Nur für Video-Auftritt? Putin-Vertrauter Kadyrow schickt 3 Söhne und Tochter in die Ukraine

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Von Euronews  mit Twitter, Telegram, Daily Beast
Drei Söhne von Tschetscheniens Präsident Kadyrow in Mariupol in der Ukraine
Drei Söhne von Tschetscheniens Präsident Kadyrow in Mariupol in der Ukraine   -   Copyright  Telgram-Kanal von Ramzan Kadyrov   -  

Anfang Oktober hatte der Präsident von Tschetschenien angekündigt, er werde seine Söhne an die Front in der Ukraine schicken. Jetzt hat der Putin-Unterstützer Ramsan Kadyrow auf seinem Telegram-Kanal Videos gepostet, die drei seiner Söhne und die 22-jährige Tochter in Mariupol zeigen. Auf Telegram hat Kadyrow mehr als drei Millionen Follower.

Die Stadt Mariupol liegt im von Russlands Truppen besetzten Donezk, das Moskau seit dem umstrittenen Referendum als Teil des russischen Staatsgebiets betrachtet. Bis zum vergangenen Mai hatte das Asow-Regiment das Azovstal-Werk verteidigt.

Gut bewacht und in Militärmontur

Der 16-jährige Akhmat, der 15-jährige  Eli und der 14-jährige Adam Kadyrow sind mit Waffen, Helmen und in Militärmontur zu sehen. Der Berater des ukrainischen Innenministeriums Anton Geraschenko schreibt, die minderjährigen Kinder seien - gut bewacht - im besetzten Mariupol, um einige Videos zu drehen. Und er fragt, ob die minderjährigen Söhne auch zum Töten an die Front geschickt werden. 

Auch The Daily Beast berichtet über den surrealen Auftritt.

Die älteste Tochter des Präsidenten der Teilrepublik Tschetschenien, die 22-jährige Aishat Kadyrowa, die der Vater zur Kulturministerin ernannt hat, war ebenfalls in der Ukraine. Vor dem Krieg hatte sie das Modelabel ihrer Mutter übernommen. Wie aller erwachsenen Töchter des tschetschenischen Präsidenten haben die USA Sanktionen gegen sie verhängt.

Auf den Videos trägt Aishat Kadyrowa einen schwarzen Hijab und einen Art Uniform in Tarnfarben mit langem Rock. Twitter-User LogKa11 spricht von einem "Camouflage Abbaya-Kleid".

Laut Videoberichten hat Aishat Kadyrowa in Mariupol eine Überlebende des Zweiten Weltkriegs besucht und ihr Hilfsgelder versprochen.

Der belarussische Oppositionskanal Nexta postet auch die Bilder der Autokolonne, mit der Aishat Kadyrowa in Mariupol angekommen ist.

In den vergangenen Wochen hatte Ramsan Kadyrow ebenso wie der Chef der Wagner-Sölder, Jewgeni Prigoschin, die russische Militärführung wegen der Rückschläge in der Ukraine kritisiert. Inzwischen hat der tschetschenische Machthaber Wladimir Putin aber weitere Truppen für die "Spezialoperation" in der Ukraine versprochen.

Der russische Politikwissenschaftler Ilya Matveev - der die Anti-Kriegs-Plattform Posle mitbegründet hat - schreibt auf Twitter zum Kritik von Kadyrow und Prigoschin, dass solche Machtkämpfe innerhalb des Kreml zur Putins Politik gehörten. Bei ähnlichem Streit in der Vergangenheit habe der Präsident dadurch seine eigene Machtposition zementiert, indem er sich als einzigen darstellte, der über allen anderen steht und am Ende entscheide. Dass solche Machtspielchen während eines echten Krieges Sinn machen, bezweifelt Matveev allerdings.

Vor allem die Generäle hätten die maximale Verantwortung und würden als erste von Putin fallen gelassen, meint der Analyst. Und Matveev schreibt: "Ist es klug, die Generäle im Krieg zu verärgern? Ungefähr so klug, wie diesen Krieg zu beginnen."