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Lindsey Vonn: "Man kann mehr als eine Profisportlerin sein"

Lindsey Vonn: "Man kann mehr als eine Profisportlerin sein"
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Lindsey Vonn, eine der größten Skirennfahrerinnen aller Zeiten wurde vor Kurzem mit dem Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Kategorie Sport ausgezeichnet: Olympiasiegerin in der Abfahrt, acht WM-Medaillen, vier Gesamtweltcup- und 82 Weltcup-Siege. Und jetzt steht eine ganz besondere Auszeichnung in ihrem Trophäenschrank. Im Interviews mit euronews gibt die amerikanische Ausnahmesportlerin ganz persönliche Einblicke in ihre Karriere: Wie hat sie dieser Sport verändert, was sind ihre Projekte für die Zukunft?

euronews-Reporterin Cinzia Rizzi: Im Laufe einer prestigeträchtigen Karriere hat sich Lindsay Vonn zu einer der besten Skifahrerinnen der Welt entwickelt. Sie ist die Skirennläuferin mit den meisten Auszeichnungen aller Zeiten. Gerade wurde ihr in Oviedo der Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Kategorie Sport überreicht. Wir begrüßen Lindsey Vonn hier bei euronews, danke, dass Sie bei uns sind.

Skirennläuferin Lindsey Vonn:

Vielen Dank.

euronews:

Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie, unter all den Auszeichnungen, die Sie während Ihrer Karriere erhalten haben?

Lindsey Vonn:
_Diese Auszeichnung ist wahrscheinlich die weitreichendste. Auch wenn sie mir hier in Spanien verliehen wird. Ich habe das Gefühl, dass dieser Preis so viel mehr über mich als Person aussagt. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch darum, wie ich mich mit meiner Stiftung für die Zukunft engagiere. Es ist also sehr, sehr sinnvoll und sehr wirkungsvoll, zu den anderen Preisträgern zu gehören, die alle unglaubliche Dinge für die Welt und für die Zukunft tun, und es ist mir wirklich eine Ehre, diesen Preis zu erhalten.
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euronews:
Im Februar haben Sie offiziell Ihren Rücktritt vom Skirennsport verkündet. Auf Ihrem Weg nach oben gab es viele Hindernisse, sie erlitten viele Verletzungen - zu viele Verletzungen. Als Sie Ihren Rücktritt ankündigten, sagten Sie 'Mein Körper schreit mich an aufzuhören'. Wie schwer ist es für Sie gewesen, ihre Karriere zu beenden?

Lindsey Vonn:
Ich wusste, dass es irgendwann kommen würde, aber als es tatsächlich passierte, war es schwierig. Ich habe das mein ganzes Leben lang getan, bin seit 20 Jahren Profi-Sportlerin und sehr stolz auf das, was ich in meiner Karriere erreicht habe. Aber ich hatte zu viele Verletzungen und ich erkannte, dass es ein Leben nach dem Skifahren gibt, dass ich jetzt viele Möglichkeiten habe. Ich muss nur einen neuen Weg, eine neue Leidenschaft finden. Ich freue mich auf dieses neue Abenteuer.

euronews:
Bedauern Sie die Rückstrittsentscheidung zu diesem Zeitpunkt?

Lindsey Vonn:
Ich hatte nicht wirklich eine Wahl. Mein Körper signalisierte mir, dass es reicht. Ich bin zwar ziemlich verrückt, aber nicht so verrückt, um weiterzumachen. Ich kenne meine Grenzen, ich habe definitiv meine Grenzen erreicht, also war es Zeit, einen Schritt weiter zu gehen.

euronews:
Was bedauern Sie in Ihrer Karriere am meisten, was haben Sie nicht erreicht, was sie sich wünschten?

Lindsey Vonn:
Am meisten bedaure ich, dass ich den Rekord für die Weltcupsiege nicht gebrochen habe. Ingemar Stenmark hat 86 Siege und ich 82. Aber man muss die Dinge in Relation sehen. Man kann immer zurückblicken und sagen: 'was wäre gewesen, wenn'. Aber wenn man sich solche Fragen stellt, macht man sich nur verrückt."

_"Es war frustrierend, nicht gegen Männer antreten zu dürfen"

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euronews:
Und was ist mit der Tatsache, dass man Ihnen verweigerte, gegen Männer anzutreten?

Lindsey Vonn:
Das gehört sicherlich zu den Dingen, die mich am meisten frustriert haben - außer den Rekord nicht zu brechen. Ich wollte wirklich gegen Männer antreten, weil sie schneller sind als Frauen und ich mich verbessern wollte. Es ging nicht um Männer gegen Frauen. Es waren eben Männer, die besser waren, und ich wollte gegen die Besten antreten.

euronews:

Was war der schönste Moment in Ihrer unglaublichen Karriere?

Lindsey Vonn:
Die schönste Erinnerung ist das Olympiagold 2010. Denn für mich war das so viel mehr war als die Olympischen Spiele. der Sieg war für meine Familie. Meine Familie hat so viel geopfert, dass ich dort sein durfte. Dieser Sieg war für uns alle.

