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Nicaragua: Jahrestag der Revolution von Protesten überschattet

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Nicaragua: Jahrestag der Revolution von Protesten überschattet

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Der Jahrestag der Revolution wird in Nicaragua normalerweise groß gefeiert. In diesem Jahr wird der der Tag von blutigen Protesten im Land überschattet.

Ortega: Katholische Kirche ist Teil eines Staatsstreiches gegen Regierung

Seit Ende April wurden mehr als 350 Menschen getötet, und nicht wenige werfen Präsident Ortega, der maßgeblich am Sturz der Somoza-Diktatur beteiligt war, vor, selbst zu einem Diktator geworden zu sein.

In seiner Ansprache warf Ortega der katholischen Kirche vor, Teil eines Putschplans gegen seine Regierung zu sein. Deswegen sei ihr eine Vermittlerrolle zwischen Demonstranten und Regierung abzusprechen. Die Rede des Präsidenten wurde auf Anweisung der Regierung auf allen TV- und Radiosendern des mittelamerikanischen Landes übertragen.

Nicaragua: Entwicklung zu einem autoritären Staat

Daniel Ortega hatte sich als Jugendlicher den linken Sandinisten angeschlossen und am Kampf gegen Diktator Anastasio Somoza beteiligt. Nach dessen Sturz war Ortega Mitglied der Regierungsjunta geworden. 1984 wurde er erstmals zum Präsidenten gewählt.

Seit seiner Wiederwahl 2004 hat sich viel geändert: Das Land hat er zu einem autoritären Staat gemacht. Familienmitglieder des einstigen Guerilleros sitzen auf Schlüsselposten, öffentliche Gelder sollen in die Taschen der Familie Ortega geflossen sein, zudem fährt das zweitärmste Land der westlichen Hemisphäre einen neoliberalen Wirtschaftskurs. Der geplante Bau des "Nicaragua-Kanals" sorgte für Verstimmungen bei Bauern im Süden des Landes. Die Wasserstraße soll den Atlantik mit dem Pazifik verbinden, ein gigantisches Projekt, hinter dem einer von Ortegas Söhnen und die chinesische Firma HKND steckt.

Parallelen zur Somoza-Diktatur

Viele vergleichen die derzeitge Situation mit der Zeit der Diktatur Ende der 70er Jahre, als Gewalt und Blutvergießen in Nicaragua an der Tagesordnung waren.

Die Proteste, die im April wegen geplanter Rentenkürzungen begannen, sind ausgeufert. Die zivile Opposition fordert, dass Präsident Ortega die Macht, die er in den Händen seiner Familie konzentriert hat, abgibt. Viele befürchten, dass die Gewalt kein Ende nimmt.