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Amy Boulden: Für Golf braucht man Durchhaltevermögen

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Amy Boulden: Für Golf braucht man Durchhaltevermögen
Copyright  euronews   -   Credit: Dubai
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Sie kann auf eine der erfolgreichsten Amateurkarrieren in der Geschichte des walisischen Golfsports zurückblicken. Und im September holte sie beim Swiss Ladies Open ihren ersten Sieg auf der European Tour. Interview mit Amy Boulden beim Omega Dubai Moonlight Classic-Golfturnier in Dubai.

Euronews-Reporterin Jane Witherspoon:_
In dieser Interview-Folge treffen wir Profigolferin Amy Boulden im Rahmen des Omega Dubai Moonlight Classic-Golfturniers. Sie haben gerade eine Trainingsrunde absolviert, wie läufts?_

Amy Boulden, Profigolferin:
Wirklich gut. Ich bin gut vorbereitet. Ich bin schon seit einer Woche hier und bereite mein Spiel und mich auf die Woche vor. Ich genieße es hier wirklich.

Euronews:
Erzählen Sie mir von ihren Anfängen. Wie kamen Sie zum Golfen? Sie legten eine unglaubliche Amateurkarriere hin, die Sie mit 13 Jahren starteten?

Amy Boulden:
Ja, ich habe meine Heimat Wales zum ersten Mal vertreten, als ich 13 Jahre alt war. Ich spielte mit etwa sechs Jahren zum ersten Mal Golf. Ich bin mit Golf aufgewachsen - mein Vater war der Berufsgolfer in meinem Golfclub. Meine Schwester war früher Berufsgolferin im Abu Dhabi National Golf Club hier. Also ja, ich hatte definitiv keine andere Wahl, als früh mit Golf anzufangen. Und ich liebe es. Ich habe das große Glück, dass ich als Golfspielerin um die Welt reisen kann.

Mit 21 Jahren Profigolferin

Euronews:
Mit 21 Jahren wurden Sie Profigolferin. Wie war dieser Übergang?

Amy Boulden:
Ich fand den Übergang eigentlich recht einfach, um ehrlich zu sein. Ich hatte das Gefühl, im Amateurspiel alles getan zu haben, was ich wollte. Dann habe ich mit der '(European Tour) Qualifying School' angefangen. Ich habe zwar nicht alle Spielberechtigungen erlangt. Aber am Ende bekam ich ein paar Einladungen und habe bei diesen Einladungen gut gespielt. Ich habe meine Chancen genutzt und meine Profiberechtigung bekommen. Es ist verrückt, dass das zum Ende meiner sechsten Tournee-Saison passiert.

Euronews:
2019 hatten Sie einen kleinen Leistungseinbruch in Ihrer Karriere. Aber dank Ihrer walisischen Widerstandsfähigkeit haben Sie sich davon erholt und im September Ihr erstes Damen-Open gewonnen, das Swiss Ladies Open.

Amy Boulden:
Ja. Ich spielte vergangenes Jahr in den USA. Dort habe ich auf der Symetra Tour gespielt, um ein bisschen mehr Erfahrung beim Golfspielen in den USA zu sammeln. Deshalb habe ich am Ende meine Tourkarte für die Europatournee der Damen verloren. Also musste ich zurück in die 'Qualifying School', was zu Beginn dieses Jahres wirklich hart war. Am Ende stand ich das durch, gewann und bekam meinen Tour-Status zurück. Es war harte Arbeit, den Lockdown in Großbritannien zu überstehen. Zum Glück ist mein Freund mein Trainer.

Euronews:
Es bleibt in der Familie.

Amy Boulden:
Ja. Ich habe zu Hause hart trainiert und dann vor ein paar Wochen meinen ersten Sieg errungen.

Euronews:
Wie hat sich das angefühlt? Sind Sie schon wieder zurück auf dem Teppich?

Amy Boulden:
Ja, es war einfach eine große Erleichterung, um ehrlich zu sein. Ich habe dieses Turnier gewonnen. Ich habe großartiges Golf gespielt, aber ich hatte nicht das Gefühl, alles gegeben zu haben. Es ist gut zu wissen, dass man gewinnen kann. Vielleicht spielt man nicht in absoluter Hochform. Ich dachte immer nach dem ersten Sieg läuft alles perfekt, aber so läuft Golf nicht. Ich habe gut geputtet, ich habe die ganze Woche ziemlich gut geschlagen. Es ist einfach schön, die erste Hürde genommen zu haben.

Euronews:
Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, im Sport Niederlagen zu verkraften? Haben Sie diese mentale Einstellung, alles zu schaffen - reine Willenssache?

Amy Boulden:
Auf jeden Fall. Es gibt derzeit so viele tolle Geschichten im Sport auch im Golf. Schauen Sie sich an, wer dieses Jahr die AIG Women's British Open gewonnen hat: Sophia Popov, die so viel mit Verletzungen zu kämpfen hatte und daran dachte, aufzuhören. Man braucht Durchhaltevermögen und muss hart an sich arbeiten auf dem Platz.

Als Frau im Männersport Golfen

Euronews:
Wie ist es als Frau in einer Sportart, die traditionell als männlich dominiert gilt?

Amy Boulden:
Als ich anfing, war ich, abgesehen von meinen beiden Schwestern, die einzige Nachwuchsgolferin in meinem Golfclub. Man gewöhnt sich einfach daran, mit den Jungen zu spielen. Das war es, was mir geholfen hat, um ehrlich zu sein. Es hat mein Spiel wahrscheinlich viel schneller vorangebracht, weil die Jungs immer so viel besser waren. Sie haben es immer weiter gebracht als ich. Also habe ich versucht, mit ihnen mitzuhalten. Meiner Meinung nach ist es im Wandel.

