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Nahrungsmittelbetrug: Ein wachsender Verbrechenszweig

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Nahrungsmittelbetrug: Ein wachsender Verbrechenszweig

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Vom Bauernhof auf den Teller – was ist wirklich drin in unserem Essen? Die Standards für die Nahrungsmittelsicherheit in der EU gehören zwar zu den höchsten der Welt, doch Ereignisse wie der Pferdefleischskandal haben Fragen aufgeworfen und Zweifel geweckt.

Der grüne EU-Parlamentarier Carl Schlyter aus Schweden meint: ‘‘Die Menschen wollen wissen, wo ihr Essen herkommt. Sie wollen wissen, was drin ist, unter welchen Umständen die Tiere gehalten wurden, wie man sie zu Lebzeiten behandelt hat.”

Gilles Pargneaux, sozialistischer EU-Abgeordneter aus Frankreich: ‘‘Es geht nicht nur um Fleisch. So gab es beispielsweise in Polen den Fall, wo Streusalz als Speisesalz verkauft wurde, oder Teeblätter, die für verschiedene Zwecke missbraucht werden.”

Dass Pferdefleisch in Produkten wie Tiefkühllasagne gefunden wurde, war zwar kein Problem für die öffentliche Gesundheit. Der Vorfall machte aber deutlich, wie verworren und komplex die Lebensmittelkette in Europa teils ist.

Im Januar stellten Interpol und Europol 1200 Tonnen an gefälschtem Essen sicher. Nahrungsmittelbetrug: ein wachsender Verbrechenszweig, der erhebliche Risiken für die Öffentlichkeit birgt.

Simone Di Meo von Interpol: ‘‘Die Lieferkette ist enorm lang, was Kriminellen gute Möglichkeiten bietet, ihre Produkte unterzubringen, die von schlechter Qualität oder gefälscht sind. Sie etikettieren die Waren um oder sie löschen und ändern mit Maschinen das Haltbarkeitsdatum.”

Um die Konsumenten zu beruhigen, sucht Brüssel nach neuen Wegen, um Nahrungsmittelbetrug zu bekämpfen. Härtere Strafen für Essensfälscher, mehr EU-weite Kontrollen und bessere Kennzeichnungen sind nur einige der Maßnahmen, die in Betracht gezogen werden.

Unabhängige Schlachter machen meist deutlich, woher ihr Fleisch kommt. Das gibt dem Kunden Sicherheit und macht die Rückverfolgung einfacher. Doch solcherlei Qualität hat meist auch ihren Preis, verglichen mit Fertiggerichten, bei denen oft unklar ist, woher der Inhalt im einzelnen stammt.

Im Moment gibt es noch keine EU-weite Pflicht anzugeben, woher genau die geschlachteten Tiere kommen. Grund sind Einwände der Industrie. Sie sagt, eine solche Pflichtkennzeichnung sei zu teuer. Nicht alle im EU-Parlament folgen dieser Argumentation.

Carl Schlyter etwa meint: ‘‘Das ist ein Mythos. In Wirklichkeit bringt etwa die Rindfleischetikettierung nur minimale Mehrkosten. Wir sollten es einfach tun und nicht auf die Industriepropaganda hereinfallen.”

Ende des Jahres soll eine neue EU-Richtlinie zur Etikettierung von Nahrungsmitteln in Kraft treten.