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Depressionen, Angst und Einsamkeit: Lockdowns machen Kinder psychisch krank (Studie)

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Von Alexandra Leistner
Im Durchschnitt waren Kinder in der Coronakrise weltweit sechs Monate lang Zuhause.
Im Durchschnitt waren Kinder in der Coronakrise weltweit sechs Monate lang Zuhause.   -   Copyright  freepic.diller
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Die Menschenrechtsorganisation Save The Childran hat alarmierende Studienergebnisse zur Auswirkung der weltweiten Lockdowns auf die psychische Gesundheit von Kindern veröffentlicht.

In einer von der Organisation im September 2020 durchgeführten Umfrage, an der mehr als 13.000 Kinder zwischen 11 und 17 Jahren aus 46 unterschiedlichen Ländern teilnahmen, ging hervor, dass Fälle von Depressionen, Angstzuständen, Einsamkeit und sogar Selbstverletzung deutlich zugenommen hätten.

Auch mehr als 30.000 Eltern und Sorgeberechtigte wurden befragt. Save the Children spricht von der umfangreichsten Studie unter Kindern und Familien in der COVID-19-Krise.

83 Prozent der Kinder sagten den Angaben zufolge dass sie mehr negativen Gefühlen aufgrund der Pandemie haben. Je länger die Schulen geschossen waren, desto stärker waren die Gefühle.

"Seitdem hat sich die Situation für viele Kinder verschlechtert, da die Länder mit der dritten oder vierten Welle des Virus zu kämpfen haben, die Lockdowns fortgesetzt wurden und die Schulen in einigen Ländern seit über 18 Monaten geschlossen sind", warnt Save The Children in ihrem Bericht.

6 Monate eingesperrt

Mit Berufung auf Daten des Oxford COVID-19 Government Response Tracker fand Save The Children heraus, dass Kinder weltweit seit Beginn der COVID-19-Pandemie Anfang 2020 durchschnittlich sechs Monate oder 184 Tage im Lockdown lebten.

"Am längsten mussten Kinder in Venezuela zu Hause bleiben, wo sie zeitweise bis zu 16 Monate lang eingesperrt waren. Im Libanon waren die Kinder 418 Tage lang in ihren Häusern eingesperrt. In Simbabwe waren die Kinder allein in diesem Jahr fast neun Monate lang eingeschlossen."

Die langen Lockdowns hätten bei den Kindern ein erhöhtes Risiko für emotionale Probleme, Einsamkeit und Missbrauch sowie einen Mangel an Spielmöglichkeiten im Freien und Zugang zu psychosozialer Unterstützung verursacht. "In einigen Fällen können anhaltender Stress, Unsicherheit und soziale Isolation auch zu Angstzuständen, Aggression, zurückgezogenem Verhalten oder sogar Depressionen und Selbstverletzungen führen", ist in dem Bericht zu lesen.

Eine "globale Krise" - und kaum Hilfe

Geholfen wurde offenbar nur wenigen Kindern: In den Industrieländern blieben bis zu 50 Prozent der psychischen Erkrankungen unbehandelt, in den Entwicklungsländern seien es sogar zwischen 76 Prozent und 85 Prozent.

Marie Dahl, Leiterin des Referats für psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung von Save the Children sprach von einer "globalen Krise der psychischen Gesundheit", die vor allem für Kinder aus armen Verhältnissen schwere Folgen haben könne.

"Ich erhalte in der Regel Anrufe von Kindern, die sich darüber beschweren, wie sehr die Pandemie sie und ihre Ausbildung beeinträchtigt hat. Es ist eindeutig stressig für die Kinder, zu Hause zu bleiben und nichts zu tun. Das hat auch zu immer mehr Wutproblemen bei den Kindern geführt", sagte Isha, eine Beraterin bei Save the Children.

Am Sonntag, 10. Oktober, ist der Welttag für psychische/seelische Gesundheit.