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Flavio Briatore: "Ich war der erste, der etwas Neues in der Formel 1 wagte"

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Flavio Briatore: "Ich war der erste, der etwas Neues in der Formel 1 wagte"
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Schillernder Unternehmer und ehemaliger Formel-1-Teamchef. Flavio Briatore erzählt von seinen Erfahrungen im Motorsport und seinen Projekten, die ihn zu einem der erfolgreichsten Geschäftsmänner der Welt machten. Der Italiener liegt derzeit mit Covid-19 in einem italienischen Krankenhaus in Mailand. Das Interview mit ihm führte euronews-Reporterin Jane Witherspoon am 3. August in seinem Haus in Monaco.

Euronews-Reporterin Jane Witherspoon:
Flavio Briatore, vielen Dank, dass Sie zu Gast bei Euronews sind. Gehen wir zum Anfang Ihrer Karriere zurück. Wollten Sie schon immer in die Geschäftswelt einsteigen?

Flavio Briatore, Geschäftsmann:
Wie jedermann. Manche haben Erfolg, manche nicht. Meiner Meinung nach will jedes Kind, jede junge Frau, jeder junge Mann Erfolg haben.

Benetton war ein Meilenstein

Euronews:
In den Siebziger Jahren lernten Sie Luciano Benetton kennen.

Flavio Briatore:
Ja.

Euronews:
Das war wirklich ein wichtiger und entscheidender Moment in Ihrer Karriere.

Flavio Briatore:
Wissen Sie, jeder braucht jemanden, der ihm hilft. Irgendwann war alles Benetton! Luciano war ein erfolgreicher Kerl. Aber niemand erkannte sein Potenzial. Man trifft zwar sehr viele Leute, hat aber nur sehr wenige Freunde. Aber sicher hat sich mein Leben völlig verändert.

Rauschende Karriere

Euronews:
Sie waren Teamchef bei Benetton und Renault. Wie war das damals?

Flavio Briatore:
Ich hatte nicht die Absicht, in die Formel 1 einzusteigen. Ich hatte noch nie in meinem Leben ein Rennen gesehen. Das Team wurde vollständig von der Familie Benetton unterstützt. Es gab keine Sponsoren. Es war ein Gefallen. Für mich waren es nur zwei oder drei Monate, um diesen Leuten verständlich zu machen, worum es geschäftlich geht, was man tun muss usw.

Dem Benetton-Team ging es daraufhin finanziell immer besser. Luciano bat mich, als kaufmännischer Direktor zu bleiben. Ich feuerte alle, das ganze Team, ich feuerte den Geschäftsführer und alle in seinem Umfeld.

Wir fingen zusammen an, finanzierten das Team richtig. Um zu gewinnen, brauchten wir einen wirklich guten Fahrer. Kein Fahrer wollte zu uns kommen, weil wir ein T-Shirt-Hersteller waren. Neben Namen wie Ferrari, McLaren, Williams ein T-Shirt-Hersteller: 'Benetton.' Das Team hieß Benetton, das war irgendwie lustig. Aber nicht sehr lange, weil wir sehr schnell zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz wurden. 1992 stießen wir auf Michael Schumacher. Wir kämpften darum, Michael im Team zu haben. 1994 gewannen wir die erste Meisterschaft. Wir waren nicht mehr der T-Shirt-Hersteller, sondern die angesagte Mannschaft. Michael war jemand ganz Besonderes. Unabhängig davon, wie er fuhr, war er ein ganz besonderer Mensch.

Euronews:
2008 beim Großen Preis von Singapur wurden Sie der Spielmanipulation beschuldigt. Sie gingen gerichtlich dagegen vor, wurden aber von der Formel 1 ausgeschlossen. Wenn Sie die Chance hätten, würden Sie etwas anders machen?

Flavio Briatore:
Wir gingen vor ein Gericht und wir haben den Fall gewonnen. Die Sperre galt einen Monat, weil alles manipuliert war von....Ich habe keine Probleme mit dem Präsidenten des Verbandes, denn der mochte mich vom ersten Tag an nicht. Er war immer gegen uns. Er sperrte Schumacher für vier Rennen. Sie managten die Formel 1 wie ihr Spielzeug, sie bestraften die Leute willkürlich. Das war verrückt, völlig verrückt. Und das Pariser Gericht hob das Verbot vollständig auf. Ich bekam Schadensersatz von der FIA. Ich konnte nach einem Monat in die Formel 1 zurückkehren. Diese Sache in Singapur zeigte mir vor allem, dass wir einen Fahrer hatten, der in jedem Rennen einen Unfall baute. Manchmal hatte er zwei Unfälle im selben Rennen. Wenn ich das Rennen mit seiner Hilfe manipuliert hätte, warum habe ich ihn dann vor Ende der Saison entlassen? Außerdem haben wir das Rennen gewonnen: Massa vermasselte den Boxenstopp, Barrichello... vor uns machten fünf Fahrer Fehler. Wir haben glücklich gewonnen.

"Was könnte ich noch erreichen?"

Euronews:
Wollen Sie nicht eines Tages in die Formel 1 zurückkehren?

