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Wie Bitcoin den digitalen Goldrausch nach Island bringt

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Wie Bitcoin den digitalen Goldrausch nach Island bringt

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Vor einigen Wochen wurden auf Island in der Region Reykjanes 600 Computer gestohlen, die zum Bitcoin-Mining genutzt wurden. Der Vorfall an sich war bemerkenswert: Weil es in Island so wenig Kriminalität gibt, dass die Lagerhalle, in der die Computer aufbewahrt wurden nicht abgeschlossen war, konnten sich die Diebe buchstäblich bedienen.

Abgesehen davon lenkte es aber die internationale Aufmerksamkeit auf einen Geschäftsbereich, der in dem nordischen Inselstaat immer wichtiger wird. Das Land ist geradezu perfekt für das sogenannte Mining der Kryptowährung. Warum und wie das funktioniert, erzählt der 19-Jährige Bitcoin-Millionär Erik Finman im Gespräch mit euronews.

Warum ist Island ideal für Bitcoin-Mining?

Die Inselnation hat zwei wichtige Verkaufsargumente für "Schürfer". Erstens herrscht ein stets ozeanisch kühles Klima, die Durchschnittstemperatur steigt auch in den Sommermonaten nicht über 13 Grad Celsius.

Die Rechenzentren, in denen die Kryptowährung 'geerntet' wird, produzieren viel Wärme. Die arktischen Winde bieten sozusagen ein gratis Kühlsystem, und die Installation teurer Klimaanlagen wird überflüssig.

Der zweite Grund ist der Reichtum an Vulkanen, die dank Geothermie- und Wasserkraftwerken auf der Insel einen Stromfluss von erneuerbarer Energie liefern: Das Ergebnis ist konstant günstiger Strom.

Bitcoin-'Miner' betreiben ihre Server das ganze Jahr über - rund um die Uhr betreiben. Günstiger Strom bedeutet für sie Gewinnmaximierung.

Morddrohungen und Raubüberfälle: Was steht auf dem Spiel?

Erik Finman beschreibt die Bitcoin-Mining-Szene auf Island als "dem Wilden Westen sehr ähnlich" mit "massiven Raubüberfällen", Attentaten, Erpressung und endlosen Hacker-Angriffen.

"Ich bekomme ständig Morddrohungen", sagte er, "ich muss aufpassen, dass ich nicht entführt werde. Also habe ich Sicherheitsvorkehrungen getroffen, damit ich sicher bin."

Es sei nicht verwunderlich, dass Island die Auswirkungen des Bitcoin-Trends zu spüren bekommt, meint der junge Millionär.

Welche anderen Länder sind im Bitcoin-Mining-Fieber?

Bitcoin-Farmen könnten überall dort entstehen, wo "Energie billig und wo es kühl ist", also seien Island und Schweden eine gute Wahl, so Finman.

Obwohl es heiß ist, hat auch Venezuela eine große Bitcoin-Szene - allerdings nicht aus den gleichen Gründen wie Island: Laut Finman nutzen diejenigen, die die digitale Währung schürfen, den "freien" Strom des instabilen lateinamerikanischen Landes. Mit ihren Bitcoins kauften sie Lebensmittel online.

Die Bitcoin-Server-Farmen gebe es auf der ganzen Welt. Die 2 Millionen Dollar (1,6 Millionen Euro) teure Bitcoin-Mining-Ausrüstung, die in Island vor einigen Wochen gestohlen wurde, mag riesig erscheinen, aber das sei eine relativ kleine Operation gewesen.

Bitcoin-Mining-Computer auf Bitmains Server-Farm in der Nähe von Keflavik, Island.

Welche Voraussetzungen braucht der Bitcoin-Abbau?

Wie Gold werden Bitmünzen aus einer endlichen Reserve abgebaut - es gibt 21 Millionen dort draußen und derzeit mehr als 12 Millionen im Umlauf.

Um Bitcoin abzubauen oder auch zu 'schürfen', verwenden Miner spezielle Software, um mathematische Probleme zu lösen. Für das Verifizieren von Transaktionen (deren Gesamtheit Blockchain genannt wird) erhalten sie eine bestimmten Anzahl von Bitcoins. Etwa 12,5 Bitmünzen werden alle 10 Minuten vergeben (derzeit im Wert von ca. 81.300 Euro).

Für das Bitcoin-Mining benötigt es die neueste Technik, wie sie in Island gestohlen wurde. Die gesamte Bitcoin-Industrie stütze sich auf "Hochleistungsprozessoren und Grafikkarten", so Finman.

Diese Ausrüstung ist teuer und der "Bitcoin-Boom" hat den Preis noch weiter in die Höhe getrieben. Leidtragende sind diejenigen, die sich zum Spielen von PC-Spielen nun teure Grafikkarten kaufen müssen.

Was wollten die Diebe mit all diesen Computern?

Es ist unwahrscheinlich, dass die Diebe Bitcoin von den Servern stehlen könnten, "aber es hängt davon ab, wie sie (die Farmbesitzer) die Dinge einrichten", erklärt Finman.

Seiner Ansicht nach könnten sie die Mining-Ausrüstung aber nutzen, "um selbst eine Menge Bitcoin zu erwirtschaften".

Oder sie könnten natürlich weiterverkaufen.

Die Innenansicht einer Server-Farm des Unternehmens Bitmain nahe Keflavik auf Island

Sollten die isländischen Behörden die Aktivitäten von Bitcoin einstellen?

Finman vergleicht es mit der Prohibition, als Alkohol von Regierungen verboten wurde: Die Aktivität werde nicht verschwinden, sondern in den Untergrund gehen und kriminelle Machenschaften anregen.

"Wenn Sie es verbieten, wird es heimlich weitergehen", sagte Finman. Werde die Branche stärker reguliert, erwarte er mehr "James-Bond-Style"-Aktionen.