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Studie findet Zusammenhang zwischen Alter von Eltern und bipolaren Störung bei Kindern

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Von Euronews, AP
Auch besonders junge Eltern sind von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit betroffen
Auch besonders junge Eltern sind von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit betroffen   -   Copyright  MANDI WRIGHT/AP2006   -  

Wenn man in sehr jungem oder sehr altem Alter ein Kind bekommt, kann dies das Risiko erhöhen, dass die eigenen Kinder an einer bipolaren Störung erkranken, wie neue Forschungsergebnisse zeigen.

Die Erkrankung, die durch dramatische Schwankungen der Stimmung, Energie und Aktivitätsniveaus gekennzeichnet ist, beeinträchtigt die Fähigkeit einer Person, alltägliche Aufgaben zu bewältigen.

Es wird davon ausgegangen, dass die Erkrankung in hohem Maße erblich ist. Die neuesten Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift European Neuropsychopharmacology veröffentlicht wurden, ebnen den Weg für die künftige Erforschung der Faktoren, die mit der Entwicklung der Erkrankung in Zusammenhang stehen.

Ein Forscherteam aus Spanien, Italien, Australien und den Niederlanden untersuchte Studien mit insgesamt mehr als 13 Millionen Teilnehmern, von denen über 217 000 an einer bipolaren Störung litten, um festzustellen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Alter der Eltern und dem Risiko einer bipolaren Störung bei Kindern gibt.

Das Ergebnis war eine "U-förmige" Kurve, die ein erhöhtes Risiko für jüngere und ältere Eltern im Vergleich zu Eltern im Alter zwischen 25 und 29 Jahren zeigte.

Studienleiterin Giovanna Fico kommentierte gegenüber Euronews Next:

Wir können sagen, dass sowohl ein früheres als auch ein höheres Alter der Eltern mit einem erhöhten Risiko für eine bipolare Störung verbunden ist

Aber obwohl es ein erhöhtes Risiko gibt, sollten potenzielle Eltern, die in diese Alterskategorien fallen, nicht beunruhigt sein, fügte sie hinzu.

"Ich glaube nicht, dass sie sehr besorgt sein sollten. Der Effekt ist moderat. Aber es gibt einen Effekt".

Sowohl Teenager als auch ältere Eltern mit erhöhtem Risiko verbunden

Bei älteren Männern war das Risiko, ein Kind mit einer bipolaren Störung zu haben, höher als bei anderen Gruppen. Bei Männern ab 45 Jahren war die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit einer bipolaren Störung zu haben, um 29 Prozent höher als bei Männern zwischen 25 und 29 Jahren.

Dieses erhöhte Risiko war auch bei älteren Frauen zu beobachten, wobei die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit einer bipolaren Störung zu bekommen, bei Frauen ab 35 Jahren um 20 Prozent höher war als bei Frauen zwischen 25 und 29 Jahren.

Am anderen Ende des Spektrums fanden die Forscher auch heraus, dass Kinder von jungen Eltern (20 Jahre alt und jünger) ebenfalls ein erhöhtes Risiko für eine bipolare Störung hatten - 23 Prozent mehr für Frauen und 29 Prozent für Männer.

Genetik oder Umwelt könnten eine Rolle spielen

Die Gründe für dieses erhöhte Risiko sind noch weitgehend unbekannt, sagt das Forschungsteam.

Fico vermutet, dass das erhöhte Risiko bei älteren Eltern auf genetische Faktoren zurückzuführen sein könnte.

"Wir haben die Hypothese, dass das Risiko im fortgeschrittenen Alter der Eltern mit einer genetischen Veränderung der Keimbahn zusammenhängt - also der Zellen, die wir zur Fortpflanzung nutzen, wie Spermien oder Eizellen", sagt sie.

"Mit zunehmendem Alter werden diese Zellen älter, genetische Mutationen treten häufiger auf, und sie häufen sich", fügte sie hinzu.

"Das Risiko, genetische Defekte zu haben, ist also höher. Und wir wissen auch, dass die bipolare Störung eine starke genetische Grundlage hat".

Die Ergebnisse in Bezug auf jüngere Eltern waren besonders überraschend, fügte Fico hinzu.

Als sie die Ergebnisse sah, war ihr erster Gedanke, dass diese Menschen vielleicht tatsächlich eine nicht diagnostizierte bipolare Störung hatten.

"Die ersten Gedanken, die ich hatte, waren: Vielleicht handelt es sich bei diesen Menschen im Alter von 20 Jahren - oder weniger als 20 Jahren - um nicht diagnostizierte Patienten mit bipolarer Störung, denn das Alter für den Beginn einer bipolaren Störung liegt normalerweise bei 25 Jahren", sagte sie.

Sie vermutet, dass bei diesen jüngeren Eltern Umweltfaktoren wie sozioökonomische Probleme, mangelnde Unterstützung, Stress oder immunologische Faktoren eine Rolle spielen könnten.

"Wir wissen es noch nicht, aber es könnte möglich sein".

Studie wirft Fragen der frühzeitigen Prävention und Intervention auf

Die bipolare Störung, bei der die Betroffenen zwischen Hochstimmung und extremer Depression schwanken können, ist eine der häufigsten schweren psychischen Erkrankungen und birgt ein hohes Risiko für Selbstmord und vorzeitigen Tod.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation litten im Jahr 2019 40 Millionen Menschen an einer bipolaren Störung.

Wenn ein Elternteil an einer bipolaren Störung leidet, besteht eine 15- bis 30-prozentige Chance, dass diese an die Kinder weitergegeben wird, so die Autoren der Studie.

Fico, Psychiaterin in der Abteilung für bipolare und depressive Störungen am Hospital Clinic de Barcelona, sagt, ihr Interesse an dem Thema sei zunächst von Kollegen und Patienten geweckt worden.

Weiters fragten schwangere Patientinnen des Krankenhauses nach dem erhöhten Risiko, die Störung an ihr Kind weiterzugeben, sagte sie.

"Wir dachten uns, dass es wichtig ist, diese Erkenntnisse zu überprüfen, denn wir wissen nicht, was wir den schwangeren Frauen sagen sollen, wenn sie fragen, wie hoch das Risiko ist, dass mein Baby diese Störung hat".

"Die Studie wirft mehrere spannende Forschungsfragen auf, darunter die Möglichkeit einer frühzeitigen Prävention und Intervention", kommentierte Professor Maj Vinberg von der Universität Kopenhagen, der nicht an der Studie beteiligt war.

"Im klinischen Alltag ist es beispielsweise wichtig, sich bewusst zu machen, dass junge Menschen mit bipolarer Störung in ihren manischen Phasen ein riskanteres Sexualverhalten an den Tag legen, was mit einem erhöhten Schwangerschaftsrisiko verbunden sein kann.