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Moose sollen Luftverschmutzung kontrollieren


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Moose sollen Luftverschmutzung kontrollieren

Biologen der Universität Freiburg erforschen ein neues Verfahren, mit dem künftig die Verschmutzung der Luft überwacht werden könnte. Dafür setzten sie Moose ein: Diese Organismen sind ideale Schadstoffsammler. Sie sind das ganze Jahr über stoffwechselaktiv, haben keine Wurzeln und nehmen pausenlos Schmutzpartikel auf.

Eva Decker von der biologischen Fakultät der Universität Freiburg erklärt: “Warum wir gerade Moose nehmen, hat den Grund, dass Moose eine sehr große Oberfläche haben. Man sieht hier all diese kleinen Strukturen, damit können Moose in großen Mengen Verschmutzungspartikel aus der Luft aufnehmen. Wir können sehen, dass die Moose Sporenkapseln haben, in denen sich einzelne Sporen befinden, aus einer solchen Spore kann eine neue Pflanze wachsen. Und mit solchen einzelnen Sporen haben wir im Labor begonnen, die Pflanzen in größeren Mengen zu kultivieren.”

Seit 2008 müssen nach EU-Vorschrift nicht nur Stick- und Schwefeloxide in der Luft kontinuierlich überwacht werden, sondern auch Schwermetalle wie Kadmium, Blei oder Nickel. Diese sind jedoch schwer zu messen, herkömmliche Technologien sind unzuverlässig oder teuer.

In einigen Teilen Europas werden jetzt bereits Moose als Bio-Indikatoren für die Luftverschmutzung eingesetzt; die Europäische Union unterstützt dieses Projekt im Rahmen eines Forschungesprogramms.

Eva Decker erklärt, wie Moose in größeren Volumen kultiviert werden: “Wenn wir dieses Stadium erreicht haben, dann ist es Zeit, dass wir in einen Bioreaktor gehen. Dieser hat ein Volumen von insgesamt fünf Litern, während wir hier mit einem Volumen von 200 Millilitern arbeiten. Das heißt, wir können wesentlich mehr Moos produzieren in diesem Bioreaktor.”

Durch ihre fein verästelte Form und die große Blattoberfläche eignen sich Moose besonders gut für die Aufnahme von Schmutzpartikeln. Während Wurzelpflanzen Schadstoffe im Boden filtern, nimmt die wurzellose Moospflanze die Luft ungereinigt auf.
Palf Reski, Professor für Pflanzentechnologie, will nun im Labor eine Torfmoosart kultivieren, die er für besonders gut geeignet hält. Diese soll anchließend geklont werden.

Moose zum Aufspüren von Schwermetallen – in einigen europäischen Messstationen wird dies bereits in der Praxis getestet, zum Beispiel im spanischen Santiago di Compestela. Dafür wurden die Moospflanzen in luftdurchlässige Behälter gefüllt, die aussehen wie überdimensionierte Teebeutel.

Carlos Brais Carballeira Braña, Niologe an der Universität Santiago de Compostela:
“Die Beutel werden in dreifacher Ausfertigung drei Wochen lang aufgehängt, damit sie Schadstoffe aus der Luft sammeln können. In diesem Fall geht es vor allem um Abgase aus dem Autoverkehr, aber auch um Luftverschmutzung durch die Industrie.”

Nach drei Wochen wird das Moos getrocknet und zu Pulver verabeitet, damit die Schadstoffwerte genau bestimmt werden können. Das Verfahren verbindet Methoden der Molekularbiologie und Materialwissenschaften mit denen der Ökologie und Bionik und stellt für die Forscher eine große Hoffnung dar. Denn in Zukunft soll es nicht nur der Luftqualität zu Gute kommen, wie der spanische Biologe José Angel Fernández Escribano erklärt: “Wir haben vor, diese Methode künftig auch in anderen Bereichen anzuwenden, zum Beispiel, um die Verschmutzung von Flüssen, Feldern oder Industriegebieten zu messen. Es gibt stark verunreinigte Flüsse, auch das Meer ist verschmutzt. Das neue Verfahren ermöglicht uns, die Schadstoffe zu bestimmen die unser Ökosystem beeinflussen.”

Mehr Informationen im Internet unter www.mossclone.eu

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