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Wahlen in Bosnien-Herzegowina: Ein Land in den Händen nationalistischer Parteien

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Von Euronews  mit dpa
Menschen in Bosnien-Herzegowina geben ihre Stimme ab
Menschen in Bosnien-Herzegowina geben ihre Stimme ab   -   Copyright  Darko Vojinovic/AP Photo   -  

In Bosnien-Herzegowina finden an diesem Sonntag umfassende Wahlen statt. Rund drei Millionen Bürger*innen sind aufgerufen, die dreiköpfige Staatsspitze und die zwei Kammern des zentralen Parlaments zu wählen. Die Staatsspitze ist kroatisch, bosniakisch muslimisch und serbisch besetzt.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung sind muslimische Bosnier, ein Drittel orthodoxe Serben und rund 15 Prozent katholische Kroaten. Das Balkanland leidet darunter, dass nationalistische Parteien den Konflikt zwischen den Volksgruppen weiter anheizen.

Nationalistsche Lager als größte Fraktionen

Der serbische Landesteil, die Republika Srpska, strebt gegenwärtig die Abspaltung von Bosnien an. Die serbischen Nationalisten genießen die Unterstützung Russlands, Serbiens und des EU-Landes Ungarn.

Auch die kroatischen Nationalisten arbeiten an der Schwächung des bosnischen Gesamtstaats. Sie werden von Kroatien sowie einigen westlichen Diplomaten unterstützt.

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Denis Becirovic (SDP), der für den bosniakischen Sitz im gemeinsamen Präsidium kandidiert, gibt seine Stimme abUncredited/AP Photo

Exodus junger Ausgebildeter

Ein großes Problem in dem Land ist die hohe Abwanderung gut ausgebildeter junger Menschen. Im vergangenen Jahr haben rund 170.000 Menschen dem Land den Rücken gekehrt.

Mirhunisa Sukic leitet eine Organisation, die bosnischen Kriegsflüchtlingen bei der Rückkehr in ihre Heimatdörfer hilft. Sie erklärt, wie schwierig ihre Arbeit ist: "Viele verlieren die Geduld. Vor allem die junge Generation. Sie wandern dann aus."

Mit Spannung wird erwartet, ob nicht-nationalistische Parteien zulegen können. Denn in der Regierung und in den Parlamenten sind die Nationalisten die stärkste Kraft. Bürgerliche Parteien haben nur lokal eine Chance, wie etwa in der Hauptstadt Sarajewo.

Bosnien war von 1992 bis 1995 Schauplatz eines von Serbien gestarteten blutigen Kriegs. Rund 100.000 Menschen wurden getötet, an die zwei Millionen vertrieben.