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Streit um EU-Taxonomie: Welche Energiequellen nutzen EU-Länder?

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Von Euronews
Atomkraftwerk Gundremmingen am 31. Dezember 2021
Atomkraftwerk Gundremmingen am 31. Dezember 2021   -   Copyright  Stefan Puchner/dpa   -  

Der jüngste Vorschlag der EU-Kommission, Erdgas und Atomkraft im Rahmen der sogenannten EU-Taxonomie als grüne Energiequellen zu bezeichnen, hat innerhalb des Bündnisses verschiedene Ansichten transparent gemacht, was genau eine nachhaltige Energiequelle ist.

Als Brüssel 2021 die EU-Taxonomie einführte – ein Regelwerk, in dem all das aufgeführt ist, was zum grünen Wandel beiträgt – wurden Erdgas und Kernenergie nicht genannt.

Jetzt, da die Kommission die Aufnahme dieser Energiequellen vorschlägt, ist die Debatte darüber, wie grün Gas- und Atomkraft wirklich sind, neu entbrannt. Der Anteil von Erdgas am Energiemix der EU lag 2019 bei 22,3 %, der Anteil der Kernenergie laut Eurostat bei 13,1 %.

Hier ein Überblick, von welchen Energiequellen ausgewählte Länder in Europa am meisten abhängig sind.

Frankreich

Da Paris sich dafür einsetzt, dass die Kernenergie als umweltfreundlich eingestuft wird, überrascht es nicht, dass Atomkraft mit 41,1 % die wichtigste Energiequelle Frankreichs im Jahr 2019 war. Erdgas liegt mit einem Anteil von 14,8 % an dritter Stelle, hinter Erdölprodukten wie Rohöl, die 31,2 % des Energiemixes des Landes ausmachen. Feste fossile Brennstoffe wie Kohle wurden mit rund 3,6 % am wenigsten genutzt, erneuerbare Energien lagen mit 11,2 % knapp davor.

Deutschland

Im größten Mitgliedstaat und größten Umweltverschmutzer in der EU ist man der Ansicht, dass Atomkraft nicht als umweltfreundlich anzusehen ist. Doch ganz einig ist sich die Ampelkoalition nicht, ob Gas als Teil des Übergangs der EU zu erneuerbaren Energien einbezogen werden sollte oder nicht. Erdgas hatte im Jahr 2019 einen Anteil von 24,4 % am Energiemix des Landes, knapp hinter den Erdölprodukten (Platz 1) mit 36 %. Die Kernenergie ist in Deutschland die am wenigsten genutzte Energiequelle (6,2 %); deren Ausstieg ist für Ende 2022 beschlossen. An vierter Stelle stehen die erneuerbaren Energien (14,6 %), hinter den festen fossilen Brennstoffen mit 19,6 %.

Italien

Erdgas machte 2019 mehr als ein Drittel des gesamten Energieangebots in Italien aus (38,6 %), einem der größten Nutzer dieses Energieträgers in der EU. Atomenergie hingegen wurde von dem Land gar nicht genutzt, nachdem es nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in den späten 1980er Jahren aus der Nutzung dieser Energieform ausgestiegen war. Der Anteil der erneuerbaren Energien lag mit 18,7 % jedoch deutlich hinter den Erdölprodukten, die 35,9 % des italienischen Energiemixes (Platz 2) ausmachten.

Spanien

Madrid lehnt die Pläne Brüssels, Kernenergie und Erdgas in die grüne Taxonomie aufzunehmen, strikt ab, da dies ein falsches Signal sende und keinen Sinn mache. Spaniens Nutzung beider Energieträger lag 2019 bei 11,4 % bzw. 23,1 %. Doch mit den Plänen, bis 2035 aus der Kernenergie auszusteigen und den Anteil der erneuerbaren Energien von 13,7 % zu erhöhen, dürfte dieser Anteil in den nächsten Jahren deutlich sinken. Allerdings wird das Land die schwierige Aufgabe haben, sich von Erdölprodukten wie Rohöl zu lösen, die fast die Hälfte seines Energiemixes ausmachen (47,2 %).

Portugal

Wie Italien verfügt Portugal über keine Kernkraftwerke und lehnt den Ausbau dieser Technologie weiterhin ab. Die Nutzung von Erdgas machte 2019 jedoch mehr als ein Fünftel des portugiesischen Energiemixes aus (21,3 %), während die erneuerbaren Energien fast ein Viertel der in Portugal zur Verfügung stehenden Energie ausmachten (24,4 %). Wie in Spanien war der Anteil der erdölbasierten Produkte mit 47,4 % jedoch sehr hoch, was zeigt, wie schwierig es sein wird, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Weitere Quellen • Eurostat