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Oxfam kritisiert: Ungleichheit zwischen Arm und Reich wie noch nie


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Oxfam kritisiert: Ungleichheit zwischen Arm und Reich wie noch nie

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Diese Menschen sind die reichsten der Welt: Die reichsten acht von ihnen besitzen soviel wie die ganze ärmere Hälfte der Menschheit, also gut gut dreieinhalb Milliarden Menschen.

Diese und ähnliche Zahlen hat die Hilfsorganisation Oxfam jetzt vorgestellt.

Einige waren schon bekannt, andere hat sie neu ermittelt, vor allem aus Schätzungen der Bank Crédit Suisse und der Zeitschrift “Forbes”.

Demnach wäre die Ungleichheit zwischen Arm und Reich auf der Welt so groß wie noch nie.

Im letzten Jahr hatte Oxfam in diesem Vergleich noch von den 62 Reichsten der Welt gesprochen. Die Organisation teilt aber mit, seitdem habe man neue Zahlen, vor allem aus China und Indien: Diese zeigten, dass die Ärmsten ärmer seien als noch letztes Jahr gedacht.

Es gebe aber auch Länder, die den Trend zur Ungleichheit umkehrten, sagt der zuständige Oxfam-Vertreter Max Lawson. Ein Grund dafür sei, dass die Reichen dort ihre Steuern zahlten. Es gebe auf der Welt Milliardäre, die im Verhältnis weniger Steuern zahlten als ihre Putzfrau oder ihre Sekretärin. So werde Reichtum nach oben umverteilt.

Den Schätzungen zufolge ist Bill Gates, der reichste Mann der Welt, in den letzten zehn Jahren noch einmal um 25 Milliarden Dollar reicher geworden – und das, obwohl er von seinem Vermögen viel spendet.

Das sieht Oxfam aber nicht als grundlegende Lösung für das Problem der Ungleichheit; auch wenn es natürlich erst einmal gut sei, wenn Milliardäre spendeten.

Die Organisation legte ihren Bericht zum morgigen Auftakt des jährlichen Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos vor.

Auch dieses Treffen von Politik- und Wirtschaftsführern sieht die Ungleichheit in der Welt als eines der drängendsten Probleme.

Oxfam macht für die Ungleichheit politische und unternehmerische Fehlentwicklungen verantwortlich. Staaten müssten stärker kooperieren anstatt gegeneinander in einen Wettbewerb um die niedrigsten Unternehmenssteuern zu treten.

Gleichzeitig sollen sie unternehmerisches Handeln fördern, das sich weniger auf Kapitalgeber und stärker auf Arbeiter und Umweltkosten konzentriert.

Kritikpunkt ist zudem das Bruttoinlandsprodukt als Indikator für Wohlstand. Unbezahlte Arbeit innerhalb von Familien trage zum Wohlstand einer Gesellschaft bei, werde vom BIP aber nicht gemessen.

Oxfams Methodik in dem neuen Bericht ist nicht unumstritten. Denn die Zahlen, auf die sich die Organisation stützt, betrachten das so genannte Nettovermögen. Wer einen Kredit hat, fällt damit schnell auf Null zurück oder hat sogar ein negatives Vermögen.

Die Datenbasis der Oxfam-Studie besagt zum Beispiel, dass die ärmsten zehn Prozent der Menschheit ein negatives Vermögen von fast 1100 Milliarden US-Dollar haben. Die 40 Prozent darüber besitzen demnach mehr als 1500 Milliarden. Nur durch die Hypothek der unteren zehn Prozent landet die gesamte Gruppe unter dem Vermögen der reichsten acht Milliardäre.

“Durch diese Berechnung gilt zum Beispiel ein verschuldeter Student in den USA als arm, obwohl er wahrscheinlich in Zukunft viel Geld
verdient”, sagt Judith Niehues vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln. “Nach der Berechnungsmethode gehört ein
Drittel der Europäer zur ärmeren Hälfte der Welt.”

Die Forscherin betont, dass zum Beispiel Rentenansprüche oder soziale Sicherheitsnetze nicht zum Vermögen zählten, und deshalb das Vermögen als alleiniger Indikator für Wohlstand nicht ausreiche.

Niehues weist auch darauf hin, dass in Europa gerade in Ländern mit starken sozialen Sicherungssystemen das Vermögen ungleicher verteilt sei. “Vermögen entsteht auch, wenn die Menschen privat für ihr Alter vorsorgen. In Ländern mit starkem sozialen Netz passiert das weniger.”

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