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Dubai will den Handel mit Afrika fördern

Dubai will den Handel mit Afrika fördern
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Geschäfte machen in Afrika: Dubai hat ehrgeizige Pläne, den Handel mit seinen südlichen Nachbarn zu fördern. Unternehmen betrachten den afrikanischen Kontinent als lohnendes Investitionsfeld. Weiteres Thema: Wir sprechen mit Unternehmern und angehenden Unternehmern, die vorhersagen, welche Trends das Geschäft mit Afrika im nächsten Jahrzehnt prägen werden. Und wir führen ein Interview mit dem Präsident der Dubaier Industrie- und Handelskammer. Das sind unsere Themen in dieser Folge von Business Line vom Globalen Wirtschaftsforum zum Thema Afrika in Dubai.

Afrika - ein lohnendes Investitionsfeld

In der fünften Ausgabe der zweitägigen Veranstaltung geht es um die Herausforderungen und Chancen, die mit dem Geschäftemachen in Afrika verbunden sind. Viele Unternehmer betrachten den Kontinent als lohnendes Investitionsfeld.

Technologischer Aufstieg und eine sich verändernde politische Landschaft scheinen das Vertrauen in Afrika insgesamt gestärkt zu haben - ein Beispiel ist Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed, der den diesjährigen Friedensnobelpreis erhielt. Der 43-Jährige wurde für den Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea ausgezeichnet sowie für seine Stärkung bürgerlicher Rechte wie der Frauenrechte und Pressefreiheit.

Oder der operative Start des Afrikanischen Kontinentalen Freihandelsabkommens (AfCFTA) dieses Jahr, das eine der größten Freihandelszonen der Welt für Waren und Dienstleistungen schaffen soll.

"Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen wie andere Länder ihre Geschäftsbeziehungen zu Afrika stärken", sagt euronews-Reporterin Rebecca McLaughlin-Eastham. "Das ist Musik in den Ohren einiger afrikanischer Staatschefs, die Dubai bereits als Blaupause für die Entwicklung ihrer eigenen Wirtschaft betrachten."

Die VAE etablieren sich als Tor zu Afrika

Die Vereinigten Arabischen Emirate beleben eine der ältesten Handelsrouten der Welt. Sie etablieren sich damit nicht nur als wichtiges Einfallstor nach Afrika, sondern auch als zweitgrößter ausländischer Investor auf dem Kontinent nach China:

"Die chinesische Neue Seidenstraße ist ein großer Ansporn für die Regierungen der VAE, Chinas und Afrikas, diese drei Regionen miteinander zu verbinden", meint saac Kwaku Fokuo Jr., Gründer und Chef von "Botho Emerging Markets Group".

2018 stiegen Nicht-Ölexporte und Re-Exporte aus den VAE nach Afrika auf rund 18 Milliarden Euro. Viele Waren wurden mit DP World transportiert, das in Dubai ansässige Unternehmen ist in sieben afrikanischen Ländern tätig. Afrika macht 10 Prozent des globalen Umsatzes des Hafenriesens aus - mit steigender Tendenz. Aber es gibt auch andere VAE-Akteure auf dem Kontinent:

"Die Druckereiabteilung der 'Al-Ghurair Group' hat viele afrikanische Aufträge, von Stimmzetteln über Pässe bis hin zu Währungen, die in Dubai für Afrika gedruckt werden", sagt William Stenhouse, Gründer "UAE Africa Networking Group".

Dieses und andere Unternehmen wie die Logistikfirma "Agility" nutzen Dubais Verbindungen nach Afrika: "Wenn wir uns die wichtigsten Märkte ansehen, in die beispielsweise 'Agility' expandiert, stoßen die Emirate in all diese Ziele vor, oder es gibt gute Verbindungen", so William Stenhouse, Vizepräsident "Agility Africa".

Aber mit Schwellenländern Geschäfte zu machen, hat seine Tücken: Viele Unternehmen brauchen Unterstützung, wie sie ihre Geschäfte vor Ort am besten führen:.

"Sobald man begriffen hat, wie das Geschäftemachen vor Ort funktioniert, fängt man an, erfolgreich in Afrika zu sein", meint Tina Blazquez-Lopez, Anwältin bei der Rechtskanzlei "Bryan Cave Leighton Paisner".

Geschäfte im eigenen Hinterhof

Dubais Fachwissen in Bereichen wie Infrastruktur und Bauwesen zieht viele afrikanische Unternehmen an: Rund 21.000 haben sich im Emirat angesiedelt, die Zahl stieg in den vergangenen zwei Jahren um 25 Prozent. Wichtigste Anreize sind Steuererleichterungen sowie ein Visazugang und islamische Finanzierung:

"Fast die Hälfte benötigen islamische und schariakonforme Finanzierungsdokumente", weiß die Anwältin Tina Blazquez-Lopez. "Wir sehen das sowohl im technologischen Bereich als auch in anderen. Und manchmal geht es um einen innovativeren Ansatz."

Neben dem Handel mit Afrika gibt es für die VAE also auch Möglichkeiten im eigenen Hinterhof.

Nicht wenige sehen rosige Zukunftsaussichten, so wie Isaac Kwaku Fokuo Jr:

"Stellen Sie sich einen gemeinsamen Markt zwischen den Ländern am Roten Meer, der afrikanischen Seite und dem Golf-Kooperationsrat (GCC) vor - angeführt durch die VAE. Derzeit gibt es zwar einige Brennpunkte in Bezug auf geopolitische Fragen. Aber wenn diese Probleme gelöst sind, werden sich viele Möglichkeiten auftun, allein die Rote-Meer-Region wird einen Wachstumsschub erleben."

