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Sternekoch Gordon Ramsay: "Es ist die Leidenschaft, die zählt"

Sternekoch Gordon Ramsay: "Es ist die Leidenschaft, die zählt"
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Er gehört zu den reichsten Köchen der Welt, er ist ein Fernsehstar, ehemaliger Fußballspieler und Familienvater: euronews hat mit dem britischen Sternekoch Gordon Ramsay in Dubai ein Interview geführt. Die Gordon Ramsay Group beschäftigt mehr als 700 Mitarbeiter in 15 Restaurants in London. Insgesamt gibt es 35 Restaurants rund um den Globus in Europa, dem Mittleren Osten, Asien und den Vereinigten Staaten mit derzeit 7 Michelin-Sternen (über die Jahre hinweg wurde der Brite mit 16 Michelinsternen ausgezeichnet). Der in Schottland geborene und in Großbritannien aufgewachsene Ramsay ist seit 1996 verheiratet und hat fünf Kinder.

Jane Witherspoon:"Gordon, wir treffen uns hier in Hell's Kitchen, Caesar's Palace, Dubai, hätten Sie jemals gedacht, so weit zu kommen?"

Gordon Ramsay, britischer Koch und Gastronom:"Nein, das ist ziemlich umglaublich. Ich habe mich vor 18 Jahren in Dubai verliebt, als wir vor Jahren ein Restaurant im Dubai Hilton Creek eröffneten (das Verre), schauen Sie sich an, wie sich Dubai seitdem verändert hat, unglaublich. Für mich ist Dubai eine Foodie-Stadt, ein hart umkämpfter, großer Markt, viele Europäer kommen jetzt nach Dubai, mehr als jemals zuvor, garantiert gutes Wetter, garantiert gutes Essen und ein fantastischer Strand."

Euronews:"Ist es schwierig, ein Restaurant in einem gesättigten Markt zu eröffnen, es gibt so viele hier?"

Gordon Ramsay:"Es ist sehr schwierig, der Wettbewerb ist hart und die Trends ändern sich täglich. Man muss der Angesagteste sein, das schönste Restaurant haben, manchmal das Billigste und das ist nicht möglich, wenn man ein Restaurant leitet, sagen wir mal so, es wird nicht einfacher."

Euronews: _"Gibt es Pläne, Hell's Kitchen hier aufzuziehen, wie in Las Vegas?"
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Gordon Ramsay: "Ich glaube, jedes zweite Wort von mir würde hier nicht durchgehen. Leider ist es eine Branche, in der einem Schimpfwörter rausrutschen, wenn alles schiefläuft. Ich bin sehr direkt, ich kann nicht anders. Wir nehmen gerade die Staffeln 19 und 20 auf. Wir drehen das im Caesar's Palace in Las Vegas."

Euronews:"Wie unterscheidet es sich von Europa oder dem amerikanischen Markt, hier Geschäfte zu machen?"

Gordon Ramsay:
"Es geht nicht nur ums Essen, es geht um die Atmosphäre, das Ambiente, die Bar, die Getränke, den Service, die Etikette. Es ist ein attraktiver Markt, aber man muss sehr vorsichtig sein, ähnlich wie in LA, alles dreht sich um Trends und es gibt diese 18-Monats-Testphase, wenn man sich nach 18 Monaten, 2 Jahren, immer noch behaupten kann, dann bleibt man lange."

Euronews:"Wo steht Dubai Ihrer Meinung nach in der globalen Spitzengastronomie?"

Gordon Ramsay:"Man muss sich nur die aktuelle Zahl der Spitzenköche hier ansehen. Manchmal sitzt man irgendwo und denkt, man ist mitten auf der Champs Elysée in Paris, oder zwischen Mayfair und Chelsea in London und dann das Wetter, man kann bis 21, 22 , 23 Uhr abends draußen sitzen und gutes Essen genießen, ohne dass es Bindfäden regnet."

Euronews:"16 Michelinsterne: Sind Sie erfolgshungrig, einfach nur clever oder hat der Ruhm auch einen bitteren Beigeschmack, alle erwarten etwas von einem?"

Gordon Ramsay: _"Im vergangenen Jahr ist leider Joël Robuchon gestorben, er hatte mehr als 30 Michelinsterne. Der Mann war außergewöhnlich, ich habe ein Jahr lang mit ihm gearbeitet. Alain Ducasse ist derzeit mit 21 Sternen vertreten. Hat Cristiano Ronaldo genug Champions League Fußball gespielt? Es ist die Leidenschaft, die zählt. Es geht also nicht nur um mich. Hinter mir steht ein Team, ob es Craig hier ist, Christina in Vegas, Matt Abé in London oder Clare Smyth, die jetzt ihr eigenes Restaurant betreibt, es ist ein hartes Geschäft. Es geht nicht darum, je mehr Sterne man hat, desto besser ist man, wenn man einen Stern bekommt, ist das einfach nur ein Ausweis der Exzellenz. Wenn man einen Stern bekommt, wird man im Oktober damit ausgezeichnet, für das, was man im Jahr zuvor gekocht hat. Es ist also nur eine weitere Bestätigung, wie gut man ist, aber das bin nicht ich allein, das ist das Team, aus dem ich einfach nur das Beste heraushole."_


Euronews:
"Wie gehen Sie mit dem Ruhm um, der mit dem Grad des Erfolgs einhergeht, den Sie jetzt haben?"

