben wurden, also von den Leuten, die diese Produkte verkaufen; und diese Studien werden nicht veröffentlicht.“</p> <p>James Ramsay von der <span class="caps">EFSA</span> verteidigt das Vorgehen der Behörde: „Wenn ein Unternehmen ein Pestizid auf den Markt bringen will, muss es eine Risikoanalyse machen lassen. So etwas machen wir bei der <span class="caps">EFSA</span> gemeinsam mit Experten aus den Mitgliedsstaaten. Was Glyphosat angeht, so haben wir eine vollständige Risikoanalyse gemacht und die Gefahr für Verbraucher, Tiere und die Umwelt bewertet. Wir haben diese sehr detaillierten Sicherheitsuntersuchungen berücksichtigt sowie viele andere wissenschaftliche Daten aus der verfügbaren Literatur.“</p> <h3>Auch Gegenstudien nicht unumstritten</h3> <p>Dazu kommt, dass auch die von der Internationalen Agentur für Krebsforschung, einer Behörde der Vereinten Nationen, verwendeten wissenschaftlichen Daten ebenfalls <a href="http://www.reuters.com/investigates/special-report/glyphosate-cancer-data/">umstritten</a> sind. Zumindest was die von der europäischen <span class="caps">EFSA</span> verwendeten Studien angeht, versuchen die Grünen im Europaparlament jetzt, vor dem Europäischen Gerichtshof einen Einblick <a href="http://extranet.greens-efa-service.eu/public/media/file/1/5197">zu erstreiten</a>.</p> <p>Glyphosat ist seit Jahrzehnten im Einsatz. Das Mittel tötet Pflanzen, die als Unkraut angesehen werden, lässt aber speziell genveränderte Nutzpflanzen am Leben. Vor allem das Unternehmen Monsanto wird in der Öffentlichkeit mit dem Stoff in Verbindung gebracht, der unter dem Namen Roundup weltweit an Landwirte und Gartenbesitzer verkauft wird.</p> <p><b>Weitere Informationen</b></p> <p><a href="https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Pflanzenschutz/_Texte/GlyphosatFAQ.html">Übersicht des deutschen Landwirtschaftsministeriums zur Zulassung von Glyphosat</a></p>