Auch das könnte das bisher ungenutzte VAE-Exportpotenzial nach Afrika weiter entfesseln.

Warum ist Afrika so wichtig für die Zukunft der VAE?

Euronews-Reporterin Rebecca McLaughlin-Eastham traf den Präsidenten der Dubaier Industrie- und HandelskammerHamad Buamim zum Interview. Das Gespräch begann mit der Frage, warum Afrika so wichtig für die Zukunft der VAE ist.

Hamad Buamim, Präsident und Geschäftsführer der Dubaier Industrie- und Handelskammer:
In den vergangenen Jahren war der globale Handel in vielen Teilen der Welt schwach oder negativ. Aber der Handel mit Afrika wächst weiter, er hat sich fast verdoppelt. Was wir zusätzlich machen, ist, mit einem Unternehmen wie Carrefour zusammenzuarbeiten. Nicht einfach nach Afrika zu verkaufen, sondern sich mit dieser Kooperation in großen Märkten wie Nairobi oder sogar Tansania zu etablieren. Zusammen planen wir, uns in Äthiopien - ein Land mit 100 Millionen Einwohnern - zu etablieren. Dort leben zehnmal mehr Menschen als in den gesamten Arabischen Emiraten. Auf diese Weise wollen wir mehr erreichen.

Wir wollen vor Ort sein. Wie können wir Lösungen für die Herausforderungen in Afrika finden? Die Finanzierung ist nicht einfach. Aber wir glauben, wenn die Angebote stimmen, wenn sie die richtige Beratung, das richtige Geschäftsmodell bekommen, dann kommen sie nach Dubai. Dort finden sie ein Risikokapital-Netzwerk, das großes Interesse an Afrika hat. Ehrlich gesagt, die Kapitalgeber wissen nicht, wie man in Afrika Fuß fasst, denn das ist kompliziert. Es ist also eher eine Partnerschaft mit Afrika nach dem Motto 'Lass es die Afrikaner tun, finanziere sie und sei Teil davon'.

Euronews:
Angesichts der aktuellen globalen Situation, wie schätzen Sie das Investitionsklima nicht nur in Afrika, sondern auch in den VAE ein?


Hamad Buamim:

Für die Region, einschließlich der VAE, hat das Grenzen. Daher suchen Investoren natürlich immer nach Möglichkeiten an anderer Stelle. In Afrika stößt man auf gewisse Unsicherheiten, gewisse Risiken, aber es gibt auch den Aufbruchswind. Wir haben seit 2012 eine gute Erfolgsbilanz der meisten unserer Investoren. Sie waren eigentlich ziemlich zufrieden. Sie waren sehr zufrieden mit den Erträgen, die sie in diesen Ländern erzielen konnten. Ich wünsche mir, dass dieses Modell auch auf andere Schwellenländer übertragen wird, sei es in Lateinamerika, Ozeanien oder Zentralasien.

Wie entwickelt sich ein Kontinent mit über 1 Milliarde Menschen?

Mehr als 1.500 Teilnehmer haben sich für das diesjährige Globale Wirtschaftsforum zum Thema Afrika angemeldet, die Bandbreite reicht von Staatschefs über Wirtschaftsführer bis hin zu Jungunternehmern. Wie entwickelt sich ein Kontinent mit über 1 Milliarde Menschen? Das ist das zentrale Thema, wenn sich Branchenexperten treffen, um in der VAE Ideen und Erfahrungen auszutauschen.

Teilnehmer Kenneth Obiajulu, geschäfsführender Direktor "Farmcrowdy" erzählt: "Mein Mentor ist toll gewesen. Er hat verstanden, was wir in Nigeria tun und auch versuchen, in die VAE zu übertragen."

Dubai ist bereit für Kooperationen

In Dubai ist man davon überzeugt, dass solche Kooperationen sowohl der eigenen als auch der afrikanischen Wirtschaft zugute kommen.

"Die Menschen in Afrika sind innovativ, sie können auf alle möglichen Dinge eingehen: Von der Verbrechensbekämpfung über Kindererziehung und Ernährungssicherheit, den täglichen Transport bis hin zur Notfallhilfe", so africanews-Reporter Ronald Kato.

Bis 2020 werden traditionelle Sektoren wie Bergbau und Landwirtschaft die wichtigsten Wachstumstreiber bleiben. Afrika will sich auch als Produktionsstandort etablieren. Der Zugang zu Strom ist nach wie vor eine große Herausforderung. Politisch bildet sich eine neue Landschaft heraus.

Goolam Ballim, Chefökonom der Standard Bank South Africa: "Wenn man sich Angola, Südafrika, die Stabilität der Regierung in Kenia ansieht, gibt es neue Staatschefs, neue Grenzgänger, die einen konstruktiven Kurs für den Kontinent einschlagen."

Äthiopiens international gefeierter Ministerpräsident Abiy Ahmed kämpft sich auf diesem Weg voran: Obwohl sein Land 2018 die am schnellsten wachsende afrikanische Wirtschaft war, kämpft es mit ethnischen Spannungen.

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"Er will trotz der Herausforderungen, die sich in verschiedenen Teilen des Landes abzeichnen, wirklich weitermachen. Die Gesellschaft als Ganzes schreitet voran. Aber der Weg ist nicht einfach"_, so Melesse Minale Tashu, Wirtschaftsberater bei der "National Bank of Ethiopia".

Afrika zeigt also beim Eintritt in ein neues Jahrzehnt ein gemischtes Bild - es könnte der Beginn einer erfolgreichen Periode werden.

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