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Italien: Keine Entwarnung an den Märkten

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Italien: Keine Entwarnung an den Märkten

Aktionäre in New York
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REUTERS/Brendan McDermid
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Die vorerst gescheiterte Regierungsbildung in Italien hat auf den Finanzmärkten nur kurzzeitig für Entspannung gesorgt: Der italienische Leitindex drehte nach anfänglichen Kursgewinnen ins Minus, auch der Euro gab seine Gewinne wieder ab. Ökonomen sagten, es gebe keinen Grund zur Entwarnung. Der Amtsantritt einer europakritischen Regierung sei lediglich aufgeschoben.

Staatspräsident Sergio Mattarella hatte sich geweigert, den Euro-Kritiker Paolo Savona zum Finanzminister zu ernennen. Jetzt soll zunächst eine Technokratenregierung gebildet werden. Bereits am Vormittag drückten die Sorgen über die wirtschaftspolitische Zukunft des Landes den Eurokurs wieder nach unten.

Ökonomen schauen mit großer Skepsis auf Italien. "Denn aus heutiger Sicht ist der Amtsantritt einer italienischen Regierung, die auf Konfrontationskurs zur EU geht und deren Regeln missachtet, nur aufgeschoben", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Tatsächlich darf die rechtspopulistische Lega laut Umfragen bei Neuwahlen auf kräftige Stimmengewinne hoffen.

Italien hoch verschuldet

Bei der Parlamentswahl im März hatte es einen klaren Rechtsruck in Italien gegeben. Für die Wirtschafts- und Finanzwelt problematisch: "Die Finanzmärkte haben eine große Bedeutung, besonders für ein Land, in dem die Staatsverschuldung so hoch ist“, sagte Nicola Lupa, Professor für öffentliches Recht in Rom. "Wenn die Stimmen der italienischen Bevölkerung in eine Richtung gehen, die sich von der gewünschten Richtung der Märkte und europäischen Partner unterscheidet, gibt es natürlich ein Problem."

Italien - die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone - ist bereits mit knapp 132 Prozent der Wirtschaftsleistung verschuldet, nach Griechenland ist das der zweithöchste Wert in Europa. Erlaubt sind 60 Prozent, die jährliche Neuverschuldung darf zudem drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht überschreiten.