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Stresstests für die kritische Infrastruktur in Europa

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Stresstests für die kritische Infrastruktur in Europa

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Was würde bei einem schweren Erdbeben oder einer Überschwemmung mit den Staudämmen in Europa geschehen? Wissenschaftler entwerfen

Was würde bei einem schweren Erdbeben oder einer Überschwemmung mit den Staudämmen in Europa geschehen? Wissenschaftler entwerfen Katastrophen-Szenarien, um das Risiko besser abschätzen zu können.

Meinung

Das Problem ist, dass diese Katastrophen extrem selten sind. Sie kommen nur alle hundert oder tausend Jahre vor.

Staudämmen sollten Naturkatastrophen nichts anhaben können. Aber seit dem GAU in Fukushima nehmen europäische Forscher die Infrastruktur genau unter die Lupe. Bei dem 83 Meter hohen Staudamm von Rossens handelt es sich um kritische Infrastruktur. In anderen Worten wir sind auf ihn angewiesen. Um die Sicherheit aller zu garantieren wird er regelmäßig überprüft. Bislang gab es noch keinen Unfall mit Staudämmen dieser Größe.

Der Staudammbauexperte Anton Schleiss erklärt: “Wir versuchen beim Bau alle möglichen Gefahren zu berücksichtigen, aber es gibt immer ein Restrisiko. Selbst wenn wir die größten Katastrophen erwägen, kann immer noch etwas Schlimmeres passieren.” Mit diesem Risiko beschäftigt sich das europäische Forschungsprojekt STREST. Es wurde nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima ins Leben gerufen. Es geht darum Stresstests für wichtige Infratrukturen zu entwickeln.

Euronews-Journalistin Anne Devineaux hat Anton Schleiss gefragt, was passieren würde, wenn eine Schleuse nicht funktionieren würde. Er antwortete: “Das könnte nach einem schweren Erdbeben der Fall sein oder falls es nach dem Erdbeben noch ein Hochwasser gab und die Schleuse sich nicht öffnen lässt. Im STREST-Projekt schauen wir uns an, was passiert, wenn mehrere Ereignisse zusammenkommen. Ist das wahrscheinlich? Was könnten wir machen und was wären die Auswirkungen?”

Die Methoden, die im Rahmen des Projekts entwickelt werden, können nicht nur auf Staudämme, sondern auch auf Raffinerien, Pipelines, Industriegebiete und Häfen angewandt werden. Arnaud Migan, der Leiter des Projekts STREST, betont: “Das Problem ist, dass diese Ereignisse extrem selten sind. Sie kommen nur alle hundert oder tausend Jahre vor. Und selbst wenn man ein paar hundert Jahre zurückgeht, gab es zu dieser Zeit noch so gut wie keine Infrastruktur. Heute ist alles bebaut und wir sind alle durch diese Strom- Wasser- und Gasnetzwerke verbunden. All diese Systeme, die voneinander abhängen, sind gefährdet.”

In einem Labor in der Ecole Polytechnique in Lausanne testen Wissenschaftler die Reaktion der Infastrukturen anhand von sehr viel kleineren Modellen. Hier z.B. der Widerstand eines Gebäudes bei einem Tsunami. Aber um alle Risiken zu berücksichtigen greifen die Forscher auf digitale Simulierungen zurück. Der Ingenieur José Pedro Matos erklärt: “Die Simulierungen gehen nicht all zu sehr in Details. Aber wir sind in der Lage Erdbeben, Hochwasser und Erdrutsche zu vergleichen. Was passiert, wenn mehreren Ereignisse gleichzeitig passieren, was passiert bei Nachbeben. Wir spielen diese Simulierungen Millionen Male durch, um zu verstehen wie das System angesichts all dieser Ereignisse reagiert. Diese Ereignisse sind nicht unbedingt extrem, aber es kann zu Interaktionen kommen und das kann für unsere Dämme gefährlich sein.”

Die Risiken besser verstehen, um im Falle einer Katastrophe vorbereitet zu sein, das ist das Ziel.