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Wirtschaftsforum sorgt sich um Währungssystem

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Wirtschaftsforum sorgt sich um Währungssystem

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Kasachstan war in der westlichen Welt vor allem für 2 Dinge bekannt: Der Weltraumbahnhof in Baikonur und seine gigantischen Öl-und Gasreserven. Die haben auch für den Boom im Land gesorgt, heute stehen in Astana viele Baukräne, Hochhäuser bestimmen das Stadtbild. Kasachstan ist eine der am besten gedeihenden Volkswirtscvhaften der Region

Das Land ist Gastgeber des Astana Wirtschaftsforums, ein immer wichtigerer Treffpunkt für Investoren aus Ost und West. Kasachstan will den Anschluss an die westlichen Indusrtriestandarts schaffen. Der deutsche Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos: “Es ist vor allem vor allen Dingen der Bau- und Verkehrsbereich aber natürlich auch Investitionen in Maschinen und Anlagen, insbesondere auch in moderne Energiegewinnung, auch an nachwachsenden und sogenannten regenerativen Energieformen ist man in Kasachstan interessiert.”

Grundvoraussetzung ist aber ein stabiles Währungssystem. Viele Experten fürchten, dass das auf den Dollar ausgerichtete System fehlerhaft ist und schlagen radikale Maßnahmen vor. Judy Shelton, Atlas Economic Research Foundation meint: “Wir können keine einwandfreie Geldpolitik machen ohne gesunde Finanzen. Ich hoffe, dass der Dollar sich wieder erholt. Vielleicht sollte man ihn wieder an Goldreserven koppeln, auch wenn das ziemlich radikal wäre. Aber in den USA wird das diskutiert, auch anderswo in der Welt, viele denken, dass Gold zukünftig eine starke Rolle im Währungssystem spielen könnte.

Die Rückkehr zum Gold ist umstritten. Der kanadische Nobelpreisträger Robert Mundell, einer der Väter des Euro, wettert gegen die weit verbreitete Schuldenpolitik der Länder, die das weltweite Währungssystem in Gefahr bringt: “Diese Politik ist in den westlichen Welt und in allen Demokratien weit verbreitet. Es ist der Sündenfall der Demokratie. Politiker wollen ihrem Wahlvolk geben, was es will. Und die wollen immer mehr Leistungen, der Staat soll sich um immer mehr kümmern.”

Sollte das Währungssystem unter den Schuldenbergen der USA und der Eurozone zusammenbrechen, würden aufsteigende Volkswirtschaften am meisten darunter leiden, fürchtet Sultan Al Suwaidi, von der Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate: “Nach der weltweiten Krise müssen wir nun das Währungssystem reformieren. Ich denke, dass die Stimme der aufsteigenden Volkswirtschaften mehr gehört werden muss. Derzeit werden wir einfach nicht ausreichend wahrgenommen.”

Aber ausreichende Wahrnehmung alleine reicht nicht. Gefragt, ob denn der G20-Gipfel die Antwort auf diese Probleme ist, sagt der ehemalige Präsident Boliviens Jorge Quiroga:

“Vermutlich nicht, aber immerhin ist es besser als das, was wir davor hatten. Wenn sie mich fragen, wie viele Länder teilnehmen sollten, würde ich sagen: Wenn mein Land Nummer 15 ist, soll es ein G15-Gipfel sein, damit ich der letzte bin der reinkommt. Wer Nummer 35 ist, will einen G35-Gipfel. Es wird immer Klagen geben.”

Aufsteigende Volkswirtschaften von Bolivien bis Kasachstan wollen von den Großen mehr Verantwortungsbereitschaft auf globaler Ebene. Auch am Ende der diesjährigen Treffen steht eine weltweite engere Zusammenarbeit ganz oben auf der Agenda.

Die Debatten in Astana haben gezeigt: Das internationale Finanzsystem muss sich reformieren. Als wichtiges Schwellenland in Zentralasien will Kasachstan dazu seinen Beitrag leisten. Dieser Beitrag soll vor allem eines: den Dialog zwischen den Kontinenten förden.”