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Katalonien: "Ich habe noch Hoffnung" - weiße Märsche für Dialog

Knapp eine Woche nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum fordern Zehntausende Verhandlungen

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Katalonien: "Ich habe noch Hoffnung" - weiße Märsche für Dialog

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Ganz in Weiß, mit Spruchbändern in allen Regionalsprachen Spaniens – Spanisch, Baskisch, Galizisch und eben Katalanisch – haben Zehntausende im Konflikt um die nach Unabhängigkeit strebende spanische Region Katalonien bei Großkundgebungen zum Dialog aufgerufen. Unter dem Motto «Hablemos? Parlem?» (“Reden wir?”) versammelten sich die Demonstranten vor den Rathäusern zahlreicher Städte, darunter Madrid und Barcelona.

Mit Blick auf Ministerpräsident Mariano Rajoy und den separatistischen Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, riefen die Menschen: «Redet oder tretet zurück!» und «Weniger Hass und mehr Gespräche!»

Demonstrieren für Dialog…

Demonstranten in Barcelona:

“Ich glaube und ich habe noch Hoffnung, Hoffnung auf einen Dialog, ich hoffe, dass sie sich zusammensetzen, Hoffnung für die katalanische und spanische Gesellschaft, letztlich Hoffnung auf den Menschen. Und weil ich noch Hoffnung habe, bin ich hier.”

“Ich bin für die Unabhängigkeit, aber vor allem bin Demokrat. Ich habe kapiert, dass diese Menschenmenge hier nötig war und ist, und was getan werden sollte, und ich bin überzeugt, dass es offensichtlich viele gibt, die den Dialog wollen so wie ich.”

Die Idee zu den Weißen Märschen kursierte in den sozialen Netzwerken. Auch ein paar Politiker waren zu sehen wie die Bürgermeisterin von Barcelona, ​​Ada Colau.


Francisco Fuentes, Euronews:

“Ein Wochenende mit vielen Menschen auf der Straße, auch in Katalonien, und dann das pro-spanische Einheits-Defilée am Sonntag. Es hat die Unterstützung der konservativen politischen Parteien.”

…oder gegen eine Trennung

In Madrid war wenige Hundert Meter vom Rathaus entfernt eine zweite, noch größere Demonstration zu sehen. Die Menschen protestierten hier gegen die Trennungspläne der wirtschaftsstarken Region und für die Einhaltung der Verfassung. Die Regierung bezifferte die Teilnehmerzahl auf 50 000.

Die zentrale Plaza Colón hatte sich in ein Meer aus spanischen Nationalflaggen verwandelt. “Viva España“ und “Mit Putschisten führt man keinen Dialog”, skandierten die Leute. “Katalonien darf sich nicht abspalten, wir sind für die Einheit Spaniens”, sagte eine Demonstrantin (“dpa”).

Bei der vom spanischen Verfassungsgericht verbotenen Abstimmung am 1. Oktober hatten 90 Prozent für die Unabhängigkeit der Autonomen Region gestimmt, die Wahlbeteiligung erreichte aber nur 43 Prozent.


Regierung in Madrid will keinen Dialog

Rajoy lehnt seit der Volksbefragung jeden Dialog mit Barcelona ab. Außenminister Alfonso Dastis sagte nach Medienberichten («Der Spiegel»), die Regierung weise die Forderung aus Barcelona zurück, den Konflikt mit Hilfe internationaler Vermittler zu lösen. «Die spanische Regierung muss den Rechtsstaat gegen eine Regionalregierung verteidigen, die einen Staatsstreich durchziehen will», sagte er. Deshalb halte er die Forderung nach internationaler Vermittlung für «nicht hilfreich». Madrid habe «genügend legale Möglichkeiten», um auf die Herausforderung einer
Unabhängigkeitserklärung Puigdemonts zu antworten. 

Eine für Montag geplante Parlamentssitzung, bei der die Erklärung der Unabhängigkeit erwartet worden war, wurde vom spanischen Verfassungsgericht am Donnerstag verboten. Die Sprecherin der linken Parlamentspartei CUP, Nuria Gibert, sagte am Freitagabend (“dpa”), die Sitzung werde nicht stattfinden. Puigdemont will nun Medienberichten zufolge am Dienstag vor dem Parlament in Barcelona Stellung zur “aktuellen politischen Lage” beziehen. Ob er dabei die Unabhängigkeit ausrufen oder lediglich das weitere Vorgehen seiner Regierung vorstellen will, blieb offen.

Wirtschaftsstarke Region schon geschwächt

Inzwischen wächst die Sorge, dass Katalonien wegen der Krise massive wirtschaftliche Einbrüche erleiden könnte. Nach der spanischen “Banco Sabadell” hatte auch die Großbank “La Caixa” entschieden,
ihren Hauptsitz aus Katalonien wegzuverlegen. Das Geldinstitut – der größte Geldgeber der Region – will nach Valencia umziehen. Auch der Energieriese Gas Natural Fenosa kündigte an, seinen Sitz von Barcelona nach Madrid zu verlegen.
Zuvor hatte die Regierung entschieden, Unternehmen und Banken einen Abzug aus der Konfliktregion zu erleichtern. Sie verabschiedete ein Dekret, wonach eine entsprechende Entscheidung des Aufsichtsrats ausreicht. Eine Gesellschafterversammlung muss nicht mehr einberufen werden.


Der Abgeordnete der katalanischen Linksrepublikaner (ERC), Joan Tardà, warf Madrid «Wirtschaftsterror» gegen die Region vor. Wenn Katalonien nun eine Sonderbehandlung erfahre, zeige das, dass Madrid eigentlich schon von der Unabhängigkeit ausgehe. Es gebe weiter keine Alternative zu Verhandlungen.

su mit dpa