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Aleppo: Eine syrische Tragödie

Die humanitäre Lage in Aleppo ist katastrophal. Die Rebellengebiete der Stadt hatten in den vergangenen zwei Wochen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Krie

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Aleppo: Eine syrische Tragödie

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Die humanitäre Lage in Aleppo ist katastrophal. Die Rebellengebiete der Stadt hatten in den vergangenen zwei Wochen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren erlebt. Ganze Viertel mit ihren Schulen und Krankenhäusern wurden zerstört – zahlreiche Zivilisten wurden getötet und verletzt, darunter viele Kinder.

Meinung

Aleppo könnte in zwei, maximal zweieinhalb Monaten komplett zerstört sein.

Staffan de Mistura Uno-Sondergesandte

Auch in den sozialen Netzwerken gingen die Bilder um die Welt. Die Empörung steigt. In einer neuen Online-Petition fordern zahlreichen Aktivisten, Journalisten und Professoren vorwiegend aus den Niederlanden, aber auch aus Deutschland, USA, Frankreich und Belgien ein Ende der Gewalt.

Das deutsche Magazin “der Stern” setzt an diesem Freitag ein Zeichen für Aleppo und titelt in seiner Online-Ausgabe: “Wir schweigen heute”. Nur Bilder aus der zerstörten Stadt sollen auf das Leid der syrischen Stadt aufmerksam machen. “Nein, wir haben nicht genug berichtet”, heißt es in einer Erklärung.

Nach den Angriffen auf mehrere Lastwagen eines Hilfskonvois in Syrien erklärte der scheidende UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon bei der Generaldebatte in New York vergangenen Monat: “Der widerliche und offenbar vorsätzliche Angriff auf einen Hilfskonvoi des syrisch-arabischen Roten Halbmondes ist nur das jüngste Beispiel. Die Vereinten Nationen sind nach dieser Gewalttat dazu gezwungen, alle Hilfslieferungen vorerst einzustellen.”

Die jüngsten Luftangriffe der russischen und syrischen Armee haben weitreichende Konsequenzen für den Alltag der Menschen in Aleppo. Ein Anwohner berichtet: “Keiner ist hier in diesem Gebiet geblieben, nur von zwei oder drei Familien ist bekannt, dass sie dieses Viertel hier nicht verlassen haben. Die Wasserversorgung wurde bereits vor anderthalb Jahren unterbrochen, und es gibt schon lange keinen Strom mehr.”

Der Uno-Sondergesandte Staffan de Mistura gab einen düsteren Ausblick, sollten die Angriffe in der gleichen Intensität fortgeführt werden “Der Ostteil der Metropole könnte dann in zwei, maximal zweieinhalb Monaten komplett zerstört sein. Wir sprechen hier im Besonderen von der Alstadt. Tausende von Zivilisten, nicht Terroristen werden ums Leben kommen.”

Aber eine politische Lösung, ein dauerhafter Waffenstillstand, scheint wieder in weite Ferne gerückt. Auf diplomatischer Ebene sind die Gespräche zum Erliegen gekommen, nachdem die USA und Russland die Syrien-Gespräche abgebrochen haben.