"Ich denke, man kann sich selbst treu bleiben und dabei immer noch feminin sein."

euronews:
Was haben Sie Ihrer Meinung nach dem alpinen Skisport und dem Sport im Allgemeinen hinterlassen?

Lindsey Vonn:
Ich hoffe, ich hinterlasse das Vermächtnis, dass man mehr als nur ein Skifahrer sein kann. Während meiner Karriere haben mich viele Leute sehr skeptisch gesehen. Ich war sehr präsent in den Medien, das ist sehr hilfreich für den Sport. Und ich bin sehr offen und ehrlich, habe mich nicht auf die übliche Art und Weise verhalten. Ich denke, man kann sich selbst treu bleiben und dabei immer noch feminin sein. Man kann eine Profisportlerin und all das gleichzeitig sein.

euronews:
Wie hat sich aus Ihrer Sicht der alpine Skisport der Frauen im Laufe der Jahre verändert?

Lindsey Vonn:
Der Frauen-Skirennsport hat sich im Laufe meiner Karriere stark verändert. Er war konservativer, als ich anfing und am Ende meiner Karriere wurden die Frauen-Wettkämpfe mehr beachtet als die der Männer. Das ist ein riesiger Fortschritt.

euronews:
Sprechen wir über ein sensibles Thema wie das geschlechtsspezifische Lohngefälle im Sport. Skifahren scheint eine der wenigen Sportarten zu sein, in der die Preisgelder für Sportler und Sportlerinnen gleich hoch sind. Aber im Sport im Allgemeinen ist das noch ein langer Weg. Wie kann man das Ihrer Meinung nach vorantreiben?

Lindsey Vonn:
Die Einnahmen aus der Werbung mit den Sportlern zu teilen, wäre ein interessanter Ansatz. Wenn man sich die US-Frauennationalmannschaft ansieht, hatten sie weitaus mehr Zuschauer, als die Männer bei der WM. Aber keine der Frauen sah irgendwas von diesen Gewinnen. Oder, wenn überhaupt, waren es vielleicht zwei oder drei Frauen aus dem ganzen Team. Meiner Meinung nach sollte es eine Möglichkeit geben, das zu teilen, was Sponsoren an den Sportlern verdienen. Es würde ihnen auch ein größeres Gemeinschaftsgefühl geben. Sie alle wollen den Sport voranbringen, das würde die Menschen zusammenbringen.

euronews:
Die neue Weltcup-Saison wird die erste sein, die ohne zwei Legenden an den Start geht.

Lindsey Vonn:
Drei: Aksel Lund Svindal, Marcel Hirscher und ich.

euronews:
Ja, Sie haben recht, drei Legenden. Wie wird es laufen?

Lindsey Vonn:
_Es wird neue Stars geben. Jedes Jahr stehen neue Sportler auf der Siegertreppe. Vergangenes Jahr stand Alice Robinson aus Neuseeland auf dem Podium, sie ist erst 16 Jahre alt. Es gibt immer jemanden Neuen. Meiner Meinung nach wird Mikaela Shiffrin eine wichtige Rolle bei der Weltmeisterschaft spielen und es ist toll, das sie Amerikanerin ist! Ich hoffe also, dass sie weiterhin erfolgreich ist. Es wird interessant sein, andere Frauen und Männer im Rampenlicht zu beobachten._

euronews:
Glauben Sie, dass sie Sie überrunden und mehr als 82 Weltcup-Rennen gewinnen kann?

Lindsey Vonn:
Oh ja, auf jeden Fall. Sie ist gerade mal 24 Jahre alt und kann bereits auf 60 Siege zurückblicken, das einzige, auf was sie jetzt achten muss, ist, einfach nur gesund zu bleiben. Das war mein Problem, während meiner Karriere. Skirennen ist leider ein sehr unbeständiger Sport und die Dinge können sich schnell ändern. Aber ich denke, sie wird mich sehr leicht überholen und sie sollte auch Ingemar Stenmarks Rekord brechen.

euronews:
Zurück zu Ihrem Leben nach dem Rücktritt, was haben Sie in den vergangenen Monaten getan?

Lindsey Vonn:
(lacht) Eine Menge! Ich arbeite an der Fertigstellung meiner Memoiren, ich habe meine eigene Kosmetikmarke für aktive Menschen kreiert und ich bin Produzentin eines Films. Es passiert also gerade eine ganze Menge. Außerdem bin ich verlobt und versuche meine Hochzeit zu planen. Dabei weiß ich nicht einmal, wann wir heiraten werden geschweige denn wo. Es ist eine sehr aufregende Zeit für mich. An manchen Tagen vermisse ich das Skifahren, an anderen Tagen fühle ich mich ein wenig verloren, aber ich denke, im Allgemeinen bin ich auf einem guten Weg und freue mich auf all die neuen Möglichkeiten.

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