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Lernen am Bildschirm: Auch nach der Pandemie gefragt?

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Lernen am Bildschirm: Auch nach der Pandemie gefragt?
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Das Lernen am Bildschirm ist nicht neu, hat aber aufgrund der Coronavirus-Pandemie einen erheblichen Aufschwung erfahren. Auch in der internationalen Schule GEMS in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das der Fall. Im derzeitigen Schuljahr setzt man hier auf eine Mischung aus herkömmlichem Lernen im Klassenzimmer und Fernunterricht.

Die Technik in den Unterricht gebracht

Mike Kraher arbeitet an der Schule als Mathematiklehrer, er betont: „Für mich bedeutete das eine Lernkurve, ehrlich gesagt stand ich sozialen Herausforderungen gegenüber. Ich habe meine Schüler, das Unterrichten und die Klassenzimmer vermisst. Die Unterrichtsstunden selbst sind gut. Ich habe dadurch zweifellos die Technik in den Unterricht gebracht. Wenn ich mit einem Tabletcomputer unterrichte, versuche ich, all diese technischen Dinge einzubauen. Es gibt da Gutes und große Vorteile."

Das ist kein Allheilmittel
Simon Herbert
Leiter der Internationalen Schule GEMS

In vielen Schulen wurde die Entscheidung, weiterhin auf Fernunterricht zu setzen, von der Schülerschaft und den Eltern getroffen. Dem Bildungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate zufolge haben sich im Schuljahr 2020/21 17 Prozent für die Rückkehr ins Klassenzimmer und 83 Prozent für die Fortsetzung des Fernunterrichts entschieden. „Ich finde, das Lernen per Bildschirm hat seinen Platz. Wir alle haben durch die Lage viel gelernt, doch man muss vorsichtig sein. Das ist kein Allheilmittel", sagt Schulleiter Simon Herbert. „In der Lehre wird oft gesagt, dass das die nächste große Entwicklung sei, die alle Schwierigkeiten lösen könne. Natürlich wird es das nicht. Es geht darum, sich das Beste herauszusuchen: Die besten Plattformen, die besten Unterrichtsmethoden, die besten Übungen - auch innerhalb unseres Schulsystems - um sie dann mit anderen weltweit zu teilen", so Herbert.

Welche Auswirkungen hat Fernunterricht auf das Sozialverhalten der Jugendlichen?

euronews-Reporterin Natalie Lindo kommentiert: „Klassenräume wie dieser gleichen jenen, die wir aus unserer Schulzeit kennen. Durch den Ausbruch der Pandemie hat sich das Unterrichten aus Räumen wie diesem über das Internet in die Wohnorte der Schüler verlagert, um das Abstandhalten zu ermöglichen. Wird künftig noch stärker am Bildschirm unterrichtet? Oder wird es die Rückkehr in die Klassenräume geben, um sich von Angesicht zu Angesicht zu sehen?"

Wohl dem, der in der Verbindung zwischen Lernen vor Ort und aus der Ferne bereits einige Erfahrung aufweist. Die Unternehmerin Raya Bidshahri gehört mit ihrer Firma Awecademy dazu: „Schon lange vor der Pandemie haben mein Mitarbeiterstab und ich immer versucht, uns für die Neuerung im Unterrichten einzusetzen, nämlich dass es nicht nur darum geht, Lerninhalte ins Netz zu stellen. Man muss auch in Sachen Stundenplan, bei Erziehungs- und Unterrichtsmethoden einfallsreich sein, auch was die Gliederung von Unterrichtsstunden und Tätigkeiten betrifft. Das versuchen wir. Wir sorgen nicht bloß für Neuerungen auf technischer Ebene, sondern auch beim Aufstellen von Alternativen beim Stundenplan und bei Bewertungsmethoden", so Bidshahri.

Unklarheit gibt es darüber, was der Fernunterricht für das Sozialverhalten der Jugendlichen bedeuten könnte. Was sagt die Schülerschaft selbst?

„Ich fand am besten, dass man beim Unterricht gleichzeitig die Gemütlichkeit des eigenen Zuhauses hatte", so ein Junge. Eine Schülerin sagt: „Ich habe meine Freundinnen sehr vermisst. Ich glaube, alle haben sich darauf gefreut, wieder die anderen aus unserer Klasse zu sehen."

Fernunterricht: Eine Chance für Unternehmen der Bildungsbranche

„Als es im März mit dem Lernen am Bildschirm losging, hat mir das nicht gefallen. Da fehlten der Austausch, die Motivation und das Zusammensein mit Freunden und Lehrern. Diese ganze Erfahrung hat mir zwischen März und Ende Juli gefehlt", so eine weitere Schülerin. Und ein Junge findet: „Das ist eine tolle Unterrichtsform und weniger Stress."

Der Aufschwung des Fernunterrichts verschafft Unternehmen, die Lerninhalte vertreiben, eine Menge Arbeit. Der Unternehmer David North schätzt die geschäftliche Seite des Themas Fernunterricht ein:

„Klar, es geht um die einzige Unterrichtsform, die den Pandemieanforderungen standhält. Sie kann angepasst werden, kann aus der Ferne angewendet werden, das Verhältnis von Kosten und Nutzen stimmt."

Neben Fernuniversitäten haben nun auch herkömmliche Hochschulen ihre Angebote ausgeweitet. „Ich kenne viele Leute, die während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen Internetkurse belegt haben. Das Thema Wohlbefinden hat mich angesprochen. Das Verständnis, was mir Wohlbefinden und Glück bedeuten, war mir in den vergangenen Monaten sehr wichtig", so die Unternehmerin Monique Belle, die per Internet an der Yale University (US-Bundesstaat Connecticut) studiert.

Mehr als 500 Millionen Menschen nutzen das Internet zu Lernzwecken

Die Pandemie wirkt beim Ausbau von Bildungsmöglichkeiten am Bildschirm verstärkend und beschleunigend - der Fortschritt rast. Tariq Qureishy, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Xponential & Futurist, sagt: „Das, wofür man früher Jahrzehnte brauchte, geschieht jetzt innerhalb von Wochen. Mehr als 500 Millionen Menschen nutzen das Internet zu Lernzwecken. Das Lernen am Bildschirm ist wunderbar, die Technik ist toll, ersetzt aber nicht die menschliche Beziehung. Es geht um diese menschliche Verbindung. Wir müssen uns auch auf menschlicher Ebene in Sachen Beziehung, Einfühlungsvermögen, Liebe, Mitgefühl und Vertrauen miteinander verbinden."

In Dubai gehört Lernen am Bildschirm seit Langem zum Alltag, die Coronavirus-Pandemie hat diese Unterrichtsform aber in neue Höhen hochgeschraubt.