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Wirtschaftsrückblick 2014: Der Ölpreis bricht ein

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Wirtschaftsrückblick 2014: Der Ölpreis bricht ein

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Einen Verfall der Ölpreise wie im Jahr 2014 hat die Welt lange nicht gesehen. Eine gebremste Nachfrage und dazu eine wachsende Schieferölproduktion sind die Hauptursachen dieses Preisverfalls. Im Jahr 2014 hat sich das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt. Und hinter der stagnierenden Konjunktur in der Eurozone lauert das Gespenst der Rezession. Vor diesem Hintergrund liefern die Ölförderländer mehr als gebraucht wird. Jeder will mehr Rohöl fördern und zwar um fast jeden Preis. Wobei das Überangebot hauptsächlich aus dem Wachstum der Schieferöl-Produktion aus den US-Quellen resultiert.

8,6 Millionen Barrel pro Tag, das ist die aktuelle Produktion in den Vereinigten Staaten. Daraus werden 9,5 Millionen Barrel im Jahr 2015. Der Importanteil ist zurückgegangen von 60% im Jahr 2005 auf 30% heute. Und bald dürften die USA Saudi-Arabien als größter Ölproduzent der Welt ablösen. Saudi-Arabien hält 60 Dollar pro Barrel für einen guten Preis – etwas mehr als die Hälfte dessen, was noch im Juni bezahlt wurde. Dieses immense politische Glücksspiel hat das Ziel, die schwächsten Schieferproduzenten in den USA abzuschütteln So wollen die Saudis die jährliche Wachstumsrate der US-Produktion von einer Million Barrel pro Tag halbieren, um den Markt zu stabilisieren.

Der kontinuierliche Preisverfall könnte andererseits einige Megaprojekte in den Ländern der Golfregion auf den Prüfstand stellen – hier ist fast die Hälfte der Bevölkerung jünger als 25 Jahre und die Jugendarbeitslosigkeit gilt als wichtiges Thema. Andererseits beruhen die Staatshaushalte der Arabischen Golfstaaten auf Ölpreisen zwischen 85 und 100 Dollar pro Barrel – bei Barrelpreisen unter 70 Dollar kurz vor dem neuen Haushaltsjahr Anlass zum Grübeln. Francis Perrin von der Branchenzeitschrift “Pétrole et gaz arabes” sagt: “Viele vermuten, dass Saudi-Arabien diese kurzfristigen Opfer bringt, um den Markt langfristig zu stabilisieren. Dort meint man, dass sich die Dinge mittel- und langfristig stark ändern. Saudi-Arabien hat beträchtliche Finanz-Reserven, Staatsfonds und Devisenreserven der Zentralbank. Es kann es sich erlauben, ein paar Monate zu warten. Das gilt aber nicht für alle Förderländer innerhalb und außerhalb der OPEC.”

Förderländer in finanziell prekärer Lage, wie Venezuela, Iran oder Nigeria, bringt das Billigöl in Bedrängnis. Anderswo sinken die Kosten für Unternehmen, wenn die Ölpreise nachhaltig zurückgehen. Die Transportindustrie, egal ob im Luft-, Straßen- oder Seeverkehr, begrüßt enthusiastisch die niedrigere Ölrechnung. Und die positivste Wirkung bekommen die Ölverbraucherländer zu spüren. In Europa ist der Preisrückgang gut für die Kaufkraft – trotz der Steuern auf Benzin oder Diesel. Für US-Kraftfahrer – sie zahlen viel weniger Steuern auf ihren Sprit, wenn überhaupt – ist der Kaufkraftgewinn sogar noch bedeutender.

Aber: Kann sich die Welt auf nachhaltig niedrige Ölpreise einstellen? Noch Mitte 2014 hätte kaum einer auf 70 Dollar je Barrel gewettet, und auch für die Zukunft gehen die Meinungen diametral auseinander – zurück zum alten Niveau oder weiter nach unten. Francis Perrin: “Ob die Preise nun 2015 weiter fallen, oder einige Monate auf einem niedrigen Niveau bleiben – es ist es durchaus möglich, dass die OPEC im Jahr 2015 entscheidet, auf die Einnahmeausfälle zu reagieren. Was die Mitglieder der Organisation ein paar Monate aushalten, kann nicht zu lange ausgedehnt werden.” Marktanteile und damit die Macht des Kartells OPEC kann man eben nicht in Tanks oder Schließfächern einlagern.