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Der Senegal auf wirtschaftlichem Reformkurs

Dakar, die senegalesischen Hauptstadt befindet sich im Umbruch. In den letzten Monaten ist viel neue Infrastruktur entstanden oder ist noch im Entstehungsprozess. Der Senegal zeigt seine Entschlossenh

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Der Senegal auf wirtschaftlichem Reformkurs

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Dakar, die senegalesischen Hauptstadt befindet sich im Umbruch. In den letzten Monaten ist viel neue Infrastruktur entstanden oder ist noch im Entstehungsprozess. Der Senegal zeigt damit seine Entschlossenheit, bis 2035 dem Club der Schwellenländer beizutreten.

Meinung

"Warum der Senegal? Für mich hat das Land vier Vorteile. Erstens seine politische Stabilität, ein sehr wichtiger Punkt für uns Investoren. Dann die Qualität der Ingenieursausbildung, die Qualität der Telekommunikationsinfrastruktur und die im Vergleich zu anderen Ländern niedrigen Produktionskosten."

“Das Ziel ist es, den Senegal zu einem Drehkreuz in Afrika zu machen und besonders für die Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten und deren 300 Millionen Einwohner.
Dafür muss das Geschäftsklima weiter verbessert, Verfahren vereinfacht und die Kosten für Anleger gesenkt werden. Kurz gesagt: der Senegal muss wettbewerbsfähiger gemacht werden”, kommentiert unser euronews-Korrespondent Serge Rombi.

Eine riesige Baustelle 30 km südlich von Dakar. Hier entsteht das zukünftige urbane Zentrum Diamniadio, ein Schlüsselelement in der Entwicklungsstrategie des Landes.
Der Pol könnte 30.- 40.000 Arbeitsplätze bringen. Die Idee ist es auf dem über 3.000 Hektar großen Gebiet eine industrielle Plattform, Dienstleistungen, Universitäten, Krankenhäuser, Behörden und natürlich auch eine neue Stadt zu erschaffen.

“Hier wird es in drei Jahren 3.000 Unterkünfte für 15.000 Einwohner geben und 300 Büros und Geschäftsräume,” so die Projektmangerin Delphine Gnancadja.

In dem Gebiet des urbanen Pols Diamniadio wurde auch in weniger als einem Jahr das neue internationale Konferenzzentrum von Dakar aus dem Boden gestampft. Ganz in der Nähe ist der neue Flughafen Blaise Diagne, der im nächsten Jahr fertig gestellt werden soll. Er wird mit einem Schnellzug und der neuen Autobahn an Dakar angebunden sein.

Ein erster Abschnitt der Schnellstraße von 25 Kilometern ist seit zwei Jahren in Betrieb. Die erste Autobahn mit Mautgebühren in Westafrika wurde in einer Rekordzeit von 44 Monaten von einem französischen Baukonzern durch eine einzigartige öffentlich-private Partnerschaft realisiert. Ein System, das die senegalesischen Behörden auch anderweitig fördern.

“Wenn man sich die Karte von Afrika anschaut, ist man hier nur 4-5 Flugstunden von Europa entfernt, nahe an den Vereinigten Staaten, 6-7 Flugstunden von Südamerika und von Asien. Schon heute ist Dakar die Eingangstür zu Afrika”, meint der Vorstandtvorsitzende Gérard Senac von Eiffage Senegal.

Das “Diamniadio Valley”, wie manche es nennen, zieht bereits große, internationale Unternehmen an.
Wie zum Beispiel den fünftgrößten Informatikdienst der Welt, der nach Marokko den Wirtschaftspol als seinen zweiten Standpunkt in Afrika auserkoren hat.

Momadou Ndoye, Projektmanager bei ATOS Sénégal erklärt seine Wahl: “Warum der Senegal? Für mich hat das Land vier Vorteile. Erstens seine politische Stabilität, ein sehr wichtiger Punkt für uns Investoren. Dann die Qualität der Ingenieursausbildung, die Qualität der Telekommunikationsinfrastruktur und die im Vergleich zu anderen Ländern niedrigen Produktionskosten.”

Das Land bemüht sich auch, die Kapazität seines Stromnetzes zu stärken und die Tarife zu senken.
Für mittelständische Unternehmen gibt es jetzt sogar eine zentrale Anlaufstelle, durch die man die Zeit des Stromanschließens halbieren kann.

Alles Argumente, die überzeugen: “Im ersten Quartal 2015 haben wir die höchste Gründungsrate für Unternehmen seit über 15 Jahre verzeichnet. Darüber hinaus stiegen die direkten ausländischen Investitionen zwischen 2013 und 2014 um 8%,” freut sich Mountaga Sy von APIX.

Klar ist, der Senegal sendet starke Signale an die Investoren. Zum Beispiel verspricht das Land heute, dass wenn ein Investor einen kommerziellen Konflikt auf seinem Territorium hat, dieser in weniger als 90 Tagen geschlichtet wird. Dies entspricht dem OECD-Standard in diesem Bereich.

Ein weiteres Zeichen, dass die Reformen zur Verbesserung des Geschäftsklimas beginnen sich auszuzahlen: der Senegal ist im letzten Doing-Business-Ranking in die Top 5 der reformerischen Ländern aufgestiegen.

Besonders bei dem Erwerb von Grundbesitz: hier wurden die Kosten stark reduziert, weiß der Leiter der Steuerbehörde Ahmed Tidiane Ba: “Zwei wichtige Maßnahmen wurden ergriffen. Der Rückgang der Gebühren für den Eintrag ins Grundbuch, die von 15% im Jahr 2012 auf 5% im Jahr 2015 gefallen sind. Die zweite Maßnahme ist die Vereinfachung der Verfahren bei dem Erwerb von Gebäuden. Dank einer einzigen neu geschaffenen Anlaufstelle, können Sie Ihren Eigentumstitel innerhalb von 72 Stunden erhalten. “

Die Business School ISM in Dakar ist eine echte Referenz im Senegal. Hier wurden in 20 Jahren fast 12 000 junge Menschen aus rund dreißig Ländern ausgebildet
Hier gründen die Studenten Pilotunternehmen. Einige haben dabei auch die Möglichkeiten des Landes perfekt genutzt. Wie zum Beispiel eine Studentin, die ein Unternehmen gegründet hat, das in ländlichen Regionen Obst und Gemüse verarbeitet.

“Im Senegal haben die ländlichen Gebiete ein sehr großes Potenzial. Was wir gemacht haben ist, die Frauen in wirtschaftlichen Interessensgruppen zu organisieren. Wir helfen ihnen bei der Verpackung, Etikettierung und der Verarbeitung des Obsts und Gemüses. Sie kümmern sich um die Bienen- und Geflügelzucht. Und wir helfen ihnen auch dabei, alles auf unserer E-Commerce-Webseite zu vermarkten,” erklärt Khadidiatou Diop.

Der Senegal weiß, dass ihm noch einige Herausforderungen bevorstehen. Aber das Land wird seine Stärken mehr denn je dafür einsetzten, endgültig zu einem unumgänglichen Drehkreuz auf der Karte Afrikas zu werden.