Eilmeldung

Sie lesen gerade:

Angriffe auf Krankenhäuser in Kriegsgebieten: "Kein Zufall"

welt

Angriffe auf Krankenhäuser in Kriegsgebieten: "Kein Zufall"

Werbung

Angriffe auf Krankenhäuser gelten im Krieg als Kriegsverbrechen. Dennoch kommen sie immer wieder vor. Am 15. Februar 2016 etwa wurde dieses Kinderkrankenhaus in der syrischen Stadt Azaz von 5 Bomben getroffen. 14 Zivilisten kamen ums Leben.

Osama Abu-Elezz war Chirurg in einem angegriffenen Krankenhaus in Sakhour, einem Stadtteil Aleppos, der von Rebellen gehalten wird. Abu-Elezz befindet sich derzeit an einem geheimen Ort in der Türkei.

“Sie bombardierten das Krankenhaus im Februar 2014 mit einer Rakete von einem Kampfjet aus und trafen die Seite des Krankenhauses. Die Regierung bombardierte das Krankenhaus wieder zwischen Mai und August sechsmal mit Fassbomben. Die beiden letzten Male trafen sie das Krankenhaus und zerstörten Teile davon. Der Betrieb wurde völlig eingestellt. Um weiterarbeiten zu können, musste wir in den Untergrund gehen.”

Am 27. April dieses Jahres griffen dann Kampfjets, aller Wahrscheinlichkeit nach russische oder syrische, ein weiteres Krankenhaus in Aleppo an. 27 Menschen kamen ums Leben, darunter der letzte Kinderarzt der Stadt, Mohammed Wasum Moaz.

Hinter den Angriffen stecke eine Strategie, sagt der Kommunikationsbeauftragte von Ärzte ohne Grenzen in Syrien, Sam Taylor.

“Wir wissen nicht, warum Krankenhäuser angegriffen werden, aber da die Angriffe sich oft wiederholen, wissen wir eindeutig, dass es eine Strategie gibt, diese Einrichtungen zu zerstören. Wir haben nie davon gehört, dass Krankenhäuser derart zu Zielen erklärt werden, dass die Bewohner auf den Zugang zur Krankenversorgung verzichten.”

Das weltweit bekannte Symbol des Roten Kreuzes, das Krankenhäuser beschützt, ist zu einem tödlichen Ziel geworden. In Kundus in Afghanistan feuerten vergangenes Jahr US-Kampfjets Bomben auf ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus, 40 Menschen kamen ums Leben. Ein Versehen, sagt die US-Armee, doch Ärzte ohne Grenzen glaubt diese Version nicht und verlangte eine unabhängige Untersuchung.

Bruno Jochum, Generaldirektor von Ärzte ohne Grenzen Schweiz glaubt weder an Zufall noch an ein Versehen: “Das Krankenhaus wurde wiederholt angegriffen, mehrere Male innerhalb weniger als einer Stunden, während kein anderes Haus in der Nachbarschaft beschossen wurde. Wir haben keine Zweifel, dass das Krankenhaus an sich Ziel war.”

Mehr als 80 von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Krankenhäuser wurden zwischen 2015 und 2016 bombardiert, mehr als 100 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter Patienten und Krankenhauspersonbal. Allein in Syrien sind laut der Organisation Ärzte für Menschenrechte seit 2011 rund 450 Ärzte bei Angriffen ums Leben kamen.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden.euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

Automatische Übersetzung

Nächster Artikel