Flavio Briatore:
Um was zu tun?

Euronews:
Keine Ahnung!

Flavio Briatore:
Oh nein, nein. Würde ich zurückkommen wollen, könnte ich das sofort. Aber das will ich nicht. Denn ich war einer der Besten. Schaut man sich das Konzept der Formel 1 an, war ich der erste, der etwas Neues wagte.

Die Leute reden gerne. Ich habe Titel für drei verschiedene Teams gewonnen. Ich habe in Monte Carlo öfter gewonnen als jeder andere. Was könnte ich noch erreichen? Es wäre lächerlich, zurückzugehen!

Der Formel-1-Sport hat sich verändert

Euronews:
Kann Lewis Hamilton mit Schumachers Grand-Prix-Titeln gleichziehen?


Flavio Briatore:

Der Sport hat sich verändert. Das Auto ist jetzt technisch viel ausgereifter, viel einfacher zu fahren. Aber man braucht das Talent. Wenn Sie Hamilton in einen Ferrari setzen, erzielt er die gleichen Ergebnisse wie Leclerc oder Vettel. Zu der Zeit mit Michael war der Fahrer viel wichtiger. Bei den Autos gab es keine großen Unterschiede. Der Fahrer machte den Unterschied. Der Fahrer war ein Gladiator.

Euronews:
Sie mischten nicht nur die Formel 1 auf. Sie haben sich auch im Fußball versucht. Die Queen's Park Rangers. Sie und ihr guter Freund Bernie (Ecclestone). War Fußball schwieriger als die Formel 1?

Flavio Briatore:
Ja. Viel schwieriger, denn im Fußball hat man den Spieler, den Vater, die Mutter, den Manager, seinen Onkel. Die Formel 1 ist viel geschäftsorientierter, rennorientierter, leistungsorientierter. Aber wenn ich wählen müsste, dann würde ich die Formel 1 wählen.

Euronews:
Sie haben mehrere Ihrer Unternehmen in Dubai gegründet. Warum eignet sich die Stadt so gut für einige Ihrer Marken?

Flavio Briatore:
Dubai ist fantastisch. Die Stadt und die Umgebung. Dort lauft das größte Immobilien-Geschäft der Welt. Wir investieren in Dubai, weil wir an die Stadt glauben. Wir glauben fest an Dubai. Das Management, die Restaurants sind super. In Dubai findet man die besten Leute.

Billionaire Life - eine Marktlücke?

Euronews:
Sprechen wir über Ihr Unternehmen 'Billionaire Life'. Füllt das eine Marktlücke?

Flavio Briatore:
Ich entschied mich, wieder in die Gastronomie zurückzugehen. Wir hatten eine Vereinbarung mit dem britischen Sumosan-Restaurant abgeschlossen. Die funktionierte sehr gut. Wir probierten es in Dubai im 'Billionaire Mansion' aus. Es gibt das Essen, es gibt die Show. Die Dinner-Show war unser Schlüssel zum Erfolg in Dubai. Das Konzept funktioniert.

Euronews:
Covid-19 hat die Welt verändert. Glauben Sie, dass sich die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie davon erholen wird?

Flavio Briatore:
Auf jeden Fall. Die Leute wollen sich amüsieren, wollen etwas sehen. Das ist sonst kein Leben, die Leute müssen zusammenkommen.

Euronews:
Was kann man weltweit aus der Pandemie lernen? Gibt es da viel Manipulationen?

Flavio Briatore:
Hundertprozentig!

Euronews:
Was steckt dahinter?

Flavio Briatore:
Es ist die Politik. Es sind die Menschen, die an der Macht bleiben wollen. In Italien haben wir die schlechteste Regierung in unserer Geschichte. Es ist alles Propaganda. Keiner unserer Minister hat auch nur eine Stunde in seinem Leben gearbeitet. Das sind unsere Politiker...sie haben null Erfahrung! Bevor sie Politiker waren, hatten sie keine Arbeit.

Euronews:
Sollte Großbritannien die EU ohne ein Abkommen verlassen?

Flavio Briatore:
Nein, denn wenn man sich Großbritannien ohne Italiener und Polen vorstellt, wer wird dann die Arbeit machen? Es war die falsche Entscheidung, und ich hoffe, dass Großbritannien überlebt, weil wir dort Geschäfte machen. Jetzt müssen wir unser Geschäftsmodell dort überdenken und entscheiden, ob wir bleiben oder gehen.

Ist Donald Trump der richtige Mann für den Job?

Euronews:
Sie sind mit Donald Trump befreundet. Wird er im November wiedergewählt?

Flavio Briatore:
Ja, er hat keine Konkurrenz.

Euronews:
Unabhängig von ihrer Freundschaft, ist er der richtige Mann für den Job?

Flavio Briatore:
Ich denke schon, es gibt eine Rekordbeschäftigung in den USA, Rekordergebnisse an der Wall Street. Was wollen die Leute mehr? Er ist ein Manager, kein Politiker. Wie ich ist er jemand, der Ihnen die Dinge direkt ins Gesicht sagt.