Gordon Ramsay:"Ich habe eine wunderbare Mutter, dank der ich auf dem Boden der Realität bleibe, und dazu eine großartige Frau. Was heißt berühmt - ich bin einfach nur beschäftigt, ich suche nicht nach Lob und Anerkennung. In der Öffentlichkeit bin ich eher schüchtern."

Euronews:"Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem fünften Kind."

Gordon Ramsay:"Ja, Nummer fünf."

Euronews: _"Machen Sie weiter?"
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Gordon Ramsay: "Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, weiterzumachen. Wir bleiben dabei, fünf Kinder ist schon eine ganze Menge! Der Druck auf Kinder ist heute viel größer als zu den Zeiten, als ich aufwuchs. Es gibt viel mehr Ablenkungen als zu meiner Zeit. Wir hatten damals nicht diesen phänomenalen Internetzugang. Wenn ich mir nur meinen Assistenten anschaue, der hier irgendwo in der Nähe ist, wenn er nach einem Date oder einer Freundin sucht, wischt er nur nach links oder rechts (auf seinem Smartphone). Sich kennenzulernen, war wichtig. Und wenn ich mir heute meine drei Töchter mit oder ohne Beziehungen anschaue, es ist eine ganz andere Zeit, sie sind viel abgelenkter als ich es in meiner Jugend war.

Euronews:"Sind Sie ein strenger Vater, wenn es um die Freunde Ihrer Töchter geht?"

Gordon Ramsay: _"Von klein auf habe ich ihnen immer gesagt 'je schneller ihr es mir sagt, desto mehr kann ich tun'. Und das hat gefruchtet. Bin ich ein 'strenger' Vater? Ich gehe sehr fair mit ihnen um. Ich wünsche mit nur, dass sie ihre Leidenschaft finden, sich nicht auf mich oder (ihre Mutter) Tana verlassen. E_s geht nicht ums Erben, Ruhm, Vermögen oder Flugtickets 1. Klasse. Sie sollen einfach machen, was ihnen Spaß macht. Also, Megs studiert Kriminologie, Holly ist in der Modebranche und Jack will zum Militär. Und Tilly ist eine Tagträumerin. An einem Tag will sie Arzt werden, dann Spitzenkoch. Und am nächsten Tag ist es wieder etwas ganz anderes."

Euronews:"Ein Mädchen nach meinem Geschmack. Sie wachsen wirklich in einer ganz anderen Welt auf. Themawechsel: Brexit - wie wird der Ausstieg der Briten auf die Gastronomie auswirken?"

Gordon Ramsay: "Das ist wirklich eine gute Frage. Bei den Mittelklasseköchen tut sich seit drei Jahren nicht mehr viel. Wir machen 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Es ist sehr unsicher, was passieren wird. Je schneller der Deal abgeschlossen ist, desto besser können wir weiterarbeiten und uns als große Nation, die wie sind, neu positionieren. Wie wird es sich auf die Restaurantszene auswirken? Auf Spitzenrestaurants bestimmt nicht, auf die Unbekannten ja definitiv. Meine Mitarbeiter sind zu 72 Prozent Europäer. Wenn man sich also auf die Ausbildung in Großbritannien bezieht und wieder diesen Gradmesser der Leidenschaft einführt, dann sollten wir auf der sicheren Seite sein. Wir sind ein fleißiges Land, wenn der Deal abgeschlossen ist und wir aus der EU ausgetreten sind, wird jeder wieder zur Normalität zurückkehren und für das stehen, woran wir glauben. Für mich ist es schwer, denn ich bin ein halber Schotte, ich wurde dort geboren, lebte aber nie wirklich dort. Ich liebe Großbritannien, es ist ein tolles Land, um dort aufzuwachsen, großartige Werte, ein wunderbares Land - es wird nicht ohne Grund Großbritannien genannt! Daran sollten wir uns erinnern."

Euronews:"Sie haben Schottland erwähnt. Wären Sie lieber ein schottischer Fußballspieler oder ein Spitzenkoch?"

Gordon Ramsay:"Das ist eine wirklich gute Frage. Mit unter 30 Jahren definitiv ein Fußballspieler. Mit Anfang 50 ein Spitzenkoch - ganz ohne Zweifel. Aber beim Fußball geht es nicht nur um Ausbildung, sondern um Disziplin, Professionalität. Fußball ist ein hartes Spiel, in Sekunden kann alles verloren sein, wie es mir mit meiner Verletzung ging. Man muss Staub fressen können, sich zusammenreißen und weitermachen."

Euronews:"Kneifen Sie sich manchmal, wenn Sie sehen, was Sie erreicht haben?"

Gordon Ramsay:"Ein Teil meines Antriebs ist die Angst, eines Tages alles zu verlieren - wenn man in den Verhältnissen aufgewachsen ist, in denen ich aufgewachsen bin, schätzt man alles, was man erreicht, zehnmal mehr. Dieser Antrieb bleibt. Geld spielt schon lange keine Rolle mehr für mich, das war nie ein großer Antrieb."

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