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Die Angst türkischer Offiziere in Brüssel vor ihrer Staatsmacht

Die Angst türkischer Offiziere, ihr Gesicht zu zeigen – nach dem Putschversuch vor einem Jahr hat die Regierung in Ankara das Militär von vermeintlichen Regimekritikern…

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Die Angst türkischer Offiziere in Brüssel vor ihrer Staatsmacht

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Die Angst türkischer Offiziere, ihr Gesicht zu zeigen – nach dem Putschversuch vor einem Jahr hat die Regierung in Ankara das Militär von vermeintlichen Regimekritikern gesäubert.

Euronews sprach mit zwei von ihnen, die bisland bei der NATO in Brüssel Dienst taten.

Im Interview erzählen sie, wie die Ereignisse von vor einem Jahr ihr Leben drastisch verändert haben.

Der erste Offizier gehörte der türkischen diplomatischen Delegation bei der NATO an.

Er erzählt, daß der Putschversuch anders verlaufen sei als die bisherigen Militärcoups, die das Land im Laufe der Jahre erlebt hat.

Anstatt die Bevölkerung in ihre Häuser zu befehlen, habe Präsident Erdogan dazu aufgerufen, am späten Abend auf die Straßen zu gehen.

Es sei die Karikatur eines Putsches gewesen.

Der zweite Offizier, der zu uns spricht, war im militärischen Hauptquartier der NATO in Mons stationiert, als Kampfpilot.

Er erzählt, wie im vorigen September Ankara eine schwarze Liste mit Namen von Offizieren herausgab.

Auch sein Name sei darauf gewesen.

Er habe immer gedacht, daß sie in Brüssel in Sicherheit gewesen seien, immerhin sei Belgien ein Rechtsstaat.

Aber die Regierung wollte das Militär säubern, auch wenn die zurückgeorderten Offiziere nichts mit dem Putschversuch zu tun hatten.

Insgesamt wurden rund 100.000 Richter, Lehrer, Soldaten und andere Staatsdiener gefeuert oder vom Dienst suspendiert.

Viele landeten im Gefängnis, andere versuchten im Ausland zu bleiben.

“Wir bekamen den Befehl, nach Hause zurückzukehren. Ein Grund wurde nicht genannt”, sagt er.

“Ich fragte nach, und man sagte mir, das sei ein Staatsgeheimnis.

Man sagte mir nicht, was mir vorgeworfen wurde.

Es hieß lediglich, es werde gegen mich ermittelt, ich müsse zurückkommen.

Einige wurden gleich nach ihrer Rückkehr verhaftet, entweder am Flughafen oder in der Kaserne.

Als wir davon erfuhren, entschlossen wir uns, in Brüssel zu bleiben.”

Von den 143 türkischen Offizieren bei der NATO sind heute nur noch 23 im Dienst.

Der Rest ist wieder in der Türkei – irgendwo.

“Wir hatten keine Ahnung, was in der Nacht des Putsches vor sich ging.

Das tut am meisten weh.

Was die Regierung sagt und was Augenzeugen sagen, passt nicht zusammen.”

Wie es weiter geht, wissen sie nicht. In Belgien haben sie Asyl beantragt.