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Irak: "Unterstützer der syrischen Opposition stärkten Islamischen Staat"

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Irak: "Unterstützer der syrischen Opposition stärkten Islamischen Staat"

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Der Irak ist ein Land am Rande des Bürgerkriegs. Hinzu kommen eine katastrophale humanitäre und wirtschaftliche Situation, sowie religiöse Spannungen. All das muss der neue irakische Ministerpräsident angehen. Er soll außerdem auch noch eine Einheitsregierung bilden.

Haidar al-Abadi steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Viele befürchten, dass es unmöglich ist, die verschiedenen politischen Gruppen miteinander zu versöhnen.

Der bisherige Vize-Präsident des Parlaments hatte den Rückhalt der kurdischen Minister und der internationalen Gemeinschaft.

Der scheidende Ministerpräsident Nuri al-Maliki verwandelte sich in den letzten acht Jahren von einem Mann des Kompromisses in einen Mann des Scheiterns. Er konnte die Spannungen im Land nicht abbauen und drängte die Sunniten an den Rand.

Hoshyar Zebari wurde 2003 al-Malikis Außenminister und besteht auch weiterhin darauf, das Amt zu begleiten. Trotz des Rückzugs der kurdischen Minister aus der irakischen Regierung im Juli. Seine Aufgabe in der neuen Regierung steht noch nicht fest.

Über die Situation im Irak sprach euronews mit dem scheidenden irakischen Außenminister Hoshyar Zebari.

euronews

“Ist es das Ziel des Kriegs gegen den Islamischen Staat Kurdistan bzw. die kurdischen Gebiete zu verteidigen? Oder wurde gemeinsam mit der neuen Regierung die Entscheidung getroffen, die extremistische Gruppe auszumerzen?”

Hoshyar Zebari

“Der Krieg dient nicht nur dazu, Kurdistan und die kurdischen Gebiete zu verteidigen. Es geht auch darum, die Iraker und die Minderheiten zu schützen. Das Ziel ist es, die gesamte Region und die Menschen zu verteidigen.”

euronews

“Der kurdische Präsident Masud Barzani sagte, er habe wiederholt vor dem Erstarken extremistischer Gruppen gewarnt. Sie sind seit 2003 Außenminister. Warum wurde so lange gewartet, bis die Lage außer Kontrolle geriet?”

Hoshyar Zebari

“Es gibt dafür mehrere Gründe, vor allem die Krise in Syrien, von der die Gruppe Islamischer Staat profitiert hat. Weitere Gründe sind die Probleme zwischen den irakischen Politikern und auch die arabischen Sunniten, die sich an den Rand gedrängt fühlten. Diese Gruppen beschafften sich große Mengen an Waffen, moderne Ausrüstung und Geld.
All diese Faktoren wurden von den Nachrichtendiensten und der irakischen Führung nicht richtig eingeschätzt.”

euronews

“Warum entschied sich Obama für einen Luftschlag, als sich IS Erbil näherte und nicht, als die Gruppe vor den Toren vor Bagdad stand?”

Hoshyar Zebari:

“Ich denke, das ist klar. Es ging nicht nur darum, dass eine unmittelbare Gefahr für die amerikanischen Interessen in Erbil bestand, sondern es gab auch einen humanitären Notfall. Die USA haben umfangreiche Hilfe geleistet, das beinhaltete technische und nachrichtendienstliche Unterstützung. Außerdem wurde Ausrüstung bereit gestellt. Die Gefahr hier in Erbil war groß und es musste schnell entschieden und sofort reagiert werden, um den IS-Vormarsch zu stoppen.”

euronews

“Es gibt Zweifel und Fragen hinsichtlich der Existenz von IS und wer die Gruppe unterstützt. Hillary Clinton machte in ihrem Buch darauf aufmerksam, dass die USA involviert sein könnten, da sie der Gruppe am Anfang nicht entgegentraten. Wie wollen die USA nun mit IS umgehen?”

Hoshyar Zebari

“Ich stimme da nicht mit Ihnen überein und ich habe das Buch gelesen. Vielleicht ist das eine Interpretation der Medien?”

euronews

“Aber sie wies darauf hin, dass es ein Fehler der USA war, IS nicht von Anfang an zu bekämpfen. Dies führte zu einem Erstarken des Islamischen Staats.”

Hoshyar Zebari

“Das ist ein anderes Thema. All die Staaten, die die syrische Opposition unterstützen, die Freie Syrische Armee und die extremistischen Gruppen in Syrien, förderten das Erstarken von IS. Wer auch immer der Gruppe half, die Sache ist nun außer Kontrolle. Der Islamische Staat hat viele moderne Waffen und eine gut ausgebildete Armee. Die Gruppe ist stark, finanziert sich selbst und ist außer Kontrolle geraten.”

euronews

“Es gab Meinungsverschiedenheiten zwischen der irakischen und der kurdischen Führung wegen der Peschmerga und dem Öl. Denken Sie, das wird mit der neuen Regierung unter Ministerpräsident Abadi besser?”

Hoshyar Zebari:

“Wir werden mit Verhandlungen zwischen Abadi und den Kurden beginnen. Die Kurden haben bereits eine Delegation für die Verhandlungen benannt. Der Grund für das was geschehen ist, ist der, dass die Peschmerga IS technisch unterlegen waren. Und das kommt daher, dass die Regierung sich weigerte, die Peschmerga zu unterstützen. Hinischtlich des Öls: Die Regierung muss das neue Öl- und Gas-Gesetz verabschieden.