Euronews:
Ist Gleichberechtigung ein Thema beim Golfsport? Haben Sie in den vergangenen Jahren bzw. als Profi Veränderungen erlebt?

Amy Boulden:

Auf jeden Fall. Sehen Sie sich die großen berühmten Golfclubs an, bei denen Frauen früher nicht einmal auf dem Golfplatz spielen oder gar ins Clubhaus durften. Sie ändern ihre Regeln. Auch bei der Kleiderordnung ändert sich etwas für Frauen, um mit der Zeit Schritt zu halten. Meiner Meinung hat es in den vergangenen Jahren definitiv große Verbesserungen gegeben.

Euronews:
Saudi-Arabien ist im Wandel. Sie wollen dort weiterspielen nach diesem Turnier. Wie finden Sie diese Neuerungen, die es Frauen erstmals ermöglicht, Golf zu spielen. Das ist ein großer Wandel.

Amy Boulden:
Golf ist dort einer der ersten Profisportarten für Frauen. Es ist einfach eine so aufregende Zeit für sie. Ich bin eine 'Golf-Saudi'-Botschafterin und sehr stolz darauf, sie in den nächsten Wochen zu vertreten. Ich bin jetzt schon einige Male dort gewesen und fühle mich immer sehr wohl. Der Golfsport dort boomt. Die Golfplätze sind fantastisch, und es ist toll, dass die Mädchen dort die Golfplätze entdecken können. Sie werden es lieben.

Euronews:
Wir sind hier auf dem Golfplatz des Emirates Golf Club für das Moonlight-Classic-Turnier, an dem Sie teilnehmen. Wie ist es, nachts zu spielen?

Amy Boulden:
Es ist wirklich anders. Meine erste Erfahrung damit hatte ich im vergangenen Jahr bei dieser Veranstaltung. Der Übergang vom Start im Licht zum Punkt, an dem es dunkel wird und die Scheinwerfer angehen, das ist wahrscheinlich der schwierigste Teil. Das wird spannend. Ich habe gestern Abend eine Proberunde im Dunkeln gespielt, es ist etwas gewöhnungsbedürftig. Aber es ist einfach ein so lustiges Konzept. Es bringt die Leute dazu, über eine Veranstaltung zu sprechen, die ein bisschen anders ist, die es sonst nicht gibt.

Euronews:
Golf spielt hier in Dubai eine große Rolle. Warum ist das so und wie gut sind die Voraussetzungen? Sie haben auf den besten Plätzen der Welt gespielt.

Amy Boulden:
Meiner Meinung nach hilft es, dass das Wetter hier so gut ist - das trägt bestimmt dazu bei. Auch der Zustand der Golfplätze ist wirklich gut. Ich neige dazu, im Winter hierherzukommen, wenn man in Großbritannien nicht spielen oder trainieren kann. Ich liebe es, in den Nahen Osten zu kommen und an meinem Spiel zu arbeiten. Es ist der perfekte Ort. Nach Weihnachten werde ich sicherlich wieder hierherfliegen. Meine Schwester war einige Jahre hier. Ich komme hierher seit ich 15 oder 16 Jahre alt war.

Corona und der Golfsport

Euronews:
Wie beeinflusst Covid das Golfen?

Amy Boulden:
Am Anfang des ersten Lockdowns in Großbritannien war es wirklich eine schwierige Zeit. Man konnte nicht auf den Golfplatz, aber ich glaube wirklich, dass alle das Beste daraus gemacht haben. Es war schwer, ein Putting Green zu bekommen, das man auf einem Teppich oder dem Boden ausrollen konnte - jeder hat es für seinen Garten gekauft. Allen wurde klar, wie sehr man das Golfspiel vermisste. Und sobald der Lockdown aufgehoben war, kam ich auf meinem Golfplatz nicht mehr zum Abschlag. Es war so viel los. Aber es war gut, aus dieser Situation herauszukommen.

Euronews:
Da stimme ich Ihnen zu. Schön zu sehen, dass gut organisierte Turniere wie dieses durchdachte Hygienekonzepte haben, alle tragen eine Maske. Macht es das für Sie leichter?

Amy Boulden:
Auf jeden Fall. Viele Leute hatten Angst, wieder auf Reisen zu gehen. Natürlich sind wir viel unterwegs und haben viele Kontakte. Aber jedes Turnier, an dem wir teilgenommen haben, war wirklich gut organisiert. Die Veranstalter tun ihr Bestes, es gibt gute Hygienekonzepte, alle tragen Masken. Wir leben in einer Art Blase. Wir sind nur untereinander in Kontakt. Wir werden jede Woche vor dem Spielen getestet. Wir sind also in guten Händen.

Euronews:
Welchen Rat würden Sie Mädchen geben, die eine professionelle Golfkarriere anstreben?

Amy Boulden:

Wenn man sich dieses Interview ansieht, sieht man mich hier im Sonnenschein in Dubai - das sagt schon alles. Wir haben das große Glück, dass wir die Welt bereisen können und an tolle Orte kommen. Man kümmert sich sehr gut um uns. Aber ich erinnere mich auch noch wie mich mein Vater in jungen Jahren im eiskalten Hagel auf das Übungsgelände (Chipping Area) schickte. Aber Golfen ist das viele Üben und die harte Arbeit wert, die man reinsteckt. Wenn man schließlich auf Tournee geht, hat man eine tolle Zeit.