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Tourismus in Lateinamerika: Wie geht es weiter?

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Tourismus in Lateinamerika: Wie geht es weiter?

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Sandstrand, Meer und Sonnenschein, das sind die wohl typischsten Bilder der venezolanischen Karibikinsel Isla Margarita. Die Insel bietet aber nicht nur schöne Sommerbilder, sie ist auch der richtige Ort, um sich den Tourismus in Lateinamerika einmal genauer anzuschauen und zu sehen, wie er sich verändert. Zu diesem Zweck fand hier die Internationale Tourismusmesse Venezuelas statt.

Elf Gastländer sind dabei, darunter auch Kolumbien und Kuba.Zum einen geht es hier um nachhaltigen Tourismus und zum anderen um eine stärkere Einbindung der lokalen Bevölkerung in das Tourismusgeschäft.

Alejandro Fleming, Venezuelas Tourismusminister: “Wir brauchen einen Tourismus, der die anderen Wirtschaftszweige nicht verdrängt, sondern diese ergänzt oder begleitet. Fischer zum Beispiel müssen in die Entwicklung des Tourismus an den Küsten eingebunden werden. Am Morgen können sie beispielsweise fischen gehen, und am Nachmittag oder Abend arbeiten sie dann als Touristenführer.”

César José de los Santos, der Tourismusminister der Dominikanischen Republik: “Dies ist die Zukunft des Tourismus. Wir arbeiten daran, dass die Gewinne aus dem Fremdenverkehr besser verteilt werden.”

Doch treffen Theorie und Praxis hier aufeinander? Die beiden wichtigsten Wirtschaftssäulen der Isla Margarita sind die Fischerei und der Tourismus. Wir wollten wissen, ob die Fischer hier vom Fremdenverkehr profitierten.

Der Fischverkäufer Victor Sucre:

Ich habe die meiste Zeit meines Lebens vom Tourismus gelebt. Früher arbeitete ich in einem Restaurant, jetzt verkaufe ich Fische. Während der Touristensaison verkaufen alle ihre Waren, die Fischer, die Restaurants, die Einzelhändler. Und alle sind zufrieden.”

Die Verknüpfung von Reiseverkehr und der lokalen Wirtschaft scheint logisch. Jetzt wird nach Wegen gesucht, wie diese beiden Bereiche noch enger verflochten werden können.

Um ihren Abschluss zu erhalten, müssen Studenten in Venezuela eine Art Sozialdienst verrichten. Die Inseluni nutzt das. Studenten bringen der örtlichen Bevölkerung Fremdsprachen bei. Gratis.

Luisa León von UNIMAR: “Wir arbeiten daran, dass mehr Menschen Englisch oder Französisch lernen. Meist wird Englisch verlangt. Wir erstellen auch kleine Handbücher mit den wichtigsten englischen Ausdrücken und die verteilen wir an die arbeitenden Menschen, etwa die Bäcker, die Verkäufer religiöser Bilder, Kunsthandwerker und Leute, die im Gastgewerbe tätig sind.”

Zurück auf der Tourismusmesse. Viele Länder nutzen sie als Werbeplattform, als Mittel, ihr Bild im Ausland zu definieren. Beispiel Kolumbien. Das Land gilt wegen der Drogenbanden und linker Rebellen als unsicher, ja gefährlich. Und dieses Image will Kolumbien ändern mit dem Slogan: “Das einzige Risiko besteht darin, dableiben zu wollen.”

Humberto Rodríguez, Kolumbianischer Tourismusberater: “Mit diesem Slogan wollen wir erreichen, dass uns die Welt in einem andren Licht sieht. Wir wollen das Image eines gefährlichen Landes ändern, das wir in der Vergangenheit hatten. Und wir sehen positive Ergebnisse: Die Zahl an Touristen hat enorm zugenommen. In den letzten vier Jahren stieg sie von jährlich einer auf 2,5 Millionen.”

Auch Kuba erlebt derzeit wichtige Veränderungen. Allerdings nutzen die Kubaner den Tourismus nicht, um ihr Image zu ändern, denn so umstritten der Inselstaat in politischer Hinsicht ist, so unstrittig ist seine Anziehungskraft auf Touristen.

Jose A. Perez, Präsident der ALBA Kulturstiftung: “Kubas politische Realität hat eine 50jährige vielseitige Geschichte und ich denke, es ist illusorisch, das Image ändern zu wollen. Jedes Jahr kommen 2,5 Millionen Touristen nach Kuba und die sehen die kubanische Realität.”

Veränderungen in einer Gesellschaft bedeuten immer auch, dass sich auch Industriezweige wie der Tourismus verändern müssen. Nur so können sie erfolgreich mit den Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten und den sich wandelnden Realitäten anzupassen.