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Risiko Übergang: Brexit als Investitionsbremse


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Risiko Übergang: Brexit als Investitionsbremse

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Euronews hat mit André Sapir gesprochen. Er ist Ökonom und Senior Fellow des Bruegel Think Tanks in Brüssel. Er sieht die wirtschaftliche Gefahr weniger im Brexit selbst, sondern vielmehr in der mehrjährigen Phase vor der endgültigen Trennung.

Sophie Claudet, euronews: Was sind Ihrer Meinung nach die langfristigen Auswirkungen des Brexit-Votums?

André Sapir: Gütern und Dienstleistungen werden weiter zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich zirkulieren. Wir werden Partner bleiben, aber der Austausch wird weniger intensiv sein, besonders im Finanzbereich. Dem Vereinigten Königreich wird da einiges verloren gehen, sofern es in Zukunft keinen gemeinsamen Markt mehr geben wird.

euronews: Was steht für Großbritannien auf dem Spiel, auch außerhalb der EU?

André Sapir: Schwierig wird vor allem der Übergang sein. Wie lange wird es dauern, mit der EU einen Zugang zu den Märkten zu verhandeln, die jetzt durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union zugänglich sind? Letztlich wird der Status quo aber wiederhergestellt werden können.

euronews: Nehmen wir China als Beispiel. Die Volksrepublik hat Interesse daran, Handel mit der EU zu treiben – so sind viele Länder zugänglich. Wird China auch noch an einem Großbritannien ohne EU-Mitgliedschaft interessiert sein?

André Sapir: Sie wissen ja, dass derzeit Verhandungen zwsichen der EU und China laufen. Es geht dabei um ein Investitionsabkommen. Vielleicht wird es in ein paar Jahren Verhandlungen über neue Verträge mit London geben. Diese würden wohl parallel zu den Verhandlungen zwischen China und Brüssel verlaufen. All das wird aber dauern. Im Moment dürfte London noch überfordert sein. Es fehlt das Personal, um vergleichbare Verträge mit allen bisherigen EU-Partnern zu verhandeln. Südafrika, Korea, Kanada – Das wird dauern.

euronews: Wird es einen Rückgang der direkten Investitionen aus dem Ausland geben?

André Sapir: Das wird so kommen. Zumindest in der Übergangsphase. Solange Unsicherheit besteht, wird sich diese negativ auf die Investitionen aus dem Ausland auswirken. Das wird einige Jahre so gehen. Nach Inkrafttreten von Artikel 50 wird es bis zum Brexit noch rund zwei Jahre dauern Die Scheidung Londons von Brüssel muss ja verhandelt werden. Die Ehe muss danach gewissermaßen neu verhandelt werden, auf einem anderen Niveau. In fünf bis zehn Jahren wird das Klima wieder vorteilhafter sein. Ob Großbritannien die Verluste dann wieder ausgleichen kann, ist die große Frage.”

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