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32 Stunden an Bord des "Doğu Express": Party, Sightseeing und Freudentänze

Ziemlich gute Stimmung im Abteil: Der Dogu Ekspresi bietet wunderschöne Landschaften und die Möglichkeit, mit Freunden zu feiern.
Ziemlich gute Stimmung im Abteil: Der Dogu Ekspresi bietet wunderschöne Landschaften und die Möglichkeit, mit Freunden zu feiern.   -   Copyright  AFP   -  
Von Anja Bencze  mit AFP

Wer den "Doğu Express" nimmt einmal quer durch Anatolien und seine schneebedeckten Hochebenen entlang des Euphrat, muss sich Zeit nehmen. Viel Zeit. Rund 32 Stunden dauert die Fahrt, 1.300 Kilometer, von Ankara bis nach Kars, der antiken Stadt nahe der zerklüfteten türkischen Grenze zu Armenien und Georgien.

Aber langweilig wird denen, die sich wissentlich auf diese Reise begeben nicht. Im Gegenteil, viele machen die Fahrt mit Freunden oder Familie, haben Musik dabei und schmücken ihre Abteile Leuchtketten und Girlanden. Schnurstracks verwandelt sich der "Doğu Express" zur Partymeile.

"Es ist eine nostalgische Reise, bei der wir mit Freunden das wiederholen, was wir als Kinder mit unseren Eltern und Großeltern erlebten," erlärt ein überglücklicher Zugreisender.

Die 26-jährige Zulan-Nour Komurcu feiert ihren 26. Geburtstag an Bord mit der Familie. "Das ist mein Geschenk", sagt sie lächelelnd. Ihre Kabine ist in lila Licht gehüllt. Auf dem winzigen Klapptisch stehen Kekse und Porzellankanne auf einer bestickten Tischdecke.

Ozan KOSE / AFP
Lila Beleuchtung und Porzellankanne: Passagiere an Bord des des "Doğu Express" machen es sich gemütlich.Ozan KOSE / AFP

Eine Art Miniaturausgabe der Transsibirischen Eisenbahn

Die Fahrt mit dem "Doğu Express" gilt als eine der begehrtesten und aufregendsten Zugreisen in der Türkei - mit Schlaf- und Speisewagen, sowie mehren Stopps (Kayseri, Sivas, Erzincan und Erzurum) in den schönsten Gegenden im Osten des Landes.

Eine Art Miniaturausgabe der russischen Transsibirischen Eisenbahn, die Tickets sind nicht billig, aber im Handumdrehen ausverkauft. Ein anderer, schnellerer und weniger festlicher Zug fährt die gleiche Strecke in etwa 20 Stunden, aber ohne die landschaftlich reizvollen Stationen.

Die historische Nachtzugverbindung existiert seit 1936, wurde aber viele Jahre eingestellt. Erst 2019 nahm der "Doğu Express" wieder den Betrieb auf, musste allerdings wegen Corona-Krise ein Jahr aussetzen.

Nun verkehrt er wieder, vom 30. Dezember bis zum 31. März zweimal pro Woche, um die verschneiten Landschaften optimal zu nutzen.

An Bord: Ein breites Spektrum an Reisenden, Menschen aller Altersgruppen und Stile, die doch eines zusammenschweißt: die Begeisterung für diesen Zug. Und die es sich nicht nehmen lassen: beim Halt in Erzurum, einer der letzten Station vor Kars, auf fast 2000 Metern Höhe und bei Minus 10 Grad einen kleinen Freudentanz auf dem Bahnsteig zu improvisieren. Der Schaffner drückt ein Auge zu - und winkt zum Abschied mit seiner Taschenlampe im Rhythmus.