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Idriss B.: "Kunst ist wichtig, weil sie Gefühle weckt"

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Idriss B.: "Kunst ist wichtig, weil sie Gefühle weckt"
Copyright  euronews   -   Credit: Dubai
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Geboren und aufgewachsen in Paris hat sich Idriss B. seit seiner Kindheit für Kunst interessiert und zusammen mit seinem Vater eine sehr persönliche Kunstsammlung aufgebaut. Euronews spricht mit dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebenden Künstler über seine Karriere und den Kunstbetrieb. Aktuell stellt er auf der ersten Kunstmesse seit Covid-19 im World Trade Centre in Dubai aus.

Euronews-Reporterin Jane Witherspoon:
Idriss B. vielen Dank, dass wir Sie hier auf der World Art Dubai, der 6. Ausgabe dieser Veranstaltung, treffen können. Wir beachten die Distanzregeln und wir können unsere Masken nur für die Dauer des Gesprächs abnehmen. Das ist die erste Veranstaltung dieser Art nach Covid - Ist es gut, wieder Veranstaltungen auszurichten?

Idriss B., Künstler:
Ja, es ist wie ein "Back to life"-Ereignis, besonders für Dubai. Hier gibt es normalerweise so viele Veranstaltungen. Es ist sehr belebend zu sehen, dass ein normales Leben möglich ist.

Euronews:
Wie hat Covid Ihrer Meinung nach die Kunstindustrie weltweit beeinflusst?

Idriss B.:
Das Virus hat einfach alles lahmgelegt. Bei mir standen eine ganze Reihe von Events auf dem Plan, aber alles ist seit neun Monaten blockiert. Meine nächste Veranstaltung wäre in der Park Avenue in New York City gewesen. Aber alles hörte vor ein paar Monaten einfach auf.

Euronews:
Es ist schön zu sehen, dass die Menschen unterwegs sind und sich an die Sicherheitsrichtlinien halten. Sind Sie sich der Schwierigkeiten bewusst, die es mit sich bringt, hier auszustellen?

Idriss B.:
Die größte Herausforderung war, die Maske zu tragen und alles zu beachten. Auch die Hitze war belastend. Ansonsten geht es mehr um soziale Distanzregeln. Aber jetzt ist jeder daran gewöhnt, weil wir seit ein paar Monaten einfach die Regeln befolgen. Es ist also eine Gewohnheit.

Kunst als Therapie

Euronews:
Wie sind Sie zur Kunst gekommen? Sie waren krank und haben Zeichnen als Therapie genutzt, oder?

Idriss B.:
Nach einer Reise in die USA bekam ich die Gicht und war ans Bett gefesselt. In der ersten und zweiten Woche hat es Spaß gemacht, aber in der dritten Woche bringt man sich einfach um vor Langeweile. Zuerst zeichnete ich ein bisschen. Dann dachte ich: "Okay, jetzt habe ich nichts mehr zu tun. Das könnte also ein guter Moment für mich sein, meine eigenen Skulpturen zu machen. Das wollte ich schon länger. So hat es angefangen. Ich nahm einen großen Tonblock und modellierte ihn im Bett. Das war lustig. Dann habe ich das erste Stück gemacht. Ich zeigte es meiner Frau und sie sagte: "Wow, ich liebe es". Normalerweise interessiert sie sich nicht wirklich für Kunst. Ich dachte: "Oh, wenn sie sagt, dass es gut ist, könnte das etwas sein. Also begann ich zuerst mit einem Gorilla. Als zweites schuf ich einen Tiger, den zeigte ich meinen Freunden, und sie sagten: "Oh, wer hat das gemacht? Ich will ihn kaufen. Ich sagte, ich habe ihn geschaffen. Sie sagten: "Was wirklich?! So hat es angefangen.

Euronews:
Erklären Sie mir den Entstehungsprozess Ihre Kunst: Was inspiriert Sie zu zeichnen und wie funktioniert ihre Arbeitsweise mit Fiberglas und Harz?

Idriss B.:
Angefangen habe ich vor fünf Jahren. Zuerst habe ich Ton modelliert – das war Bildhauerei alter Schule. Jetzt gibt es 3D-Druck und all diese Dinge. Ich zeichne zunächst einen Entwurf von Hand auf Papier – um das richtige Gefühl zu bekommen, für die richtige Pose des Tieres. Und dann übertrage ich die Skizze in 3D.die ich dann in 3D ausdrucke. Daraus fertige ich eine Form an. Normalerweise bearbeite ich sie. Denn das, was man im Kopf hat und zeichnet, ist nicht dasselbe wie in Wirklichkeit. Also modifiziere ich die Position der Beine ein wenig, das ist eine Polygongröße, solche Dinge. Und wenn ich wirklich mit allem zufrieden bin, dann mache ich die Skulptur aus Fiberglas und Harz.

Euronews:
Ein Franzose mit tunesischen Wurzeln, der in Paris groß wird. Wie hat das ihre Arbeit beeinflusst?

