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Syrische Flüchtlinge in der Türkei: EU-Hilfe per Bankkarte

Regelmäßige Sozialhilfe dank EU-Projekt.

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Syrische Flüchtlinge in der Türkei: EU-Hilfe per Bankkarte

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Sanliurfa ist eine Zweimillionenstadt im Südosten der Türkei. Das Touristenziel gehört zu den wichtigsten Anlaufpunkten syrischer Flüchtlinge. Die Grenze ist nur etwa 50 Kilometer weit weg. Über ein Viertel der Einwohner von Sanliurfa sind registrierte Flüchtlinge.

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"Dieses Projekt bringt die internationalen humanitären Grundsätze und die Wirksamkeit der bestehenden Staatsstrukturen zusammen."

Mathias Eick EU-Amt für humanitäre Hilfe

Fadi Yusuf Allavi kommt aus dem syrischen Rakka. Er lebt seit zwei Jahren in Sanliurfa:

“Vor dem Krieg führten wir ein normales Leben in Syrien. Ich arbeitete als Taxifahrer und lebte mit meiner Familie und Verwandten zusammen. Aber als der Krieg begann mit Bombenanschlägen und Luftangriffen, beschloss ich, in die Türkei zu flüchten.”

Die Debitkarte, die Fadi benutzt, ist Teil vom “Emergency Social Safety Net” (ESSN). Das EU-Projekt unterstützt mittlerweile fast eine Million hilfsbedürftige Flüchtlingsfamilien in der Türkei.

Es ist das größte humanitäre Hilfsprojekt, das die EU jemals finanziert hat. Gestartet wurde es vor einem Jahr.

“Ich bekomme 840 Türkische Lira (200 Euros), weil ich fünf Kinder habe. Ich erhalte 120 Türkische Lira (28 Euro) pro Person. Mit dem Geld bezahle ich die Miete und kaufe alles, was wir brauchen wie Tee, Zucker, Öl, Fleisch und Brot”, erklärt der syrische Flüchtling.

Im Vergleich zu anderen Hilfsprojekten gibt die ESSN-Karte den Flüchtlingen die Freiheit und die Verantwortung selbst darüber zu bestimmen, wie sie das Geld ausgeben. Fadi Yusuf Allavi:

“Gerade habe ich 100 Türkische Lira (fast 25 euros) abgehoben. Ich ziehe es vor, das Geld bar zu haben, damit ich genau weiß, was ich ausgeben kann. Ich kann Dinge wie diese kaufen. Das Geld reicht ungefähr für eine Woche”, erklärt Fadi.

Syrer werden in der Türkei nicht offiziell als Flüchtlinge anerkannt. Sie erhalten einen temporären Schutzstatus mit eingeschränkten Rechten. Dazu gehört ein regulierter Zugang zum Arbeitsmarkt. Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme leben die meisten Flüchtlinge nicht von Hilfsmitteln.

“90 Prozent der Flüchtlinge in der Türkei leben nicht in Flüchtlingslagern, sondern in Städten und dort oft in den Vororten wie hier. Eine Adresse zu haben, egal wie schäbig die Unterkunft auch sein mag, eröffnet die Möglichkeit, mehr Hilfe zu bekommen”, sagt euronews-Reporterin Monica Pinna.

Die 40-jährige Suriyye, Mutter von sieben Kindern, lebt in einem verlassenen Geschäft, das als ihr Wohnsitz anerkannt ist. Dank der ESSN-Karte kann sie die Monatsmiete von umgerechnet 20 Euro sowie Essen und kleinere Rechnungen bezahlen:

“Bevor ich die Karte vor sieben Monaten bekam, ging ich mit meinem Bruder auf einer Baumwollfarm arbeiten. Ich musste meine Töchter allein lassen. Jetzt kann ich auf sie aufpassen.”

Das UN-Welternährungsprogramm und seine Partner, die das EU-Programm umsetzen, unterstützen rund 120.000 Menschen in der Provinz Sanliurfa. Systematische Kontrollen sollen sicherstellen, dass die Familien immer noch für die Karte berechtigt sind und überprüfen, wie sie das Geld ausgeben.

“Diese Informationen sind sehr wichtig, denn so können wir alle Fehler korrigieren, die man natürlich macht. Aber wir sammeln auch Daten, damit können wir das Programm auf struktureller Ebene anpassen”, erklärt Martin Penner vom UN-Welternährungsprogramm.

Das ESSN-Projekt will bis Ende des Jahres 1,3 Millionen Flüchtlinge unterstützen. Es wird vom europäischen Amt für humanitäre Hilfe finanziert und vom UN-Welternährungsprogramm in Zusammenarbeit mit dem türkischen Roten Halbmond und der türkischen Regierung umgesetzt.

“Dieses Projekt bringt die internationalen humanitären Grundsätze und die Wirksamkeit der bestehenden Staatsstrukturen zusammen. Dass erlaubt uns, ein sehr effektives und großes Projekt sehr schnell umzusetzen”, erklärt Mathias Eick vom europäischen Amt für humanitäre Hilfe.

“Welchen Mehrwert haben die Familien davon?”, fragt die euronews-Reporterin.

“Die Bankkarte kann für viele Arten verschiedener Hilfsmitteln benutzt werden, die wir den Begünstigten zur Verfügung stellen wollen. Wir können beispielsweise Schulkinder mit Bargeld unterstützen und bei besonderen Ereignissen helfen. Das bricht wirklich mit der Form der traditionellen humanitären Hilfe”, sagt Mathias Eick.

Flüchtlinge wie Fadi gehören zu den mehr als 30 Prozent der syrischen Flüchtlingsbevölkerung, die dank der Karte regelmäßige Sozialhilfe in der Türkei erhalten.

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