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Trump und die Nazis: Wird Bannon gefeuert?

Nur eine Frage der Zeit, bis Trump seinen Chefstrategen Stephen Bannon feuert?

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Trump und die Nazis: Wird Bannon gefeuert?

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Ob Sicherheitsberater Michael Flynn, Kommunikationschef Anthony Scaramucci oder Stabschef Reince Priebus – sie alle konnten sich im Machtgefüge des Weißen Hauses unter US-Präsident Donald Trump nicht lange behaupten. Schon wird in amerikanischen Medien spekuliert, wer als nächstes seinen Hut nehmen muss. Oft fällt in diesem Zusammenhang der Name von Trumps Chefstrategen, dem ehemaligen Chef des radikalen rechten Onlineportals Breitbart, Stephen Bannon.

Bannon gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter Trumps auf dessen Weg ins Weiße Haus und als geschickter Verkäufer von Trumps Agenda im ganzen Land. Er ist bekannt als Verfechter des Weißen Nationalismus, auch wenn er sich selbst lediglich als “Nationalist” bezeichnet. Die “Weißen Nationalisten” definieren sich, im Gegensatz zu den Konservativen, über Zugehörigkeit zur weißen Ethnie und über die christliche Religion. Bannon ist außerdem ein erklärter Globalisierungs- und Einwanderungsgegner.

Bannon handelt nicht im Interesse des Präsidenten


Doch der jüngste Eklat um Trumps späte Verurteilung des Vorfalls von Charlottesville, Virginia, könnte nun das Fass zum Überlaufen bringen. Nach der Gewalteskalation mit einer Toten während einer rechtsradikalen Kundgebung hatte der Präsident sehr vage die Gewalt “auf vielen Seiten” verurteilt, sich aber nicht explizit von den Neonazis distanziert. Erst unter dem Druck der Öffentlichkeit legte der Präsident am Dienstag, mehr als 48 Stunden später nach, und rügte die Rassisten als “böse”. Für die Kritiker war die Entschuldigung zu schwach, zu spät – und wieder einmal ist es einem positiven Bild Donald Trumps in der Öffentlichkeit nicht zuträglich.

Trumps Kritiker sehen hinter der Zeitverzögerung die Handschrift von Bannon, mit dem Trump am Wochenende mehrfach Rücksprache gehalten hatte. So soll er Trump geraten haben, Rechtsradikale nicht ausdrücklich zu verurteilen. Schließlich sind sie eine seiner wichtigen Unterstützergruppen.

“Schlangengrube” Weißes Haus


Im Weißen Haus soll Bannon, der früher beim Präsidenten ein und aus ging, von Trump in eine Art internes Exil geschickt worden sein. Dem Präsidenten ist ein Dorn im Auge, dass amerikanische Medien in Bannon den führenden Kopf hinter Trump sehen. Erst kürzlich, bei einem Dinner vor Trumps Sommerurlaub, hatte Rupert Murdoch, einer der Gründer von Trumps Lieblings-Fernsehsender Fox News, Trump dazu geraten, Bannon zu feuern.

Doch auch im Weißen Haus mehren sich diejenigen, die mit Bannon auf offenen Konfrontationskurs gehen. Erklärte Gegner Bannons sind Schwiegersohn und Trump-Berater Jared Kushner, der sich bereits im März mit ihm überworfen hatte, Sicherheitsberater H.R. McMaster und Stabschef John F. Kelly, die Trump erst kürzlich ins Weiße Haus geholt hatte. Sei es die Kritik von Bannons Gegnern oder die Tatsache, dass auch Anhänger des Webportals Breitbart in großer Zahl in Charlottesville vertreten waren, die Tage des Strategiechefs Stephen Bannon scheinen gezählt.