Idriss B.:
Meine Arbeit ist multikulturell. Vor allem jetzt, wo ich zurück im Nahen Osten bin, in einem muslimischen Land. Die Kultur ist wirklich ähnlich. Auch wenn Nordafrika ein bisschen anders ist, aber die Mittelmeerländer ähneln sich - Italien, Griechenland, Spanien. Es ist ein multikulturelles Umfeld. Und ich bin in den Achtziger Jahren geboren, damals drehte sich alles um Videospiele, um japanische Dinge. Die Entdeckung vor allem, wie Japan alles vorangebracht hat. Das hat mich sehr beeinflusst. Und dann lebte ich in China. Es gefiel mir, in eine völlig andere Kultur einzutauchen, andere Dinge und Verhaltensweisen zu entdecken.

Euronews:
Haben Sie in Dubai ein Zuhause für Ihre Kunstwerke gefunden? Sie sind überall in der Stadt verteilt. Warum passen Ihre Werke so gut hierher?

Idriss B.:
Es ist ein sehr städtisches Umfeld. Normalerweise ist städtisch irgendwie beängstigend. Es ist irgendwie unmenschlich - viel Glas, viel Metall, viel Beton. Meine Skulpturen, auch wenn sie aus Fiberglas und Harz bestehen, - so wie ich sie mache mit bunten Farben, das macht den Ort lebendig. Aber ich war ehrlich gesagt, nicht auf diese Nachfrage nach meiner Kunst vorbereitet.

Euronews:
Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Kunstindustrie hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten und speziell in Dubai?

Idriss B.:
Sie ist ziemlich angesagt, denn Kunst ist ein bisschen anders als der übrige materielle Kram, den man üblicherweise kaufen kann. Bei Kunst geht es mehr um den Schaffensprozess. Und sie provoziert Gefühle. Man fasst sie nicht an, man fühlt sie. Man fasst sie nicht an. Deshalb glaube ich auch, dass sie für die Leute und für die VAE im Allgemeinen so wichtig ist. Das haben mir die Leute erzählt, bevor ich hierher kam.

Euronews:
Warum glauben Sie ist Kunst so universell? Und in diesem wirklich schwierigen Jahr weltweit, brauchen die Menschen Kunst in ihrem Leben?

Idriss B.:
Das hängt natürlich von der Art der Kunst ab, aber letzten Endes geht es nur um Emotionen. Kunst gibt einem ein Gefühl, egal, ob es ein gutes ist oder nicht. Sie weckt immer ein Gefühl. Man kann das Werk nicht mögen, aber man hat etwas gefühlt. Und ich glaube, dafür sind die Leute wirklich empfänglich, besonders in dieser Zeit, wo viele Leute durch Covid wieder zu sich selbst gefunden haben. Sie waren allein zu Hause oder waren ein Paar. Und so hatten sie viel Zeit, nachzudenken. Und so fanden sie wieder zur Kunst zurück, weil ihnen klar wurde, wie wichtig es ist, ein schönes Zuhause zu haben, ein Nest zu haben. Deshalb werden sie neue Gemälde kaufen, die etwas in ihnen auslösen. Ich glaube, das ist der Grund, warum Kunst so wichtig ist: Sie weckt Gefühle.

Euronews:
Was denken Sie darüber, dass Kunst für soziale oder politische Motive eingesetzt wird?- What are your thoughts on art being used for social or political motivation?

Idriss B.:
Das ist eine gute Frage. Ich habe gerade eine Skulptur für „Black Lives Matter“ gemacht. Ich finde das auf jeden Fall interessant. Bei der Kunst geht es meiner Meinung nach am Ende um das Geben. Es geht darum, Gefühle zu teilen. Es geht darum, die eigene Vision zu vermitteln. Und als ich all diese Dinge zum Thema Black Lives Matter sah, dachte ich: "Ich muss etwas tun. Wenn ich etwas tun kann, würde ich gerne etwas tun. Ich werde zwar nicht in die USA gehen, um zu demonstrieren, aber vielleicht kann ich auf meine Art etwas dazu beitragen. Und so kam ich auf die Idee, der Bewegung eine spezielle Skulptur zu widmen und den Menschen all das Geld zu geben, das ich mit ihr verdiene.

Euronews:
Sie haben tunesische Wurzeln. Sie leben gerade zeitweise in Tunesien. Wie hat Covid Ihr Heimatland beeinflusst?

Idriss B.:
Schlimmer als jetzt kann es nicht mehr werden. Das ist das einzig Gute daran. Manchmal frage ich mich, wie das Land überhaupt überlebt, denn es könnte nicht schlimmer sein: Die Regierung funktioniert nicht wirklich, die Wirtschaft läuft nicht wirklich. Es kommen keine Touristen, weil unsere Grenzen geschlossen sind. Ich glaube, man versucht den bestmöglichen Weg zu finden, der funktioniert.