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Nach 3 Jahren Pause: Cholera in Haiti erneut auf dem Vormarsch

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Von Euronews  mit dpa, AP
Haiti: Menschen werden in einem medizinischen Zentrum gegen Cholera behandelt
Haiti: Menschen werden in einem medizinischen Zentrum gegen Cholera behandelt   -   Copyright  Odelyn Joseph/Copyright 2021 The AP. All rights reserved   -  

Im Karibik-Staat Haiti sind nach dreijähriger Pause erneut mehrere Fälle der Cholera aufgetreten - und die Angst vor einer Epidemie steigt. 

Seit der Ermordung des Staatspräsidenten Jovenel Moïse 2021 hat sich die Sicherheitslage in und um die Hauptstadt Port-au-Prince verschärft, Milizengruppen kontrollieren strategisch wichtige Einrichtungen, wie Häfen, und die Treibstoffversorgung.

Stéphane Dujarric, Sprecher des UN-Chefs António Guterres, erklärte, dass die UN und humanitäre Partner das verarmte Land bei der Bekämpfung der Cholera unterstützten:

"Trotz des schwierigen Zugangs und der logistischen Herausforderungen unterstützen wir und unsere humanitären Partner das Gesundheitsministerium bei der Bekämpfung der Cholera. Mehr als 43 Gesundheitseinrichtungen in Port-au-Prince und im Zentrum des Landes werden für die Behandlung von Cholera-Patienten genutzt... Wir appellieren dringend an die internationale Gemeinschaft, Mittel bereitzustellen, um den Ausbruch der Cholera sowie andere dringende humanitäre Bedürfnisse in Haiti zu decken."

Zahl der Cholera-Ausbrüche steigt weltweit

Nicht nur in Haiti ist von der Infektionskrankheit betroffen. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres sind nach Angaben der WHO aus 27 Ländern Cholera-Fälle gemeldet worden. Besorgniserregend sei vor allem, dass die Zahl der Menschen, die an der Bakterieninfektion sterben, stark gestiegen sei. Die Todesrate sei in diesem Jahr fast dreimal so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre, sagte Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Mittwoch in Genf.

Die Ansteckung mit Cholera erfolgt meist durch verseuchtes Trinkwasser. Die Infektion führt zu einer Durchfallerkrankung, die zu schwerem Flüssigkeitsverlust führt. Wenn die Patienten genug trinken, haben sie gute Überlebenschancen, ohne medizinische Versorgung können sie innerhalb weniger Stunden sterben. Es existiert auch ein Impfstoff gegen Cholera, allerdings reichen die zur Verfügung stehenden Impfstoffe nicht aus. Die WHO appellierte an Impfstoffhersteller weltweit, die Impfstoffproduktion anzukurbeln.

Haitis Regierung bittet um internationale Hilfe

Die Regierung Haitis hatte zuletzt internationale Streitkräfte angefordert, um die Bandenkriminalität im Land einzudämmen. Das Ersuchen erfolgte fast einen Monat, nachdem eine der mächtigsten haitianischen Banden ein wichtiges Tanklager in der Hauptstadt Port-au-Prince umstellt und die Verteilung von rund 10 Millionen Litern Diesel und Benzin sowie mehr als 800.000 Litern Kerosin, die vor Ort gelagert werden, verhindert hat.

Allerdings lehnen viele Menschen in Haiti eine erneute internationale Intervention ab. Straßensperren behinderten den Verkehr in der Hauptstadt, Demonstrant:innen protestierenten gegen eine "ausländische Besatzung" forderten den Rücktritt des Regierungschefs. Vor rund zehn Jahren war eine UN-Mission zeitlich mit dem schwersten Cholera-Ausbruch des Landes mit fast 10.000 Toten zusammengefallen. Zudem wurden UN-Friedenstruppen sexueller Übergriffe im Land beschuldigt.