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UN Schuld an Cholera-Ausbruch? Haiti fordert Gerechtigkeit

Mario Joseph, Anwalt für die Cholera-Opfer auf Haiti leitet einen Demonstrationszug zum einstigen UN-Lager in Mirebalais, 19.10.2020
Mario Joseph, Anwalt für die Cholera-Opfer auf Haiti leitet einen Demonstrationszug zum einstigen UN-Lager in Mirebalais, 19.10.2020   -   Copyright  AP Photo/Dieu Nalio Chery
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10 Jahre ist es her, dass die Karibik-Insel Haiti von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Doch nicht nur das. Im gleichen Jahr gab es auch einen der schlimmsten Cholera-Ausbrüche auf Haiti - eine Folge von Abwässern, die Friedenstruppen der Vereinten Nationen im Fluss Artibonite hinterlassen hatten. Es wird geschätzt, dass inzwischen rund 10.000 Menschen an den Folgen der Cholera gestorben sind.

Familienangehörige und Überlebende folgten einem Demonstrationszug über zwei Stunden am Fluss entlang, bis zu der Stelle, wo vor zehn Jahren das Lager der UN-Stabilisierungsmission befand. Dort, wo die Menschen immer noch ihre Kleidung waschen und ihr Trinkwasser holen.

Zum Gedenken an die Opfer des Cholera-Ausbruchs fand auch eine katholische Messe statt. Die Epidemie hat das Land zerrüttet und "die Kinder der Region getroffen, die noch nicht die nötige Gerechtigkeit gefunden haben", sagte Pater Romel Eustache, Priester der Gemeinde.

Als wahrscheinlicher Ursprung der Cholera-Epidemie in Haiti gilt das UN-Lager nepalesischer Truppen am Artibonit-Fluss in der Stadt Mirebalais. Damals wütete die Infektionskrankheit in Nepal, sie wurde möglicherweise eingeschleppt und hat sich über ungereinigtes Abwasser im Fluss verbreitet. Das bestätigte auch eine Studie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) von 2011.

Jahrelang hatte die UN den Behauptungen widersprochen, sie sei für den Ausbruch verantwortlich - oder schwieg. Doch Forscher gehen davon aus, dass die Epidemie unbeabsichtigt von UN-Friedenstruppen aus Nepal ausgelöst wurde.

Im Jahr 2016 entschuldigte sich der damalige Generalsekretär Ban Ki-moon für das Versagen der UN, die Ausbreitung einzudämmen. Er räumte zudem ein, dass die UN-Friedenstruppen eine bedeutende Rolle bei der Ausbreitung der Krankheit spielten, die 10.000 Menschen in Haiti tötete.

Opfervertreter der Haitianer haben bislang erfolglos versucht, die Vereinten Nationen für ihren Anteil an der Entstehung der Epidemie zu verklagen. Die Organisation hingegen machte ihren Anspruch auf "diplomatische Immunität" geltend.