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Welche Folgen hat die Dürre-Krise für den Urlaub in Italien?

Der trockene Tiber legt in Rom Ruinen der Brücke von Nero frei - Flusspegel in viele Flüssen in Norditalien sind extrem niedrig.
Der trockene Tiber legt in Rom Ruinen der Brücke von Nero frei - Flusspegel in viele Flüssen in Norditalien sind extrem niedrig.   -   Copyright  Alessandra Tarantino/AP
Von Euronews

Die italienische Regierung hat am Montag angesichts der Dürre in weiten Teilen des regenarmen Nordens den Notstand ausgerufen. 

Mit dem Schritt wurden 36,5 Millionen Euro für die stark landwirtschaftlich geprägten Regionen freigegeben. Die Hilfe wurde auf einer Kabinettssitzung am späten Abend beschlossen.

"Der Ausnahmezustand zielt darauf ab, die aktuelle Situation mit außerordentlichen Mitteln und Befugnissen zu bewältigen, der betroffenen Bevölkerung zu helfen und die Funktionsfähigkeit der öffentlichen Dienste und der Infrastrukturen strategischer Netze wiederherzustellen", hieß es in der Mitteilung des Ministerrats.

Der Po, dessen Wasser zur Bewässerung von Reisfeldern, Ackerflächen und Weideflächen für Kühe beiträgt, ist auf dem niedrigsten Stand seit etwa 70 Jahren. An der Meermündung war der Pegel sogar so niedrig, dass Salzwasser kilometerweit in das Flussbett floss.

Für fünf Regionen wurden Notstandsdekrete beschlossen: Emilia Romagna, Friaul Julisch Venetien, Lombardei, Piemont und Venetien, was auf die Dürre in den Becken des Po und der Ostalpen zurückzuführen ist.

In diesen Regionen liegen die bei Urlauber:innen beliebten Orte wie der Gardasee, die Adriaküste und auch der Touristenmagnet Venedig.

Die Dürre hat auch in Süd- und Mittelitalien Einzug gehalten. Wegen der anhaltenden Wasserknappheit könnte der Notstand bald auch in der Toskana, Umbrien und Latium beantragt werden.

Auf dem Tiber in Rom kann man an der Oberfläche Pflanzen sehen, die auf dem Flussbett wachsen. In den flachen Gewässern schwimmt zudem allerlei Abfall.

"Aus meiner 40-jährigen Erfahrung auf dem Tiber kann ich sagen, dass es eine solche Situation noch nie gegeben hat", sagte Bootsführer Giulio Bendandi gegenüber AP.

Nach Angaben des staatlichen Forschungsinstituts CNR sind Italien in diesem Jahr nur die Hälfte der durchschnittlichen Niederschlagsmenge der letzten 30 Jahre gefallen.

Heuschrecken, Lebensmittelpreise und staubige Autos

Generell sind die Menschen in ganz Italien - darunter natürlich auch Tourist:innen - dazu angehalten, Wasser zu sparen wo es geht. Abgestellt wird das Leitungswasser aber nirgendwo.

Einige Städte und Gemeinden im Norden, darunter Verona und Pisa, haben den Wasserverbrauch ihrer Bürger eingeschränkt.

In Verona darf Trinkwasser bis zum 31. August tagsüber nur zum Kochen, zum Trinken, für die Körperhygiene (Duschen, Toilettenspülung, Zähneputzen etc.) und zum Putzen verwendet werden. Zwischen 6 Uhr morgens und 21 Uhr dürfen Gärten nicht bewässert, Autos nicht gewaschen und Schwimmbäder nicht aufgefüllt werden.

Auch in Pisa, in der bei Touristen beliebten Region Toskana, darf ab dem 11. Juli Trinkwasser nur noch im Haushalt benutzt werden. Nicht dringende Tätigkeiten, die viel Wasser verbrauchen, wie etwa Autowaschen, sollte generell vermieden werden.

Wer die Anordnungen nicht befolgt, dem droht eine Geldstrafe.

Weil das Wasser außerhalb der Stoßzeiten aber auch für andere Zwecke genutzt werden darf, ist mit leeren Pools vorerst wohl nicht zu rechnen. 

In einigen Städten, wie etwa Mailand und Venedig, sind die Zierbrunnen in der Stadt trocken. Bisher ist das in Rom zwar nicht der Fall, wenn sich die Dürre aber weiter verschärft, könnte auch im berühmten Trevi-Brunnen das Wasser abgestellt werden.

Große Seen in Italien, wie etwa der Gardasee, führen deutlich weniger Wasser als normalerweise zu dieser Jahreszeit.

Auf Sardinien hat die Dürre die Heuschreckenplage ausgelöst. Dort kämpfen Landwirtschaftsbetriebe mit Dürre und Zerstörung durch die Insekten.

Die extreme Hitze, die mancherorts über 40 Grad liegen, haben zudem Obst und Gemüse, darunter Wassermelonen, Aprikosen, Kirschen und Birnen, auf den Feldern regelrecht verbrannt. Der italienische Bauernverband Coldiretti schätze die Verluste Ernteverluste Ende Juni auf mindestens 15 Prozent.

Verluste sowie die steigende Inflation hätte zu einem Preisanstieg zwischen 10 und fast 12 Prozent für Obst und Gemüse geführt.