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Historische Reise: "Hermione" auf großer Fahrt

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Historische Reise: "Hermione" auf großer Fahrt

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Sie ist in See gestochen – fast genauso wie vor 235 Jahren segelt die französische Fregatte Hermione gen Amerika. Im 18. Jahrhundert waren

Sie ist in See gestochen – fast genauso wie vor 235 Jahren segelt die französische Fregatte Hermione gen Amerika. Im 18. Jahrhundert waren Frankreichs Spitzengeneräle am Bord. Sie sollten George Washingtons Freiheitskampf gegen England unterstützen.

Meinung

Dieses Schiff wurde gebaut, um zu segeln, und wir lieben es, es zu segeln.

Diese Hermione ist natürlich eine Rekonstruktion. Einfacher wird die Überfahrt nach Amerika dadurch jedoch kaum, weiß Kapitän Yann Cariou Captain: “Man kann sagen, dass dieses Schiff derzeit das am schwierigsten zu manövrierende Segelschiff der Welt ist. Es trägt eine Takelage aus dem 18. Jahrhundert, ist aber zugleich ein hocheffizientes Kriegsschiff der Zeit, in etwa vergleichbar mit heutigen Rennyachten, allerdings mit 1000 Tonnen Gewicht.”

Im 18. Jahrhundert waren 200 Männer nötig, um das Schiff zu segeln. Aus Sicherheits- und Komfortgründen wurde die Besatzung nun auf 79 reduziert. Die meisten sind junge Freiwillige. Vor Anbruch der Reise mussten sie ein hartes Training absolvieren. Crew-Mitglied Nicolas Chambon berichtet: “Wir klettern 50 Meter hoch um die Bramsegel zu setzen, bei jedem Wetter, zu jeder Zeit kann ein Sturm aufkommen ohne Warnung und wir müssen bereit sein, die Segel einzuholen. Wir müssen schnell hochklettern, unsere Höhenangst und Seekrankheit überwinden, da oben schaukelt es viel viel mehr als an Deck.”

17 Jahre hat der detailgetreue Nachbau gedauert. 25 Kilometer Seil und 2.200 Qaudratmeter Segel waren nötig. Für diese handwerkliche Meisterleistung mussten auch viele traditionelle Handwerkskünste wiederbelebt werden. Der Präsident der Hermione Association, Benedict Donnelly, erläutert: “Die Leinensegel haben wir in Frankreich produziert, obwohl das Leinen nicht mehr für Segel hergestellt wird. Die Takelage ist aus Hanf, dafür haben wir Hilfe aus Schweden bekommen. Ein Expertenteam zeigte uns das Seilemachen und hat dann auch einige junge Leute unterrichtet, so dass sie hier auch in Zukunft Seile produzieren können. Ein ganzes Handwerker-Dorf ist in den Jahren rund um die Hermione entstanden. Es bleibt zusammen mit einer Reihe von anderen “Start Ups” bestehen. Wir sind sehr stolz auf das wirtschaftliche Nebenprodukt, dass wir um uns herum aufgebaut haben.

General Lafayette hatte im 18. Jahrhundert keine Frauen an Bord. 2015 ist hingegen ein Drittel der Besatzung weiblich, darunter auch hohe Offiziere. “Ich wollte schon immer auf ein großes Segelschiff, jetzt hat es geklappt. Als ich ankam wurde ich zum Kanonen-Leutnant ernannt, ich bin also für die Sechs- und Zwölf- Pfund-Kanonen zuständig. Während Regatten muss ich sie laden und abfeuern und sicher stellen, dass niemand getroffen wird, wir schießen ja nicht mehr auf Engländer”, so Anne-Laure Barberis lachend.

Nicht sehr überraschend: Engländer haben nicht für den Trip angeheuert, allerdings zwei Amerikaner.

Gekostet hat dieser Traum rund 25 Millionen Euro. Das Geld stammt aus großzügen Spenden, kommunalen Zuschüssen und von den vier Millionen Menschen, die die Werft besucht haben. Mit der Amerikareise sollen die Abenteuer der Hermione jeoch nicht enden. Donnelly:
“Es ist mit Sicherheit ein Museumsschiff, aber es ist auch ein umherziehender Botschafter für unser Land. Wir müssen über langfristige Projekte mit den Gastländern nachdenken. Mein Vorschlag war, dass wir 2018 – 2019 den Indischen Ozean bereisen und nach Mauritius segeln, genauso wie es das Originalschiff getan hat und dann soll es weiter gehen nach Indien für ein neues Abenteuer. Dieses Schiff wurde gebaut, um zu segeln, und wir lieben es, es zu segeln. “

“Wir müssen unseren Horizont erweitern und unser verwöhntes verkapptes Leben, über das wir die ganze Zeit jammern, beenden. Wir müssen uns öffnen und uns vom starken Wind tragen lassen”, sagt der franzöische Schriftsteller und leidenschaftliche Seefahrer Erik Orsenna.

Die Hermione soll an den Beginn der französisch-amerikanischen Freundschaft erinnern. In der vergangenen Woche ist die Fregatte in See gestochen. Um den 5. Juni herum wird sie an der US-Ostküste erwartet – als Symbol für die Freiheit.