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Erleichterungsrally an den Börsen, Virgin-Gründer Branson gegen "Brexit"

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Erleichterungsrally an den Börsen, Virgin-Gründer Branson gegen "Brexit"

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Das “Brexit”-Referendum bleibt spannend wie ein Elfmeterschießen. Buchmacher taxierten die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs Großbritanniens in der EU dem Wettanbieter “Betfair” zufolge auf 75 Prozent, rund zehn Prozentpunkte mehr als am Freitag. In Großbritannien ging der Wahlkampf weiter, nachdem er Ende der vergangenen Woche wegen des Mordes an der Labour-Abgeordneten und EU-Befürworterin Jo Cox kurzzeitig ausgesetzt worden war.

Die Börsen atmeten auf. Der Dax kletterte um 3,43 Prozent, der EuroStoxx50 legte um 3,37 Prozent zu. Der britische Leitindex “Footsie” gewann 3,04 Prozent.

Besonders gefragt an den europäischen Aktienmärkten waren Bankenwerte. Unter den zehn größten Gewinnern im EuroStoxx50 waren sieben Finanzwerte. Deutsche Bank legten mehr als sechs Prozent zu, UniCredit, BNP Paribas, Intesa Sanpaolo und ING gewannen bis zu fünf Prozent. Der europäische Bankenindex stieg um bis zu 4,8 Prozent.

Sir Richard Branson, Gründer der Virgin Gruppe, hatte sein Coming out als Brexit-Gegner:

“Ich meine, was Großbritannien angeht, wäre das eine finanzielle Katastrophe, das Pfund bräche zusammen, der Handel würde erstickt. Das Finanzzentrum Europas in London könnte leicht nach Europa abwandern.”

Auch am Devisenmarkt war die Entspannung deutlich zu spüren. Der Euro verteuerte sich zeitweise um einen Cent auf 1,1332 Dollar. Das Pfund Sterling, in den vergangenen Wochen stark unter Druck, legte noch stärker zu, um bis zu drei Cent auf 1,4671 Dollar. Es war der größte Kurssprung seit fast eineinhalb Jahren.

“Das ist eine Erleichterungs-Rally”, sagte Marktstratege Heino Ruland vom Brokerhaus ICF, Frankfurt. “Die Finanzmärkte hängen mittlerweile ausschließlich an den Brexit-Umfragen.”

Die gestiegene Risikofreude der Anleger machte sich auch an den Rohstoff- und Anleihemärkten bemerkbar. Der Preis für ein Barrel Nordsee-Öl Brent knackte wieder die 50-Dollar-Marke und auch das wichtige Industriemetall Kupfer legte deutlich zu. Gold verbilligte sich um über ein Prozent auf 1.282 Dollar je Feinunze.

Auch Bundesanleihen, die Investoren in schwierigen Zeiten gerne in ihre Depots legen, weil sie als eine der sichersten Anlagemöglichkeiten gelten, waren nicht mehr so stark gefragt. Das trieb die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen wieder über null Prozent. Sie rentierten bei 0,05 Prozent, nachdem sie vergangene Woche zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ins Minus gerutscht waren.

su mit dpa

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