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Getötete Zivilisten: Amnesty International wirft Russland Kriegsverbrechen in Syrien vor

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Russland beschuldigt, mit Luftschlägen auf Wohnviertel, Märkte, medizinische Einrichtungen

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Getötete Zivilisten: Amnesty International wirft Russland Kriegsverbrechen in Syrien vor

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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Russland beschuldigt, mit Luftschlägen auf Wohnviertel, Märkte, medizinische Einrichtungen und auf Hunderte Zivilisten in Syrien Kriegsverbrechen begangen zu haben. Dies gehe aus Recherchen und Zeugenbefragungen per Telefon hervor.

Meinung

Dabei wurde Munition eingesetzt, die derart streut, dass ein gezielter Beschuss unmöglich wird.

Konkret handele es sich um mehr als 25 Angriffe zwischen Ende September und Ende November 2015. Bei allein sechs Angriffen seien “mindestens zweihundert Zivilisten und etwa zehn Kämpfer ums Leben gekommen”.

“Unser heute veröffentlichter Bericht zeigt, dass Russland – davon gehen wir aus – Kriegsverbrechen in Syrien begangen hat, und zwar beim Angriff auf zivile Ziele. Dabei wurde Munition eingesetzt, die derart streut, dass ein gezielter Beschuss unmöglich wird. In Gebieten mit hoher Einwohnerdichte wurden ungezielt Bomben abgeworfen. Für uns Anlass genug, um von Kriegsverbrechen auszugehen”, so Neil Sammonds von Amnesty International.

Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, bedeutete dies eine Missachtung internationaler Menschenrechtsstandards, vor allem in den Provinzen Homs, Idlib und Aleppo.

Einer der von Amnesty International dokumentierten Angriffe soll einem Markt im Zentrum der Stadt Ariha gegolten haben. Drei Geschosse sollen 49 Menschen das Leben gekostet haben. Bei einem anderen Bombardement seien insgesamt 46 Zivilisten, darunter 32 Kindern im Keller eines Wohngebäudes im Dorf Al-Ghanto getötet worden sein.

Die Angriffe der russischen Luftwaffe zur Unterstützung der Regierung von Bashar al-Assad begannen am 30. September und sollten sich nach Aussage des Kremls ausschließlich gegen extremistische Gruppierungen richten, vor allem gegen Kämpfer des sogenannten Islamischen Staat.

Nach Veröffentlichung des Berichts durch Amnesty International hat Moskau eine Untersuchung der beschriebenen Vorfälle angekündigt. Nach Aussage eines Sprechers des Außenministeriums habe Moskau “keine gesicherten Beweise” für zivile Opfer.

Die regierungskritische Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London hat nach eigener Aussage zwischen Ende September und Mitte Dezember mehr als zweitausend Tote durch russische Luftangriffe registriert, darunter mehr als siebenhundert Zivilisten.

Bisher sollen im Syrienkrieg seit 2011 mehr als 250.000 Menschen getötet und Millionen vertrieben worden sein.